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Politik

Wenig Hoffnung in Bethlehem

Keine Feiern auf dem Krippenplatz, ein sparsam geschmückter Weihnachtsbaum, wenig Pilger: Der Geburtsstadt Jesu steht auch in diesem Jahr ein trauriges Weihnachtsfest bevor.

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Priester in der Geburtskirche in Bethlehem

Bethlehems Bürgermeister Hanna Nasser hat zum dritten Mal die offiziellen Weihnachtsfeiern abgesagt. Nur die Christmette werde man feiern, einen Weihnachtsbaum schmücken und ein paar wenige Straßen dekorieren. Mehr geht in Bethlehem zu Zeiten der Intifada nicht. Die Ärztin Hiryam Marzouka vom Bethlehemer Caritas-Babyhospital hat zu Weihnachten somit vor allem einen Wunsch: "dass die Leute einfach wieder zur Kirche gehen können und die Kinder Weihnachten spüren".

Die israelische Armee zog im vergangenen Juli zwar ihre Truppen aus der palästinensischen Stadt ab. Doch für die Bewohner Bethlehems hat sich seither kaum etwas verbessert. Viele haben wegen der wegbleibenden Touristen ihre Arbeit verloren – und viele auch ihre Hoffnung. Hiryam Marzouka wünscht sich auch, dass bald wieder "viele Gruppen aus dem Ausland kommen." Denn von den Besuchern hängt viel für die Menschen im abgesperrten Bethlehem ab. Mit ihnen verdienen die Bethlehemer ihr Geld.

Leere in der Geburtskirche

Früher kamen im Jahr mehrere hunderttausend Touristen und Pilger in die Stadt, heute bestenfalls ein paar hundert. Die Souvenirshops können nichts mehr verkaufen, die Hotels sind geschlossen. Hiyam Marzouka erinnert sich: "Weihnachten als Kind habe ich schön in Erinnerung: Viele Touristen waren da, und wir waren alle auf der Straße, sogar mit Musik." Damals war Weihnachten in Bethlehem etwas Besonderes. Touristen kamen, um den Krippenplatz zu besichtigen und an der feierlichen Mitternachtsmette in der Geburtskirche teilzunehmen. Heute liegt der Krippenplatz verlassen da, und die Geburtskirche ist wie leer gefegt.

"Die Situation wird immer schlimmer", befürchtet die Sozialarbeiterin Lina Rahil. "Vor drei Jahren standen wir schon einer schrecklichen Situation gegenüber, aber jetzt ist es noch viel schlimmer." Lina hat gerade ihr drittes Kind geboren. Bis zum Tag der Geburt arbeitete sie als Sozialarbeiterin im Caritas-Babyhospital. Dort sah sie viel Elend: Viele arme Familien aus der Gegend um Hebron und Bethlehem, die ihren Kindern nicht genügend zu essen geben können.

Kinder leiden unter Blockadepolitik

"Viele Kinder leiden unter Mangelernährung. Die meisten Arbeiter bekommen nicht genug Geld, um die täglichen Ausgaben zu bestreiten. Es ist zum Beispiel sehr schwer für sie, Obst zu kaufen, Fruchtsäfte und was sonst noch für Kinder und stillende Mütter wichtig ist", erzählt die Sozialarbeiterin. Lina denkt: "Es kann gar nicht mehr schlimmer werden. Es ist, als ob wir in einem Käfig sitzen würden. Wir können uns nicht weiter entwickeln. Im Gegenteil: Wir entwickeln uns zurück."

Die Blockadepolitik Israels gegen die Palästinenser hat nach einem UN-Bericht zu gravierenden Engpässen bei der Versorgung der Bevölkerung geführt. Jedes elfte palästinensische Kind leide wegen Mangelernährung bereits unter irreparablen Hirnschädigungen, so der UN-Bericht. Auch die Familie Sanssour leidet in diesen Adventstagen unter der immer drückender werdenden Armut.

Youssef und seine Frau Samira haben zwei Kinder. Viktor ist dreieinhalb Jahre als und Georges drei Monate. Die 21-jährige Samira hätte gerne noch mehr. Aber das wäre angesichts der derzeitigen Lage viel zu riskant. "Früher hatte das Rote Kreuz ein Programm, durch das wir ganz gut leben konnten. Das aber wurde vor kurzem gestoppt wurde. Und jetzt ist es sehr schwierig", erzählt Youssef. Er ist arbeitslos und ohne Hilfe von außen. "Ich versuche, irgendeine Arbeit zu finden", versichert er. Jeden Tag geht er raus und sucht. Aber: "Was soll ich machen? Ich kann hier nicht raus, die Stadt ist versiegelt, und das macht es schwer, eine Arbeit zu bekommen."

Den Weihnachtsabend wollen Youssef, Samira und ihre Kinder mit Beten verbringen. Und Feiern? Das "werden wir nicht, denn wenn man diesen Tag richtig feiern will, dann braucht man dazu das Nötige - und das haben wir nicht."