1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sport

Wenig Aufregung über "Gaucho-Gate"

Deutschland diskutiert über den "Gaucho-Tanz" der Nationalmannschaft. Auch in Argentinien sind die Meinungen zu der Tanzeinlage gespalten. Eine große Nachricht ist die Sache dort jedoch nicht.

Berlin, zwei Tage nach dem WM-Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Argentinien. Rund 300.000 Deutschland-Fans feiern ihre Mannschaft auf der Fanmeile. Das Team kommt direkt vom Flughafen zum Brandenburger Tor auf die Bühne und bringt Tanz- und Jubeleinlagen für die Fans mit. Darunter auch dieser:

"So gehen die Gauchos",

singen sechs der Nationalspieler und laufen gebückt die Bühne entlang. "So gehen die Deutschen", schreien sie dann und hüpfen den Fans entgegen. Es ist eine der vielen Melodien, die von Fußballfans oft und mit unterschiedlichen Texten gesungen wird. Die Nationalspieler haben nach dem WM-Sieg gegen Argentinien ihren "Gaucho-Song" daraus gemacht.

Deutsche Medien strafen den Tanz als "Schnapsidee", "unsportlich" oder

"dumm"

ab. Auch bei Twitter ist unter dem Hashtag

"Gauchogate"

viel Kritik an der Aktion gesammelt. Gleichzeitig äußern sich aber auch zahlreiche Nutzer, die die "nörgelnden" Medien kritisieren.

In Argentinien kein großes Thema

Schaut man am Tag nach der Tanzeinlage auf die Startseite einer der größten und wichtigsten Tageszeitungen in Argentinien "Clarín", findet man lediglich eine nüchterne Nachricht im unteren Bereich der Startseite: "Die Deutschen feiern mit einem Liedchen, das sie den Argentiniern gewidmet haben" heißt es unemotional in der Meldung. Ganze 130 Wörter ist den Journalisten der Tageszeitung diese Meldung wert. Eine andere große Tageszeitung "La Nación" meldet, dass deutsche Medien sich über den Tanz aufregen. Lediglich in den Kommentarspalten zu den beiden Meldungen empören sich einige Leser über die "geschmacklose" Einlage.

Besonders radikal kommentierte der in Argentinien bekannte Sportjournalist Victor Hugo Morales das Ganze in seiner Radiosendung. So bezeichnete er die Deutschen als "ekelhafte Nazis". Auch zahlreiche Twitter-Nutzer springen auf den Zug der Nazivergleiche auf. Gehören neben den Argentiniern, die die Aktion für "witzig" oder "anders" halten, jedoch eher zur Minderheit.

"So kurz nach dem Finalspiel sind einige Argentinier vielleicht noch ein bisschen sensibel", sagt der argentinische Journalist José Esses und Autor des Buches "Siamo Fuori - Warum wir keine WM in den letzten 24 Jahren gewannen und warum es in Brasilien klappen könnte.". Der in Berlin lebende Journalist hält den Tanz der Deutschen für harmlos: "Jeder, der sich ein bisschen mit dem argentinischen Fußball auskennt, hält das für einen Kinderspaß."

Argentinische Fans verhöhnen verletzten Neymar

Fanmeile am Brandenburger Tor (Foto: Wolfgang Kumm/dpa )

Rund 300.000 Menschen kamen auf die Fanmeile in Berlin

Wie man seine Gegner nach einer Niederlage niedermachen kann, wissen die Argentinier selbst wohl am besten. So tanzten Fans der argentinischen Mannschaft nach der Verletzung des brasilianischen Superstars Neymar beim Spiel gegen Kolumbien mit der Nachbildung einer Wirbelsäule durch die Straßen Brasiliens. Und nachdem Brasilien

1:7 gegen die Deutschen verlor,

dichteten andere Anhänger der Albiceleste ein beliebtes Schmählied, in dem sie sich über die Niederlage Brasiliens gegen Argentinien im Jahr 1990 lustig machten, sogar noch einmal um: "Brasilien sag mir wie es sich anfühlt aus der WM zu fliegen." Diese "Hymne", soll auch mehrmals in der Umkleidekabine der Albiceleste zu hören gewesen sein, auf Youtube kursiert gar ein Video, auf dem man drei aktuelle Nationalspieler das Lied singend und dazu tanzend sehen soll.

"Das gehört in Argentinien beim Fußball einfach dazu", sagt auch der DW-Korrespondent in Buenos Aires Marc Koch. "Auf der Fanmeile in Buenos Aires pfiffen und schimpften die Fans jedes Mal, wenn die Deutschen den Ball eroberten. Die Wörter, die da genutzt werden, will man gar nicht wiedergeben."

Argentinier unterstützen ihre Mannschaft

Fußball WM 2014 Brasilien Kolumbien Viertelfinale

Opfer argentinischer Schmähungen: Neymar

Der Argentinier Esses glaubt, dass sich die Deutschen mehr als nötig aufregen. Das zeigen auch die nationalen Trends im sozialen Netzwerk Twitter. Während in Deutschland der Hashtag "Gauchogate" am Morgen des 16.7.2014 auf Platz drei der am meisten geteilten Tweets steht, taucht er in Argentinien gar nicht erst unter den Top-Ten auf. Vielmehr unterstützen die Fans ihre Mannschaft. Der Hashtag

"FandomParaLaSeleccion"

ist derzeit in Argentinien der am meisten genutzten Hashtag. Er bedeutet so viel wie "Wir stehen hinter unserer Mannschaft."

Die ganze Aktion ist übrigens keine neue Idee der deutschen Nationalspieler gewesen: Schon bei der Feier nach der Europameisterschaft im Jahr 2008 veralberten die Spieler gemeinsam mit Comedian Oliver Pocher die Spanier, die damals die EM gewannen.

Das berichtet der deutsche Blogger Stefan Niggemeier,

der ebenfalls alte Zeitungsartikel zitiert. Schon damals hatte sich der Deutsche Fußballbund kritisch zu dem Tanz geäußert. Man müsse mehr Kontrolle über derartige Feierlichkeiten haben, zitierte die Zeitschrift "Sportbild" Oliver Bierhoff.

Mittlerweile äußerte sich auch DFB-Chef Wolfgang Niersbach zu dem Fall: "Es tut uns leid, wenn dies bei einigen falsch und missverständlich rübergekommen ist." Die Aktion sei in keinster Weise despiktierlich gemeint gewesen und sei "aus einer Feierlaune" heraus entstanden. Außerdem werde Niersbach nun einen Brief an den argentinischen Fußballverband schicken, um jegliche Missverständnisse aus der Welt zu schaffen.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links