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Wirtschaft

Wendelin Wiedeking: "No risk, no fun!"

Während der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt am Main sprach Porsche-Chef Wendelin Wiedeking mit DW-WORLD über Porsches Investitionen in Umwelttechnologien, Marktchancen in China und über ganz Privates.

Wendelin Wiedeking, Quelle: Porsche AG

Wendelin Wiedeking

DW-WORLD: Das Motto der IAA heißt "Sehen, was morgen bewegt". Was sehen wir bei Porsche?

Wendelin Wiedeking: Porsche ist auf der IAA - wie immer - mit sehr modernen Fahrzeugen vertreten, die Fahrfreude mit Umweltbewusstsein verbinden. Die Palette reicht vom 911GT2, der Top-Version der 911 Modellreihe, über das 911 Cabriolet Turbo mit 480 PS, den Cayenne GTS, der sportlichen Variante des Cayenne, mit deutlich verbesserten Verbrauchswerten bis hin zum Prototypen eines Cayenne Hybrid, der weniger als neun Liter auf 100 Kilometer verbrauchen wird. Das heißt, von Porsche kann man auch in Zukunft viel erwarten.

Im Vorfeld der diesjährigen Internationalen Automobilausstellung wurde der Ton im Streit über die CO2-Grenzwerte lauter und schärfer. Sie haben ihre Meinung ganz offen geäußert. Haben Sie ein besseres Konzept?

Die Autoindustrie ist nicht der größte CO2-Emittent, obwohl das immer so dargestellt wird - in Deutschland tragen die Personenkraftwagen weniger als zwölf Prozent zur CO2-Emission bei. Die Autoindustrie hat in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich an Umweltthemen gearbeitet. Von 1970 bis 2006 wurden die Schadstoff-Emissionen der Autos um 98 Prozent reduziert! Porsche hat in den letzen 15 Jahren jedes Jahr 1,7 Prozent CO2-Emissionen reduziert, und wir werden auch in den nächsten Jahren mit modernen Antriebs- und Fahrzeugkonzepten die CO2-Emissionen reduzieren. Zurzeit geben wir mehr als zehn Prozent unseres Jahresumsatzes für Forschung und Entwicklung aus.

Die Autoindustrie ist nicht so schlecht wie ihr Ruf. Ich glaube, dass wir zur Zeit eine Stellvertreter-Diskussion führen - das hat auch etwas mit Neid zu tun und damit, dass man mit Autos leichter argumentieren kann.

Wie passen Umweltbewusstsein und leistungsstarke Sportwagen zusammen?

Unsere aktuellen Sportwagen verfügen dank umfangreicher Forschungen über den geringsten CO2-Ausstoß pro PS. Würden unsere Technologien in Klein- oder in Mittelklassewagen eingesetzt werden, könnten diese deutlich emissionsärmer fahren. Als deutscher Premium-Hersteller gehört es zu unserer Strategie, Geld zu investieren und Technologien zu erproben, die mit der Zeit auch in Mittelklasse- und dann auch in Kleinwagen verwendet werden können. Ein gutes Beispiel dafür ist die ABS-Technologie, die vor vielen Jahren von Mercedes Benz eingeführt wurde und damals mit sehr hohen Kosten verbunden war, auch für den Kunden. Heute ist die ABS-Bremstechnologie weit verbreitet. Das heißt, wir brauchen die Vielfalt des Angebotes - Top-End-Autos, Mittelklasse- und Kleinwagen - damit sich die Autoindustrie insgesamt technologisch nach vorne bewegt.

Wie finden Sie die emissionsbezogene Neuordnung der Kfz-Steuer?

Wir hätten mit einer Kfz-Steuer, die sich am CO2-Ausstoß orientiert, kein Problem - wenn das der politische Wille ist, ist das in Ordnung. Der Staat sollte sich nur nicht der Versuchung hingeben, noch mehr Steuern einnehmen zu wollen.

Das Auto wird von vielen hin und wieder verteufelt. Dabei leben alle Staatshaushalte, egal ob in einem Land Automobile gebaut werden oder nicht, zum Großteil vom Automobil, nämlich über die Mehrwert- und Mineralölsteuer.

Sie wurden 1993 Vorstandvorsitzender von Porsche. Damals steckte das Unternehmen in einer tiefen Krise. Heute erleben Sie einen Erfolg nach dem anderen. Was ist ihr Erfolgsrezept?

Ich bin der längste im Amt befindliche Chef eines Automobilunternehmens auf der ganzen Welt. Kontinuität in einem Unternehmen ist sehr wichtig. Ich lege großen Wert darauf, dass meine Führungskräfte möglichst lange im Unternehmen bleiben. Jeder macht mal einen Fehler - und einen Fehler macht man nicht zwei Mal. Wenn man eine Entscheidung getroffen hat, erlebt man die bei uns auch mit. Gerade bei amerikanischen Unternehmen, die oft das Management wechseln, haben die Manager häufig die Auswirkungen ihrer Entscheidungen gar nicht mehr zu verantworten. Ich verantworte jede Entscheidung, die ich einmal getroffen habe.

Wir sprechen von der Schokoladenseite ihres Lebens - haben Sie gar nichts versäumt?

Privat habe ich viel versäumt, weil ich immer ziemlich hart gearbeitet habe. Aber ich arbeite sehr gern und glaube, dass meine Arbeit auch vorzeigbar ist. Beruflich hätte ich im Nachhinein gewisse Dinge eher oder anders entscheiden können - aber in der Gesamtsumme steht Porsche ganz gut da.

Sie haben das Image eines Managers mit sozialem Gewissen. 1994 wurden Sie zum Manager des Jahres gekürt. Wie wichtig ist ein soziales Gewissen für ein Unternehmen?

Jeder, der im Unternehmen arbeitet, auch die Arbeiter und Arbeiterinnen, muss am Unternehmenserfolg beteiligt sein. Deswegen bin ich stolz, meine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gut zu bezahlen.

Sie haben einmal gesagt, Luxus ist ein Stück Kultur, und für Luxus muss man sich anstrengen. Porsche hat aber auch ein Angeberimage - wie passt das zusammen?

Luxus bekommt man nicht geschenkt - wer Luxus erleben will, muss hart dafür arbeiten. Es sei denn, man hat geerbt, aber die Wenigsten erben Luxus. Das Schöne an der heutigen Zeit ist, dass man es durch harte Arbeit zu etwas bringen kann.

Neben der harten Arbeit genieße ich auch den einen oder anderen Luxus, wobei mein größter Luxus zurzeit freie Zeit wäre.

Porsche ist seit dem Jahr 2001 auf dem chinesischen Markt. Sind Sie mit dem chinesischen Geschäft zufrieden?

Unsere Geschäftspartner und unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben bis heute einen super Job gemacht. Wir haben eine Vielzahl gut funktionierender Porsche-Zentren, wo neben dem Neuwagenverkauf Fahrzeuge repariert und gewartet werden können. Wir sind auf einem guten Weg. China ist für uns ein fantastischer Markt, es werden weitere Porsche-Zentren folgen. Unsere Ingeniere sind häufig in China unterwegs, um Marktforschung zu betreiben. Produziert wird allerdings weiterhin in Deutschland, denn als kleiner Hersteller können wir nicht überall produzieren.

Kann man die deutsche und die chinesische Kundschaft miteinander vergleichen?

Die Kundschaft ist ziemlich ähnlich, denn wir haben es weltweit mit einer ähnlichen Kundschaft zu tun. Das sind Menschen, die mitten im Leben stehen, die leistungsbezogen und sehr selbstbewusst sind, und die etwas Besonderes in ihrer Umgebung haben wollen, nämlich einen Porsche.

Welches Auto fahren Sie privat und im Alltag?

Ich fahre zurzeit ein 911 Turbo Cabriolet, auch zur Arbeit.

Was macht der Chef von Porsche in seiner Freizeit - hat er überhaupt Freizeit?

Hin und wieder habe auch ich Freizeit. Ich habe zum Beispiel eigenhändig die Kartoffeln geerntet für den Kartoffelsalat hier auf dem Porsche-Stand auf der IAA.

Sie haben oft gesagt, dass Sie sich nur auf das konzentriert haben, was Sie nach vorne bringt. Kann man das so interpretieren, dass Sie ein eher trockener Mensch sind?

Wie langweilig ich bin, müssen sie meine Umgebung fragen. Da ich wenig Freizeit habe, mache ich nur Dinge, an denen ich Spaß habe. Ich habe zum Beispiel einen hervorragenden Werkzeugkeller mit all dem Werkzeug, das man zum Basteln braucht. Ich gehe auch gern zu Musikveranstaltungen und bin meistens der letzte, der eine Party verlässt, aber das kommt zu selten vor.

Was ist Ihr Lebensmotto?

No risk, no fun!

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