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Welt

Wem gehört der Schatz der Karibik?

Smaragde und Gold in unfassbarem Ausmaß: Vor Kolumbien haben Forscher ein legendäres Schiffswrack gefunden. Noch bevor der Schatz geborgen ist, erheben mehrere Parteien Anspruch. Ein Gezerre mit unklarem Ausgang.

Es sei der wohl größte Fund von verlorenen Kulturgütern in der Menscheitsgeschichte. Voller Stolz präsentierte der kolumbianische Präsident, Juan Manuel Santos, die Entdeckung einer über 300 Jahre alten Galeone. Die Zahlen der Forscher schüren Santos Träumereien: "Wir werden ein großes Museum im Stil der skandinavischen Länder bauen." Dabei stellten die Skandinavier in ihren Museen noch weit unbedeutendere Funde aus, stichelte der kolumbianische Präsident vor lauter Vorfreude.

Forscher gehen von rund elf Millionen Goldmünzen und fast 200 Tonnen Smaragden im Bug des Schiffes aus. Nach heutigen Berechnungen entspricht dies einem Wert von zwischen drei und 17 Milliarden US-Dollar. Bislang konnte das Team aus kolumbianischen und internationalen Wissenschaftler allerdings nur Kanonen und Keramikgefäße auf Fotos lokalisieren (siehe Bild).

Symbolbild Piraterie: Gemälde von Niels Simonsen (Foto: DPA)

Bisher nichts außer Kanonen und Keramik - Unterwasseraufnahmen von der San José

Endstation Karibik

Der Fundort der Galeone mit dem Namen San José liegt nur wenige Kilometer von Santos Auftritt vor der kolumbianischen Küste entfernt. Am 8. Juni 1708 bahnte sich das dickbäuchige, dreimastige Schiff seinen Weg von Panama in das Mutterherz der Kolonien: nach Spanien. Doch die San José kommt nicht weit. Mehrere Piratenschiffe unter englischer Flagge nehmen das Boot unter Beschuss. Auf der Höhe zwischen den Inseln Rosario und Barú gleitet das zerstörte Schiff ins Wasser und geht unter.

Währenddessen spielt sich in Europa ein Kampf um die Vormachtstellung und die Nachfolger der Habsburger Könige ab. "Die Angriffe auf die spanischen Schiffe in Übersee waren andauernde Nadelstiche der Engländer, um den Einfluss der spanischen Krone zu schwächen", sagt Nikolaus Böttcher, Historiker von der Freien Universität in Berlin.

Laut der kolumbischen Regierung Bilder von Unterwasseraufnahmen der San Jose (Foto: DPA)

Piraten-Szene: Im 16. und 17. Jahrhundert machten sie den spanischen Schiffen das Leben schwer

Smaragde und Goldmünzen in rauen Mengen: Böttcher hält solche gigantischen Funde nicht für unwahrscheinlich. Bei einem dokumentierten Überfall der Niederländer auf die spanische Fregatte vor Havanna 1628 erbeuteten die Piraten unter holländischer Flagge damals das komplette Kapital für den niederländischen Feldzug im Norden Brasiliens. "Die Schiffe der spanischen Krone sind zu dieser Zeit einmal im Jahr - Anfang des 18. Jahrhunderts noch seltener - nach Spanien gefahren und haben der Krone die Reichtümer aus den Kolonien gebracht."

Alle wollen den Schatz

So dauerte es auch nicht lange, bis auch der spanische Außenminister Ansprüche auf den Fund anmeldete. "Das war ein spanisches Schiff, und es gehört auch dem Staat, unter dessen Flagge es fuhr", so Manuel García-Margall. Man wolle sich mit der kolumbianischen Seite einvernehmlich besprechen. Die hat immerhin das internationale Seerecht auf ihrer Seite. Denn das besagt: Wenn ein Schatz bis zu zwölf Seemeilen (circa 22 Kilometer) vor der Küste gefunden wird, hat das jeweilige Land ein Anrecht darauf. In der Nacht zum Dienstag haben sich dann auch der spanische Staatssekretär José Lassalle und die kolumbianische Kulturministerin Mariana Garcés miteinander darüber ausgetauscht. Man wolle die Besitzansprüche um das Milliardenwrack auf diplomatischem Wege beilegen - was auch immer das für die Zukunft des Fundes heißen mag.

Historiker Böttcher kennt dieses Gezerre: "Spanien erhebt regelmäßig Ansprüche auf seine Schiffe." Dabei kann sich das Land wiederum auf eine Konvention der UNESCO zum Schutz von Gütern auf dem Meeresgrund stützen. Demnach gehören untergegangene Kriegsschiffe dem Staat ihrer Herkunft. Spanien hat in der Vergangenheit unter Berufung auf diese Konvention bereits Recht bekommen. So entschied ein US-Gericht im Jahr 2012, dass die börsennotierte Schatzsuchfirma Odyssey Marine Exploration (OME) einen Fund von 2007 im Wert von mehreren Hundert Millionen Euro an Spanien zurückgeben musste. OME hatte vor der portugiesischen Küste eine halbe Million Gold- und Silbermünzen entdeckt. Viereinhalb Jahre hatte Spanien vor Gericht um den Schatz gekämpft.

Glücksritter in unklarer Rechtslage

Damit der Fall nun aber richtig kompliziert wird, will nun auch noch eine private Firma ein Stück vom Kuchen abhaben. So behauptet das Unternehmen Sea Search Armada den Schatz vor Kolumbien als Erste in den 80er Jahren geortet zu haben. Deshalb beansprucht nun auch einen Teil des Funds.

China, Nachbau einer Galeone aus dem 17. Jahrhundert (Foto: Getty Images)

Nachbau einer Galeone aus dem 17. Jahrhundert

Bis der mögliche Schatz der San José gehoben wird, können noch einige Jahre vergehen. Bisher konnten sich die Forscher nur mit einer Unterwasserdrohne nähern.

Währenddessen suchen in der Karibik etliche private Glücksritter und große Firmen nach weiteren Schätzen der Vergangenheit. Experten sprechen von weltweit rund drei Millionen gesunkenen Wracks. Zwar sollen nur rund zehn Prozent davon Gold, Porzellan, Silber und Juwelen geladen haben, die unklare Rechtslage ist aber weiterhin Motivation für Schatzsucher aus aller Welt.

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