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Wirtschaft

Weltweite Pannenserie bremst Toyota aus

Der japanische Autohersteller ruft wegen Problemen mit klemmenden Gaspedalen bis zu 1,8 Millionen Autos in Europa zurück. Außerdem muss sich der Autohersteller vor dem US-Repräsentantenhaus verantworten.

Mann blickt ein Toyota-Gaspedal kritisch an (Foto: AP)

Das Gaspedal klemmt: Toyota muss Autos zurückrufen

Wie Toyota am Freitag (29.01.2010) mitteilte, sind acht Modelle des japanischen Autobauers betroffen. Wie viele entsprechende Fahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs sind, ist bislang noch unklar. In den vergangenen Tagen hatte Toyota bereits in den USA 2,3 Millionen Autos wegen Problemen mit dem Gaspedal zurückgerufen. Bei den Modellen besteht nach Angaben des Konzerns die Gefahr, dass das Pedal nicht mehr oder nur langsam in seine Ausgangsposition zurückkehrt.

Der für die Panne verantwortliche Zulieferer CTS aus den USA spricht nach Angaben der Nachrichtenagentur AP von weniger als 12 Fällen. Anders sehen dies Verbraucherschützer in den USA: Die Organisation Safety Research and Strategies hat 2.274 Fälle von unbeabsichtigter Beschleunigung bei Toyota-Autos gezählt. Mit tragischen Folgen: Bei 275 Unfällen soll es 18 Tote gegeben haben. Zu viele für die amerikanische Politik, um zur Tagesordnung zurückzukehren. Das US-Repräsentantenhaus wird sich am 25. Februar mit den Vorwürfen beschäftigen.

Klemmendes Gaspedal kostet Toyota viel Geld

Blick auf das Capitol in Washington, in dem auch das Repräsentantenhaus untergebracht ist (Foto: dpa)

Toyota muss sich vor einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses zu dem Thema befragen lassen

Die weltweite Pannenserie könnte Toyota 150 Millionen Euro oder mehr allein für Ersatzteile kosten. Experten nannten einen Preis von umgerechnet rund 21 Euro pro Stück für die Pedale. Insgesamt betreffen die Rückrufe bisher rund 6,8 Millionen Autos. Die Kosten könnten aber noch weiter steigen, weil die Arbeitskosten nicht eingerechnet sind. Zudem wird der japanische Autobauer viel Vertrauen bei seinen Kunden verspielt haben.

Es ist nicht die erste Panne bei dem japanische Autobauer: Im Januar 2009 musste Toyota weltweit mehr als 1,35 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten einbestellen, weil es Probleme bei den Sicherheitsgurten und der Abgasanlage gab. "Das ist die Quittung für überhastete Expansion", urteilt der Autoexperte Helmut Becker, der das IWK-Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation in München leitet. "Toyota ist von seinen Prinzipien eines Wachstums mit Augenmaß abgewichen."

Sorgen um japanische Autoindustrie

Ein VW-Logo ragt in den Himmel (Foto: AP)

VW könnte von der Toyota-Malaise profitieren

Die politische Öffentlichkeit in Japan reagiert besorgt auf die Gaspedal-Malaise des Großkonzerns. Japanische Politiker fürchten, dass die gesamte Autoindustrie des Landes Schaden nimmt. Die japanische Regierung rief Toyota auf, das angeschlagene Vertrauen der Käufer zurückzugewinnen. "Der Umfang der Rückrufe ist riesig. Die Situation ist ernst", sagte Handelsminister Masayuki Naoshima am Freitag in Tokio.

Für Branchenexperten ist klar: Toyota wird dadurch als Marke erhebliche Schrammen abbekommen und Marktanteile einbüßen. Es wird erwartet, dass der Anteil des weltweit größten Autoherstellers bei den Verkäufen in den USA auf den niedrigsten Stand seit 2006 fällt. Der Auto-Analystendienst Edmunds.com erklärte, Toyota werde im Januar nur noch 126.000 Autos in den USA absetzen, knapp die Hälfe des Dezember-Wertes. Der Branchendienst geht davon aus, dass Toyotas Marktanteil im Januar wahrscheinlich auf 14,7 Prozent sinken wird, den niedrigsten Stand seit März 2006.

VW will Toyota als Branchenprimus ablösen

In Wolfsburg beobachtet man die Lage von Toyota wahrscheinlich mit Interesse. Europas größter Autobauer hat sich zum Ziel gesetzt, in den nächsten Jahren die Weltmarktführung Toyota abzunehmen, und zieht zurzeit in den USA ein neues Werk hoch. In China und Indien wird die Produktion ausgebaut. Doch Autoexperte Becker warnt: "VW verfügt über gefestigte Strukturen. Mit der zunehmenden Expansion könnten die Wolfsburger aber mit den gleichen Problemen konfrontiert werden wie Toyota."

Autor: Marcus Bölz (dpa, afp, rtr)

Redaktion: Dirk Eckert

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