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Politik

Weltweiter Rüstungsrausch

Die weltweiten Militärausgaben sind 2002 stark gestiegen. Verantwortlich dafür sind vor allem die USA. Ihre militärische Vormachtstellung hat sich zementiert. Doch auch andere Länder rüsten kräftig auf.

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Droht ein neues Wettrüsten?

Die Zahl ist so groß, dass ihre Dimension erst durch ein Beispiel zu erahnen ist: Über 100 Euro müsste jeder Bewohner dieser Erde beitragen, um das zu bezahlen, was die Staaten in einem Jahr für Raketen und Panzer, Soldaten und Kampfflugzeuge ausgeben. Nach Berechnungen des renommierten Friedensforschungsinstituts SIPRI in Stockholm sind die weltweiten Militärausgaben 2002 um sechs Prozent auf 671 Milliarden Euro gestiegen.

Für diesen Wert sind vor allem die USA verantwortlich, die ihren Verteidigungshaushalt um 10 Prozent gesteigert haben. Insgesamt gehen damit 43 Prozent der weltweiten Rüstungsausgaben auf ihr Konto. Der Anteil könnte künftig noch höher werden, schließlich sind die Ausgaben für den Irak-Krieg nicht eingerechnet, weil der in die Haushaltsjahre 2003 und 2004 fällt. "Die Frage, wie weit die USA noch in diese Richtung gehen wollen, bereitet ihren Freunden zumindest ebenso viele Sorgen wie ihren Feinden", schreibt SIPRI-Chefin Alyson Bailes in dem Jahresbericht des Instituts.

Vormachtstellung nicht aufzuholen

Die militärische Übermacht sorgt für Unruhe auf dem internationalen Parkett und für zahlreiche Fragen, wie zum Beispiel: Kommt es nun zu einem neuen Wettrüsten? Nein, sagt Joachim Krause, Experte für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel. "Dafür gibt es nirgendwo auf der Welt einen politischen Willen. Die rüstungsindustrielle und technologische Vormacht der Vereinigten Staaten ist auf absehbare Zeit nicht einzuholen", so Krause zu DW-WORLD.

Nach Ansicht von Hajo Schmidt vom Institut Frieden und Demokratie in Hagen, brauchen die USA einen solch gigantischen Militäretat, um die in der Nationalen Sicherheitsdoktrin fest geschriebenen Ziele zu verwirklichen. "Das 21. Jahrhundert soll ein amerikanisches werden", so Schmidt zu DW-WORLD. Es gehe dabei auch um die grundlegenden Umstrukturierung der amerikanischen Streitkräfte, die sich unter den Schlagworten "Revolution in Military Affairs" und "Power Projection" fassen lasse, sagt der Friedensforscher. Zum einen gehe es darum, die US-Streitkräfte zu einer High-Tech-Truppe umzubauen und sie in die Lage zu versetzen, in kürzester Zeit, überall in der Welt, einsetzbar zu sein. "Das ist forschungsintensiv und teuer".

Europa ohne gemeinsame Sicherheitsstrategie

In Europa dagegen ist der Trend entgegengesetzt. Die Rüstungsausgaben der westeuropäischen NATO-Mitglieder sind in den vergangen drei Jahren um drei Prozent zurückgegangen. Eine Aufrüstung wie in den USA sei in der Europäischen Union sowieso nicht denkbar, sagt Jocelyn Mawdsley vom Internationalen Konversionszentrum in Bonn (BICC) zu DW-WORLD. "Da würde die Bevölkerung nicht mitmachen". Das Problem der Europäer liege vielmehr darin, dass sie sich über kein gemeinsames strategisches Konzept einigen können.

Nach Ansicht des Sicherheitsexperten Krause hat Europa es in den 1990er Jahren verpasst, sich zu einem gleichwertigen Partner der USA zu entwickeln. "Das Festhalten an nationaler Verteidigungspolitik hat zu einer unendlichen Duplizierung von militärischen Fähigkeiten und Kapazitäten geführt".

Waffen aus Russland

Nach den USA geben Japan, Großbritannien, Frankreich, China und Indien am meisten für Rüstung aus. Russland ist inzwischen der weltweit größte Waffenexporteur. Keinem dieser Staaten gehe es allerdings darum, mit den USA gleich zu ziehen. "Länder wie China oder Indien verfolgen vor allem regionale Interessen", so Mawdsley. So ist beispielsweise Indien vor allem an der militärischen Überlegenheit gegenüber Pakistan interessiert sowie an einer Balance mit China.

Besonders teuer zahlen viele Länder die Modernisierung ihrer Streitkräfte. So hat Russland zwar einen großen Rüstungssektor, der ist aber noch stark fragmentiert und leidet an Altersschwäche. Das Durchschnittsalter der Mitarbeiter liegt bei über 50 Jahren, das der Forscher und Ingenieure in der Rüstungsindustrie sogar bei 70 Jahren.

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