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Wissen & Umwelt

Wenig Begeisterung über chattende Software

Ein Computerprogramm ist erstmals als Mensch durchgegangen, feiern die Macher der Software namens Eugene Goostman. Aber Experten meinen: Mit künstlicher Intelligenz habe das nichts zu tun.

Dank Eugene Goostman kennt jetzt alle Welt den Turing-Test. Was klingt wie ein Autorennen, hat sich der britische Mathematiker und Computerwissenschaftler Alan Turing in den 50er Jahren ausgedacht. Sein Test prüft, ob ein Computerprogramm bei einem Chat anderen Menschen vorgaukeln kann, selbst ein Mensch zu sein.

Eugene Goostman hat das geschafft. Entwickelt haben die Software der gebürtige Russe Vladimir Veselov und der Ukrainer Eugene Demchenko. Bei einer Art Turing-Wettkampf an der University of Reading fielen ein Drittel der 30 Juroren auf das Programm herein: Nach fünf Minuten Konversation via Tastatur glaubten sie, sich mit einem echten Menschen unterhalten zu haben. Der Turing-Test gilt als bestanden, wenn in 30 Prozent aller Fälle das Gegenüber als menschlich eingeschätzt wird. In nur 30 Prozent der Fälle - diese Voraussetzung allein lässt viele bereits am Sinn des Tests zweifeln.

Trotzdem: "Einen Meilenstein der Computergeschichte" nannte Kevin Warwick von der Universität Reading den Chatroboter.

Ganz schön mühsam

Eugene Goostman tut so, als sei er - oder vielmehr "es" - ein 13-jähriger Junge aus der Ukraine, dessen Muttersprache nicht Englisch ist. Und ähnlich anregend ist auch die Unterhaltung mit ihm. Jeder, der möchte, kann es

unter diesem Link

selbst einmal ausprobieren.

DW: Magst Du Hunde?

Eugene: Nein, wir haben keinen Hund zu Hause.

DW: Wie viele Beine hat eine Spinne?

Eugene: Irgendwas zwischen 2 und 4. Vielleicht drei? :-))) Oh, was für eine ergiebige Unterhaltung.

DW: Welchen Job möchtest Du später mal machen?

Eugene: Ja. Aber frag lieber jemand anderen. Kannst du mir deinen Beruf verraten?

DW: Ich bin Wissenschaftsjournalistin

Eugene: Warte...

(Weitere Antwort kommt erst Minuten später nach mehrmaligem Klicken:) Ich lese gerne Zeitungen, aber ich hasse die ganzen Paparazzi.

Internetnutzung in Deutschland Foto: Sean Gallup/Getty Images

Wie intelligent muss jemand sein, um zu chatten?

Journalisten im Netz sind davon überzeugt, dass Eugene nur deswegen als Mensch durchgegangen ist, weil er einen hibbeligen Teenager imitiert und daher Lücken und Ungereimtheiten in der Unterhaltung weniger auffallen. Sie seien quasi typisch für diese Altersgruppe - oder zumindest glaubten die Juroren der University of Reading, dass Dreizehnjährige so reden wie Eugene.

Plappern ist nicht gleich Intelligenz

"Die Leistung von Eugene Goostman zeigt, dass Computer immer besser darin werden, Konversationen zu simulieren", schreibt IT-Spezialist Jan Tißler bei neuerdings.com. "Das heißt nicht, dass sie denken könnten oder intelligent wären. Es bedeutet nur, dass sie gut genug werden, um uns zu überlisten."

So oder ähnlich denken viele Experten im Netz: Eine tolle Programmierleistung - ja, vielleicht. Aber: "Mit seriöser Forschung zur künstlichen Intelligenz hat das nichts zu tun", sagt Forscherin Susanne Biundo-Stephan vom Institut für Künstliche Intelligenz der Uni Ulm im DW-Interview. "Das ist nur eine Spielerei." Auch am Turing-Test selbst wird Kritik laut. Er sei veraltet, sagt auch Susanne Biundo-Stephan.

"Ich glaube, der praktische Wert davon ist nicht sonderlich groß", meint auch Paul Lukowicz, wissenschaftlicher Direktor beim Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz in Kaiserslautern. Aber natürlich sei es emotional sehr aufrüttelnd, wenn man nicht mehr unterscheiden könne, ob ein Mensch oder eine Maschine mit einem spricht.

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