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Europa

Wenig Interesse an Barrosos Rede

Die erste Rede zur Lage der Union wendet sich nicht an die Bürger der Union, sondern an die EU-Abgeordneten. Das ist gut so, meint Brüssel-Korrespondent Christoph Hasselbach. Sonst interessiert sich auch keiner dafür.

Themenbild Kommentar

Die jährliche Rede des amerikanischen Präsidenten zur Lage der Nation ist einer der Höhepunkte des politischen Lebens in den USA. Millionen Amerikaner verfolgen die Rede zur besten Sendezeit im Fernsehen. Es ist nicht nur eine Rede zur Lage der Nation, sondern es ist auch eine direkt an die Nation.

Nicht von Interesse?

Porträtfoto von Brüssel-Korrespondent Hasselbach (Foto: DW)

Einer der wenigen, die die Rede gehört haben: Christoph Hasselbach

EU-Kommissionspräsident Barroso hatte offensichtlich etwas ähnlich Bedeutungsvolles im Blick, als er die erste Rede zur Lage der Union hielt. Im Unterschied zum amerikanischen Modell sprach Barroso allerdings nicht zur Bevölkerung, sondern vor EU-Abgeordneten. Das war wohl auch besser so: Ganz abgesehen vom Problem der vielen unterschiedlichen Sprachen in der EU hätte sich wohl kaum ein europäischer Fernsehzuschauer für die Rede interessiert. Barroso ist zwar formal einer der wichtigsten Personen in der Europäischen Union - aber die meisten europäischen Bürger kennen ihn meist nicht einmal.

Doch man sollte meinen, wenigstens für die Europaabgeordneten seien Barrosos Auftritt und die anschließende Debatte ein Höhepunkt - vor allem, weil es das erste Mal war. Doch weit gefehlt: Aus Angst, Barroso werde möglicherweise vor einem halbleerem Haus sprechen, hatten die Fraktionsvorsitzenden den Abgeordneten zeitweilig gedroht, ihnen das Sitzungsgeld zu kürzen, wenn sie die Rede schwänzen. Nach scharfen Protesten über „unwürdige Methoden“ haben es die Fraktionschefs dann bei der nachdrücklichen Ermahnung bewenden lassen, doch bitte, bitte vollzählig zu kommen.

War das alles nötig? Offenbar schon. Die Anwesenheit im Parlament lässt ohnehin oft sehr zu wünschen übrig. Doch was sagt das über die Lage der Union aus? Mehr als alle Worte Barrosos? Das schöne Reden über Europas Relevanz für die Bürger und seine Bedeutung in der Welt wird offenbar sehr relativ, wenn man in der gleichen Zeit auch shoppen gehen könnte.

Autor: Christoph Hasselbach
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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