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Asien

Weltweite Empörung über Atomtest Nordkoreas

Mit einem neuen, unterirdischen Atomtest hat Nordkorea die Weltgemeinschaft beunruhigt. Die Europäische Union fordert eine deutliche Reaktion. Am Abend berät der Weltsicherheitsrat über Konsequenzen.

Demonstranten in Südkorea (Foto: AP)

Proteste in Südkorea gegen den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Il

Russlands Außenminister Sergej Lawrow kündigte an, das höchste UN-Gremium werde am Montagabend (25.05.2009, 22.00 Uhr MESZ) zu einer Dringlichkeitssitzung zusammentreten, um die Lage zu erörtern.

Der neuerliche Atomtest Nordkoreas wurde weltweit scharf verurteilt. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte, der "Verselbstständigung des nordkoreanischen Handelns" müsse ein Ende gesetzt werden. Sie forderte den Weltsicherheitsrat auf, ein Signal der Geschlossenheit zu senden. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana sprach in Brüssel von "unverantwortlichem Handeln" und verlangte eine "harte Antwort der internationalen Gemeinschaft".

US-Präsident Barack Obama warf der kommunistischen Führung Nordkoreas vor, rücksichtslos die internationale Gemeinschaft herauszufordern und den Frieden zu gefährden. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte im dänischen Fernsehen, er sei "tief beunruhigt".

Auch China und Russland wenden sich gegen Nordkorea

Russland bezeichnete das Vorgehen Nordkoreas als "Eskalation" und "Sicherheitsbedrohung" in Nordostasien. Auch China verurteilte den Atomtest - wenn auch erst nach acht Stunden. Peking rief Pjöngjang auf, alles zu unterlassen, was die Lage verschlimmern könnte.

Der Atomtest verstoße eindeutig gegen Sicherheitsresolutionen, unterstrich der japanische Ministerpräsident Taro Aso. Japan forderte zudem Sanktionen gegen Pjöngjang.

Deutlich höhere Sprengkraft als 2006

Nordkoreanische Kurzstreckenrakete (Foto: AP)

Im April hatte Nordkorea eine Kurzstreckenrakete gestartet

Die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA meldete unterdessen, der unterirdische Atomversuch sei erfolgreich verlaufen. Er sei unter sicheren Bedingungen erfolgt und mit einer höheren Sprengkraft ausgeführt worden als der erste Atomtest im Jahr 2006.

Das russische Verteidigungsministerium bestätigte eine Atomexplosion im Nordosten Nordkoreas und schätzte die Stärke auf zehn bis 20 Kilotonnen. Dies wäre vergleichbar mit den US-Atombomben, die gegen Ende des Zweiten Weltkrieges die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki zerstörten.

Die US-Erdbebenwarte stellte ein Beben der Stärke 4,7 fest, japanische Experten maßen die Stärke 5,3. Damit sei die Sprengkraft fast viermal so hoch gewesen wie beim ersten Test vor drei Jahren, hieß es aus Tokio.

Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap meldete, nach dem Atomtest habe Nordkorea zudem drei Kurzstreckenraketen abgefeuert. Bestätigt wurde dies aber zunächst nicht.

Plutonium für ein halbes Dutzend Atombomben

Japanerin liest Zeitung mit einem Artikel über den Atomtest (Foto: AP)

Die Welt ist beunruhigt über die Entwicklung

Nach dem ersten Atomtest 2006 hatten die Vereinten Nationen Sanktionen gegen Nordkorea verhängt. Im vergangenen April startete Nordkorea eine Langstreckenrakete. Der Raketenstart wurde vom Weltsicherheitsrat verurteilt. Daraufhin kündigte Pjöngjang eine Wiederaufnahme seines Atomprogramms und einen Boykott der Sechs-Parteien-Gespräche mit Südkorea, Japan, China, Russland und den USA an.

Laut Experten besitzt Nordkorea inzwischen genug waffenfähiges Plutonium, um etwa ein halbes Dutzend Atombomben herzustellen. Bislang hieß es aber auch, dem kommunistischen Land fehle noch die Technik, eine Langstreckenrakete mit einem nuklearen Sprengkopf auszustatten. Daran wird aber offenbar gearbeitet.

Das Vorgehen Nordkoreas widerspricht eindeutig Vereinbarungen vom Februar 2007. Damals hatte sich Nordkorea bei den Sechs-Parteien-Gesprächen dazu verpflichtet, seine Atomanlagen abzubauen - darunter auch den Reaktor in Yongbyon. Im Gegenzug sollte das Land Wirtschaftshilfe erhalten. Einige Beobachter glauben vor diesem Hintergrund, dass Nordkorea mit dem Test vor allem den Druck erhöhen wollte, damit diesbezügliche Zusagen auch eingehalten werden.(gri/wl/ap/afp)

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