1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Welt

Weltweite Erleichterung nach Todes-Nachricht

Nach der Bekanntgabe des Todes von Terrorchef Osama bin Laden zeigen sich Politiker in aller Welt erleichtert, dass dem El-Kaida-Kopf das Handwerk gelegt wurde. Doch es gibt auch Warnungen und kritische Töne.

Online-Seite mit der Schlagzeile 'Osama bin Laden is dead' (Foto: dpa)

Über alle Medien kamen die Reaktionen

Der frühere US-Präsident George W. Bush war einer der ersten Gratulanten an seinen Amtsnachfolger Barack Obama. Bush bezeichnete die Todesnachricht als einen "Sieg für Amerika", für Menschen in der ganzen Welt, die nach Frieden streben, und für all diejenigen, die am 11. September 2001 Angehörige und Freunde verloren haben." Bush erklärte weiter, dass der Kampf gegen den Terrorismus weiter gehe. Amerika habe aber eine unmissverständliche Nachricht gesandt: "Egal, wie lange es dauert, Gerechtigkeit wird einkehren."

Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg nannte den erfolgreichen Kommandoeinsatz einen "wichtigen Sieg" für das Land. Der Tod bin Ladens lindere zwar nicht das Leiden der Amerikaner, sei jedoch von großer Bedeutung. Er hoffe, dass diese Nachricht all jenen, die am 11. September 2001 Angehörige verloren hätten, einen gewissen Trost verschaffe, sagte Bloomberg weiter.

Frau mit US-Flagge jubelt (Foto: AP)

An der Gedenkstätte "Ground Zero" in New York feierten die Menschen

Der Chef des US-Geheimdienstes CIA, Leon Panetta, wollte am Montag (02.05.2011) keine Terror-Entwarnung geben: Selbst wenn bin Laden nun tot sei - für El Kaida gelte dies nicht. "Es ist fast sicher, dass die Terroristen versuchen werden, ihn zu rächen. Wir müssen wachsam und entschlossen bleiben", sagte Panetta.

Karsai: "Taliban sollen umdenken"

Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat den Tod von bin Laden als die Strafe für dessen Taten bezeichnet und die Taliban zum Umdenken aufgerufen. Der El-Kaida-Chef sei vor und nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA auch für den Tod Tausender Afghanen verantwortlich, sagte Karsai in einer Rede vor Regionalpolitikern in Kabul. Die radikal-islamischen Taliban in Afghanistan rief er dazu auf, Lehren aus dem Tod des Terrorchefs zu ziehen und sich dem Friedens- und Versöhnungsprozess im Land anzuschließen.

Hamid Karsai am Rednerpult (Foto: AP)

Der afghanische Präsident Hamid Karsai sieht den Tod als "Strafe"

Gleichzeitig erneuerte Karsai seine Forderung an NATO und internationale Gemeinschaft, sich im Kampf gegen den Terrorismus verstärkt auf Pakistan zu konzentrieren und in Afghanistan Zurückhaltung zu wahren. Bin Laden sei im Nachbarland entdeckt und getötet worden. Daher dürfe dieser Kampf nicht "in unseren Häusern und Dörfern" stattfinden, sagte der afghanische Staatschef.

"Wendepunkt im Kampf gegen den Terrorismus"

Die Regierung Saudi-Arabiens erklärte, sie hoffe, der Tod bin Ladens werde den Kampf gegen den internationalen Terrorismus stärken. Das saudische Volk habe mit am meisten unter den "Verbrechen" El Kaidas gelitten.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sieht einen "Wendepunkt" im gemeinsamen Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Die Verbrechen von El Kaida hätten Schmerz und den Verlust von Tausenden von Menschenleben auf fast allen Kontinenten gebracht, sagte der UN-Chef in New York. Die Vereinten Nationen verurteilten weiterhin Terrorismus in jeglicher Form und wollten den Kampf gegen den internationalen Terrorismus weiterführen.

Der UN-Sicherheitsrat begrüßte den Tod des Terroristenführers Osama bin Laden. Die 15 Mitglieder des höchsten Gremiums der Vereinten Nationen verabschiedeten am Montagabend in Anwesenheit von Ban eine präsidentielle Erklärung, in der die Mitglieder ihre Entschlossenheit bekräftigten, terroristische Organisationen und deren Akteure mit voller Strenge zur Rechenschaft zu ziehen. Eine solche Erklärung des Sicherheitrates zum Tod eines Menschen ist äußert selten.

"Gute Nachricht für alle friedliebenden Menschen"

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einem großen Erfolg im Kampf gegen den Terrorismus: "Ich freue mich, dass es gelungen ist, bin Laden zu töten", sagte sie in Berlin. Entscheidend sei, dass von ihm als Drahtzieher des internationalen Terrorismus keine weitere Gefahr mehr ausgehe. Besiegt sei der Terrorismus damit aber keineswegs, warnte die Kanzlerin. Auch in Deutschland müsse man weiter wachsam sein.

Guido Westerwelle vor Mikrofonen (Foto: dpa)

Am Morgen äußerte sich Westerwelle

Außenminister Guido Westerwelle begrüßte den Tod des El-Kaida-Chefs ebenfalls: "Dass diesem Terroristen sein blutiges Handwerk gelegt werden konnte, ist eine gute Nachricht für alle friedliebenden und freiheitlich denkenden Menschen in der Welt", sagte der FDP-Politiker in Berlin. Bin Laden sei einer der "brutalsten Terroristen der Welt" gewesen, der das Leben von mehreren tausend Menschen auf dem Gewissen habe.

Westerwelle warnte aber auch vor Vergeltungsschlägen. Der Kampf gegen den Terrorismus sei mit bin Ladens Tod nicht vorbei. Deshalb werde auch am Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr festgehalten, sagte Westerwelle. Ziel sei es, zu verhindern, dass dort wieder ein Rückzugsgebiet für Terrorismus entstehe. Das diene auch direkt dem Schutz der Bürger in Deutschland.

"Wir sind in einer sichereren Welt aufgewacht"

Eine Frau hält eine Zeitung mit der Bekanntgabe von Bin Ladens Tod in der Hand (Foto: AP)

Weltweit liegt der Fokus auf bin Ladens Tod

Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, erklärte in einem Radiointerview ebenfalls, dass der Tod bin Ladens in keinem Fall bedeute, "dass wir jetzt aufatmen können und davon ausgehen können, dass der Spuk vorbei" sei. Er rechne vielmehr damit, dass El Kaida versuchen werde, sich an den Amerikanern und der pakistanischen Regierung zu rächen. Dies werde aber "eher nicht" in Deutschland geschehen, sondern anderorts auf der Welt: "Dort, wo vielleicht amerikanische Streitkräfte verwundbar sein könnten."

"Wir sind in einer sichereren Welt aufgewacht", mit diesen Worten reagierte EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek auf das Ende des Terror-Chefs. In der in Brüssel veröffentlichten Erklärung heißt es weiter: "Obwohl der Kampf der internationalen Gemeinschaft gegen Terroristen nicht vorüber ist, ist doch ein wichtiger Schritt im Kampf gegen El Kaida getan worden." Dies bedeute mehr Sicherheit "für Millionen von Menschen: Christen, Moslems, all jene, die an ein friedliches Zusammenleben glauben."

"Kein Einfluss auf den Kampf in Afghanistan"

Auch der britische Premierminister David Cameron meldete sich zu Wort: "Osama bin Laden war verantwortlich für die schlimmsten terroristischen Gräueltaten, die die Welt je gesehen hat - für den 11. September und für so viele Anschläge, die Tausende Menschenleben gekostet haben, davon viele britische. Es ist ein großer Erfolg, dass er gefunden worden ist und nun nicht mehr in der Lage sein wird, seine Kampagne des weltweiten Terrors zu verfolgen." Auch Cameron ist der Ansicht, dass "die Nachricht, dass Osama bin Laden tot ist, den Menschen weltweit große Erleichterung bringen wird".

Pakistanische Männer betrachten die Berichterstattung auf verschiedenen Fernsehbildschirmen (Foto: dpa)

Im pakistanischen Fernsehen wurden die ersten Bilder gezeigt

Dies wird nach Ansicht des ehemaligen Taliban-Funktionärs Abdul Salam Saeef keinen Einfluss auf den Kampf der Aufständischen gegen die internationalen Truppen in Afghanistan haben. Das sei ein "von Afghanen geführter Krieg". Auch er verwies darauf, dass Pakistan verstärkt ins Visier genommen werden müsse. Die Präsenz ausländischer Truppen in Afghanistan sei "ungerechtfertigt", sagte Saeef, der während des Taliban-Regimes Botschafter in Pakistan war.

"Gott verfluche Dich, Obama"

Anhänger radikal-islamischer Gruppen haben trotz des Todes von bin Laden ihren Kampfeswillen bekräftigt. In arabisch-sprachigen Internet-Foren beteuerten sie ihre Entschlossenheit, vor allem die USA und deren Präsidenten Barack Obama im Visier zu behalten. "Gott verfluche Dich, Obama", hieß es in einer der ersten Reaktionen aus islamistischen Gruppen. "Ihr Amerikaner: Es ist noch immer unser Recht, Euch den Hals abzuschneiden." Auf einer anderen Internet-Seite schrieb ein Diskussionsteilnehmer: "Osama mag getötet worden sein, aber sein Aufruf zum Dschihad wird niemals sterben. Brüder und Schwestern, wartet ab, sein Tod wird sich als Segen entfalten."

Kritik von Kirchenvertretern

Kirchenvertreter äußerten sich kritisch zu den Freudenausbrüchen nach dem Tod von Bin Laden. Der Tod des Terroristen könne kein Grund zur Freude sein, sagte der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms. Der evangelische Militärbischof Martin Dutzmann kritisierte Äußerungen aus der Bundesregierung, der Tod des El-Kaida-Anführers sei eine gute Nachricht. "Eine gute Nachricht wäre es gewesen, wenn er festgesetzt worden wäre und einem geregelten Gerichtsverfahren zugeführt worden wäre", sagte Dutzmann. Auch der Vatikan warnte vor Freude als Reaktion auf den Tod des Terroristen. Vatikansprecher Federico Lombardi betonte in Rom: "Angesichts des Todes eines Menschen freut sich ein Christ nie."

Autoren: Marion Linnenbrink / Rolf Breuch (dapd, dpa, afp, rtr, epd)
Redaktion: Martin Schrader / Ursula Kissel

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema