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Wirtschaft

Wende im Übernahmepoker: Arcelor verbündet sich mit Severstal

Der Stahlkonzern Arcelor hat überraschend eine Fusion mit dem russischen Unternehmen Severstal vereinbart, um die feindliche Übernahme durch den Branchenführer Mittal zu stoppen.

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Funkensprühende Überraschung

Arcelor-Vorstandschef Guy Dolle sprach am Freitag (26.5.2006) von einer "freundlichen Fusion". Die Transaktion muss noch von den Aktionären der Gesellschaft mit Sitz in Luxemburg gebilligt werden. Dolle rechnet jedoch mit einer ausreichenden Unterstützung der Aktionäre. Er sei sehr zuversichtlich, dass die Mehrheit der Anteilseigner das Vorhaben annehmen werde. "Weil es ein freundlicher Zusammenschluss ist, ist die Chance auf einen Erfolg sehr groß", betonte er.

Der neue Konzern würde mit einer jährlichen Stahlproduktion von rund 70 Millionen Tonnen zur weltweiten Nummer eins aufsteigen. Der Umsatz der beiden fusionierten Konzerne würde nach den Zahlen von 2005 bei 46 Milliarden Euro liegen.

100 Prozent Aufschlag

Arcelor fusioniert mit SeverStal gegen Mittal Steel Alexey Mordashev

Alexey Mordaschow

Analysten glauben, die Fusion wäre das Aus für das Übernahmeangebot Mittals. Nach der Vereinbarung zahlt Severstal-Hauptaktionär Alexej Mordaschow 1,25 Milliarden Euro an Arcelor und bringt seine Anteile an Severstal sowie am italienischen Stahlunternehmen Lucchini ein. An der neu entstehenden Gruppe hält Mordaschow dann 32 Prozent. Die Transaktion bewertet Arcelor mit einem Aktienkurs von 44 Euro, was einem Aufschlag von 100 Prozent zum Arcelor-Kurs vom 26. Januar entspricht, dem Tag vor dem Übernahmeangebot von Mittal. Das in der vergangenen Woche noch einmal erhöhte Angebot von Mittal lag etwa 70 Prozent über diesem Kurs.

Die Fusion mit Severstal biete den Aktionären einen höheren Wert, sagte Arcelor-Verwaltungsratschef Joseph Kinsch. Er soll ebenso wie Dolle seine Position behalten. Präsident des Aufsichtsrats soll Mordaschow werden, verbunden mit dem Recht, sechs der 18 Aufsichtsratsmitglieder zu ernennen. Die Gespräche mit Severstal begannen nach seinen Angaben schon vor drei Jahren.

Der wahre Wert?

Arcelor sieht nach eigenen Angaben in den Plänen zur Fusion mit Severstal eine realistische Bewertung des eigenen Unternehmenswertes. Die Bewertung entspreche dem wahren Wert des zweitgrößten Stahlkonzerns der Welt, sagte Arcelor-Chef Guy Dolle am Freitag. Die Pläne seien nicht gegen das Übernahmeangebot von Mittal Steel gerichtet, fügte er hinzu. Mittal habe diese aber mit seinem Übernahmeangebot für Arcelor noch angeheizt. Den Wert des Severstal-Anteils, den Arcelor übernehmen wolle, bezifferte Dolle auf 11,73 Milliarden Euro.

Dolle versicherte, die Fusion werde "keine negativen Folgen" für die Beschäftigung in den europäischen Arcelor-Werken haben. "Es gibt kaum Überschneidungen. Angesichts der Solidität unserer Bilanz werden wir ganz im Gegenteil unser Wachstum fortsetzen können."

Kein Kommentar von ThyssenKrupp

Deutschlands Branchenprimus ThyssenKrupp wollte die Fusionspläne nicht kommentieren. Die Düsseldorfer setzen darauf, sich mit Mittals Hilfe doch noch die zu Arcelor gehörende kanadische Dofasco einzuverleiben. Angesichts des Widerstands der Luxemburger prüft ThyssenKrupp allerdings inzwischen alternativ den Neubau eines Werks in Nordamerika. Dieser könnte mit 1,8 Milliarden Euro rund zwei Milliarden Euro günstiger werden als eine Übernahme Dofascos. Seit März ist Arcelor mit einem Anteil von 98,5 Prozent faktisch Eigentümer des kanadischen Stahlherstellers Dofasco.

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Mittal Steel bietet für Arcelor

Vom Tisch? Aditya und Lakshmi Mittal

Arcelor hat 2005 einen Umsatz von rund 33 Milliarden Euro gemacht und beschäftigt rund 96.000 Mitarbeiter in 60 Ländern. Arcelor sucht schon seit längerem weltweit einen Bündnispartner, um das feindliche Übernahmeangebot des indischen Stahlmagnaten Lakshmi Mittal abzuwehren.

Zuletzt hatte Arcelor jedoch erstmals die Tür für mögliche Übernahmegespräche durch Mittal geöffnet. Arcelor werde die neue Offerte prüfen, sagte der Vorsitzende des Arcelor-Verwaltungsrats, Joseph Kinsch, am 21.5. 2006 nach einer Sitzung des Gremiums. Zuvor war die Übernahme stets strikt abgelehnt worden. (sam)

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