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Europa

Wenig Begeisterung für Berlusconi-Comeback

Silvio Berlusconis angekündigte Rückkehr in die Politik stößt bei vielen Italienern auf Skepsis. Sie befürchten, das Land könnte noch tiefer in die Wirtschaftskrise rutschen. Gerade die Rentner könnten Berlusconi helfen.

"Ich kann es nicht glauben, dass Berlusconi noch einmal antreten will." Daniele Davico ist entsetzt. Der Student fürchtet sogar, dass Berlusconi erneut gewählt werden könnte. "Vor allem ältere Menschen, die unter den von Monti durchgesetzten Rentenkürzungen zu leiden haben und von nervösen Finanzmärkten nichts wissen, könnten versucht sein, ihm wieder ihre Stimme zu geben." So wie Danieles Großmutter, die bereits 1994 Berlusconi gewählt hat. Daniele ist 1994 auf die Welt gekommen, in dem Jahr, in dem Silvio Berlusconi zum ersten Mal Ministerpräsident Italiens wurde. 18 Jahre ist das her - eine Zeit die auch an Berlusconi nicht spurlos vorübergegangen ist, trotz chirurgischer Eingriffe und Haartransplantation. Gegen den Medienunternehmer wirkt der nüchterne Wirtschaftsprofessor Mario Monti geradezu jung. Aber: Monti hat es nicht geschafft, die Wirtschaft anzukurbeln.

Kein Wachstum und steigende Arbeitslosigkeit

Trotz Pulverschnee sind die italienischen Skigebiete nicht so gut besucht wie in den Vorjahren – vielen fehlt das Geld

Auch die italienischen Skigebiete sind in diesem Jahr nicht so gut besucht – vielen fehlt das Geld

Italien steckt tief in der Rezession und vielen Menschen geht es schlechter als bei Montis Amtsantritt. Die Arbeitslosigkeit ist gestiegen und Montis Popularität dementsprechend gesunken. Die Nachricht von seinem bevorstehenden Rücktritt kommentieren manche nur mit einem Achselzucken. Resignation hat sich breit gemacht.

"Wir haben doch eh keine Zukunftsperspektive", sagt eine Dame, die mit leeren Händen aus einem Geschäft für Porzellan und Geschenkartikel im Mailänder Zentrum tritt. Der Laden ist nicht gerade überfüllt. Eine Kundin lässt sich einen dekorativen Teller für Kekse einpacken, eine zweite streicht unschlüssig über verschiedene Teetassen. Verstohlen hebt sie sie hoch, um nach dem Preis zu schauen. "Die Leute kaufen wenig und wenn, dann nehmen sie die preisgünstigeren Artikel", sagt Ladenbesitzerin Lisetta Bocca. Ein Kopfschütteln, ein Seufzer, dann widmet sich die Einzelhändlerin ihrem Schaufenster, drapiert die Tischsets mit Tannenzapfen neu, rückt die filigranen Christbaumkugeln aus Glas ins rechte Licht. Zufrieden ist sie mit dem Geschäftsjahr 2012 nicht.

Sparmaßnahmen belasten untere Einkommensschichten

Die Zahl der Familien, die auf Lebensmittelmarken angewiesen sind, steigt.

Die Zahl der Familien, die auf Lebensmittelmarken angewiesen sind, steigt

Der Inlandskonsum ist zurückgegangen, weil die Kaufkraft der Bürger nachgelassen hat. Von Mario Monti, dem Wirtschaftsprofessor, hatten viele Italiener mehr Impulse für Wachstum erwartet. Stattdessen habe er, wie Student Daniele Davico sagt, Italien kaputtgespart. Die italienische Krise hat eine lange Geschichte, darin sind sich Italiens Wirtschaftsexperten einig. Durch die Probleme in der Euro-Zone hat sich die Situation jedoch in kürzester Zeit verschlechtert. Mario Monti hat dafür gesorgt, dass Italien an Glaubwürdigkeit im Ausland gewinnt und auf diese Weise dem Land Kredite verschafft. Doch die von ihm verordneten Sparmaßnahmen belasten vor allem die unteren Einkommensschichten und den Mittelstand.

Dass die italienischen Aktien nach der Rücktrittsankündigung von Monti dramatisch an Wert verloren haben, dass es für die Regierung wieder teurer wird, sich am Kapitalmarkt Geld zu leihen - das kümmert Arbeitslose und Rentner, Einzelhändler und Restaurantbetreiber wenig. Sie sind zu beschäftigt mit dem täglichen Kampf um ihr wirtschaftliches Überleben. Bei ihnen könnte Berlusconi wieder punkten. Seine Wahlkampfmaschine läuft bereits auf Hochtouren. Seine Fernsehsender stärken ihm wie üblich den Rücken. Derzeit lehnen 80 Prozent der Italiener eine erneute Amtszeit des Medienunternehmers ab, aber bis zu den für Februar geplanten Neuwahlen bleibt ihm noch Zeit, für einen Stimmungswandel im Land zu sorgen.

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