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Wirtschaft

Wenig Energie im arabischen Raum

Ein deutsch-arabisches Energieforum in Berlin hat kürzlich gezeigt: Es geht längst nicht mehr nur um Öl und Gas, sondern auch um erneuerbare Energien in dieser Region. Doch bei der Realisierung von Projekten hakt es.

Sonnenspiegel für das Projekt Desertec (Foto: DW)

Großes natürliches Potential für Sonnenenergie in der Region

Es zeichnet wahrscheinlich gute Wirtschaftsführer aus, das Potential von Märkten zu erkennen, selbst wo sie noch gar nicht existieren. Was erneuerbare Energien angeht, sind der Nahe Osten und Nordafrika für die deutsche Industrie so eine Region. Man wittert sehr viel Zukunft, in der Gegenwart allerdings lohnt es kaum, hier zu investieren. "Die Rahmenbedingungen existieren nur begrenzt", sagt Marc Fevre, der sich in der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer mit den politischen Rahmenbedingungen für den Ausbau erneuerbarer Energien beschäftigt. Es gebe Staaten, die keinen rechtlichen Rahmen für Erneuerbare Energien haben und solche, die einen unvollständigen haben. Das sind Marokko, Algerien, Tunesien und Jordanien. "Es gibt Verfahren, um Konzessionen für die Energieerzeugung zu erteilen, es gibt Vorschriften für die Energieversorger, Strom aus erneuerbaren Energien zu kaufen. Aber es gibt keinerlei finanzielle Unterstützung, keine Subventionen wie etwa in Deutschland."

Niemals stattgefunden

Gebirgslandschaft in Jordanien (Foto: DW)

Jordanien möchte seine Wind- und Sonnenpotential besser nutzen

Vor allem aber gibt es Behörden, die kaum in der Lage sind, erneuerbare Energien auch tatsächlich zu fördern. Jordanien, das nicht zu den erdölfördernden Ländern gehört und deshalb ein besonderes Interesse an erneuerbaren Energien hat, plant seit mehreren Jahren einen großen Windpark. "Alles lief gut, nur dass es eben niemals stattgefunden hat", fasst Erik Becker trocken zusammen. Er arbeitet für die International Finance Corporation, eine Unterorganisation der Weltbank, die das Projekt finanzieren sollte.

Erst stritten die jordanische Regierung und der Betreiber um den Abnahmepreis für den Strom. Jordanien wollte nicht mehr als zwölf Cent pro Kilowattstunde zahlen - zu wenig, um den Windpark rentabel zu betreiben. Daraufhin war der Investor nicht bereit, weiter in die Anlage zu investieren. "Dann hat Jordanien gesagt, lass uns erstmal einen anderen Windpark bauen. Und wir haben geantwortet: Die Welt wartet noch auf den einen. Jordanien sagte: Dann probieren wir es eben mit Sonnenenergie. Da haben wir geantwortet, das geht niemals zu einem Preis von zehn oder zwölf Cent. Da hat die Regierung gesagt: Das ist ein Argument. Lasst uns weiter in Verhandlung bleiben."

Der Wille ist da

Windrad vor dunklem Himmerl (Foto: dpa)

Im Nahen Osten gibt es keine Subventionen für Windenergie

Das mag ein wenig überspitzt klingen, aber ähnliche Erfahrungen haben Investoren in mehreren Ländern in der Region gemacht. Oft ist zwar der Wille da, neue Wege in der Energieversorgung zu gehen, doch die praktische Ausführung stellt viele Länder vor große Probleme. "Es hakt in vielen Fällen daran, dass die Regierung zum ersten Mal mit dem Privatsektor zusammenarbeitet", sagt auch Bruno Wenn, der Geschäftsführer von der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft, die solche Projekte für deutsche Unternehmen finanziert. "Deswegen rate ich allen Regierungen dazu, bei der ersten Zusammenarbeit mit dem privaten Sektor sehr sorgfältig vorzugehen. Denn gescheiterte Projekte sprechen sich in der Branche sehr schnell herum", meint Wenn. Und die führten dazu, dass der private Sektor nicht mehr bereit sei, sich zu engagieren.

Wind und Sonne im Überfluss

Solaranlage in Israel (Foto: apn)

Im Nahen Osten eher selten: Solaranlage in Israel

Das Umdenken aber hat in der Region begonnen. In mehreren Ländern sollen in den nächsten Jahren Gesetze über erneuerbare Energien beschlossen werden. In Ägypten zirkuliert bereits ein Entwurf, auch Saudi-Arabien wird wohl bald die Rahmenbedingungen für Wind und Solarkraft beschließen. Bisher allerdings spricht in vielen Ländern alles dagegen, in Wind oder Solarenergie zu investieren. Auch, weil viele erdölfördernde Staaten Öl im Inland zu subventionierten Preisen abgeben. Ein saudi-arabisches Kraftwerk muss für ein Barrel Schweröl gerade einmal Zweieinhalb Dollar bezahlen. Schweröl zu verbrennen ist zwar so ziemlich die dreckigste Art, Energie zu erzeugen, aber dank des Vorzugspreises unschlagbar günstig, sagt Becker: "Damit kann man eine Kilowattstunde für drei Cent erzeugen. Aber die Rechnung sähe anders aus, wenn Saudi-Arabien dieses Barrel für achtzig Dollar auf dem Weltmarkt verkaufen würde."

Interessant ist die Region für die Erneuerbare-Energien-Industrie vor allem, weil die Natur hier beste Voraussetzungen geschaffen hat. Es ist eine der sonnenreichsten Gegenden und viele Länder haben auch sehr gute Windwerte. Es ist eben eine Region mit Zukunft.

Autor: Mathias Bölinger
Redaktion: Rolf Wenkel