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Afrikas Rohstoffe

Wem gehört Guineas Bauxit?

Kein Land ist so reich an Bauxit wie das kleine Guinea-Conakry. Mit einem neuen Gesetz will sich die Regierung nun 30 Prozent der Anteile an den Minen im Land sichern - gegen den Willen der ausländischen Investoren.

Mit einem stolzen Lächeln im Gesicht zeigt Schichtleiter James Camara auf einen der Bagger, der sich mit einer Schneidwalze, einer Art rotierender Schaufel, in die Erde frisst. Der Bagger erledigt drei Arbeitsschritte in einem: Er holt das Gestein aus der Erde, zerkleinert es und belädt einen Lastwagen. Bis zu 750 Tonnen Gestein in der Stunde könne man so abbauen, erklärt Camara. "Damit können wir bis zu sieben Laster voll beladen".

James Camara in der Mine von Débélé, Kindia (Foto: Bob Barry/DW)

Schichtleiter James Camara

Die Laster gehören dem Moskauer Konzern Rusal und ihm gehört auch die Balandou-Mine in Débélé, einem kleinen Ort in der Präfektur Kindia im Westen des Landes. Rings um die offene Tagebau-Grube wachsen Mangroven und Mango-Bäume. Die Erde ist rot und riecht verbrannt. In ihr steckt Guineas größter Schatz: das Aluminium-Erz Bauxit.

Keine eigene Industrie

LKW bringen die Bauxit-Erde zum Verladebahnhof. Von hier aus transportieren Güterzüge den Rohstoff in die Provinzhauptstadt Kindia. Über den Hafen von Conakry geht es dann per Schiff in Richtung Ukraine. Dort wird aus dem Bauxit Aluminium hergestellt - und in die ganze Welt exportiert. Denn in Guinea selbst gibt es, auch 53 Jahre nach der Unabhängigkeit, noch immer keine Industrie, um den Schatz aus der roten Erde in das begehrte Metall zu verwandeln. Die großen Gewinne aus dem Bauxit-Abbau landen so im Ausland.

Arbeiter im Tagebau der Débélé-Mine in Kindia (Foto: Bob Barry/DW)

Bauxit-Tagebau: Die Mine von Débélé ist fest in russischer Hand

Mit einem neuen Minen-Gesetz will das Land nun stärker als bislang vom Rohstoff-Geschäft profitieren. Im September 2011 hatte der nationale Übergangsrat das Gesetz verabschiedet. Es soll den Staat mit bis zu 30 Prozent an den Minengesellschaften beteiligen, die mit dem Abbau von Bauxit und Eisen große Gewinne machen. Doch das ist rechtlich gar nicht so einfach, denn die meisten Minen gehören ausländischen Unternehmen. Guineas Regierung verhandelt derzeit mit der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds darüber, wie sie das neue Gesetz umsetzen kann, ohne internationales Recht zu verletzten und ausländische Investoren abzuschrecken.

Audio anhören 10:10

Guineas Bauxit: Was bleibt vom Boom?

Denn bei denen kommen die Pläne nicht gut an. Pavel Vassiliev, Afrika-Repräsentant der russischen Firma Rusal, sieht die Minengesellschaften durch das neue Gesetz benachteiligt. "Angesichts der weltweiten Krise im Aluminium-Sektor gibt es bereits jetzt eine Reihe von Investoren, die sich gezwungen sahen, Guinea zu verlassen", sagt Vassiliev. Das wirkt wie eine Drohung.

Ein Bruchteil der Gewinne für die Menschen

Nachbarländer wie beispielsweise Sierra Leone oder Liberia haben sich bereits stärkere Beteiligungen am Rohstoffabbau erkämpft. Doch den Guineern bleibt bislang wenig vom Reichtum ihres Landes. In der Provinzhauptstadt Kindia, weniger als eine Autostunde von den Minen entfernt, leben 200.000 Menschen. Schon von Weitem sind die grünen Hügel zu erkennen, die die Stadt einrahmen.

Straßenverkäuferin nahe der Débélé-Mine von Kindia (Foto: Bob Barry/DW)

0,01 Prozent für die Bevölkerung: Viele Guineer profitieren kaum

Besuch in der Präfektur, der Verwaltung von Kindia. In den Gängen, die zum Büro des Präfekten führen, herrscht Dunkelheit, denn Strom gibt es gerade nicht. In den Büros sitzen Beamte im fortgeschrittenen Alter. Auf ihren Akten liegt eine dicke Schicht aus Staub. Eine Vereinbarung zwischen Guinea und den Minenbetreibern sieht vor, dass der Moskauer Konzern Rusal 0,01 Prozent der Gewinne aus seiner Bauxit-Produktion abgibt - das ist ungefähr ein US-Dollar pro Tonne. Dieses Geld sollte eigentlich an die Präfektur gehen, doch lange Zeit kam dort nichts an, sagt Dramane Condé, der Präfekt. "Das ist nicht der Fehler von Rusal. 2008 ist die Armee an die Macht gekommen. Und da wollten die Leute nicht, dass Geld in unberechtigten Kanälen landet". Deshalb hätte das Unternehmen darauf gewartet, dass sich demokratische Strukturen etablieren, um dann die Gelder freizugeben.

Ringen um den verlorenen Reichtum

Die Kommune Mambia in Kindia, Guinea-Conakry (Foto: Bob Barry/DW)

Im Dorf Mambia hat der Rusal-Konzern Stromleitungen finanziert

Inzwischen zahlt Rusal und engagiert sich auch direkt in der Region. 2012 hat das Unternehmen 350.000 Euro ausgegeben, um zwei Dörfer mit Strom zu versorgen. Eines davon: Mambia, eine Kommune kleiner Lehmhäuser, die auf dem Weg von den Minen in Richtung der Hauptstadt Conakry liegt. Neben dem Bauxit-Abbau leben die Menschen hier vor allem von der Landwirtschaft. Die grünen Blätter der Maniok-Wurzel leuchten auf den Feldern. "Rusal hat Schulen gebaut, ein Gesundheitszentrum und dann das Dorf elektrifiziert", sagt der Generalsekretär der Kommune Kandé Oumar Camara. "Das hilft vielen kleinen Geschäftsleuten, sich besser aufzustellen".

Doch vielen Politikern reicht das nicht. Sie fordern, dass ein möglichst großer Teil der Gewinne aus dem Bauxitabbau im Land bleibt. Geht es nach Ousmane Kaba, dem zuständigen Minister für Strategische Fragen, dann soll Rusal tiefer in die Taschen greifen. "Zunächst einmal gehören die Minen Guinea", sagt er. Deshalb habe man derzeit Meinungsverschiedenheiten mit Rusal. Erste Studien hätten ergeben, dass der Konzern einen Ausgleich von fast einer Milliarde US-Dollar an Guinea überweisen müsse - für nicht geleistete Zahlungen.

Bauxit für die Entwicklung des Landes?

Größtes Problem für Conakry ist jedoch, dass das Gesetz nicht rückwirkend angewendet werden kann. Die großen Rohstoff-Deals der vergangenen Jahre, in denen die ausländischen Unternehmen sich dicke Stücke vom Bauxit-Kuchen gesichert haben, sind also nicht betroffen.

Doch das Bauxit, das künftig in der Balandou-Mine in Débélé und anderswo abgebaut wird, könnte bald mehr als bisher zur Entwicklung Guineas beitragen. Wenn der guineische Staat dann noch dafür sorgt, dass die Einnahmen aus dem Rohstoffabbau nicht in dunklen Kanälen, sondern etwa im Straßenbau landen, dann hätte sich das neue Minen-Gesetz für die Einwohner Guineas gelohnt.

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