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Politik

Weltweit mehr als 700 Hinrichtungen

Obwohl die meisten Länder die Todesstrafe abgeschafft haben, sind im vergangenen Jahr wieder hunderte Menschen hingerichtet worden. Das Land mit den meisten vollstreckten Todesurteilen fehlt in der Statistik: China.

Symbolbild Todesstrafe (Foto: Bilderbox)

Als Grund führt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International an, dass Todesurteile in China als "Staatsgeheimnis" behandelt würden. Aus Protest seien sie in der aktuellen Statistik daher nicht mehr aufgeführt.

Mehr Hinrichtungen in China als im Rest der Welt

In China zum Tode Verurteilter (Archivfoto: dpa)

Nicht immer bleiben in China Exekutionen geheim - wie hier im Jahr 2001

Bei der Veröffentlichung ihres aktuellen Jahresberichts forderte Amnesty die Führung in Peking auf, von ihrer Informationspolitik abzukehren. In den vergangenen Jahren habe China die Jahresberichte als Beweis für einen vermeintlichen Rückgang der Hinrichtungen benutzt.

Daher seien nun keine detaillierten Zahlen von dort mehr aufgeführt. "Wir wollen uns von der chinesischen Regierung nicht länger instrumentalisieren lassen", erklärte Amnesty-Todensstrafenexperte Oliver Hendrich. In der Volksrepublik würden aber immer noch mehr Menschen von Staats wegen getötet als im gesamten Rest der Welt.

Ohne China mehr als 700 Hinrichtungen

Ohne die Daten aus China, die im Jahr zuvor auf mehr als 1700 geschätzt wurden, listet der Jahresbericht der Menschenrechtsorganisation für 2009 insgesamt 714 vollstreckte Todesurteile auf. Auf Platz zwei der Statistik nach China liegt demnach der Iran mit mindestens 388 Exekutionen, gefolgt vom Irak (mindestens 120), Saudi-Arabien (mindestens 69) und den USA (52). Zu den insgesamt 18 Ländern, die die Todesstrafe auch vergangenes Jahr vollstrecken ließen, gehören auch der Jemen, Sudan, Vietnam, Syrien und Japan.

Erstmals keine Exekutionen in Europa

In Europa wurde nach den Amnesty-Zahlen erstmals in der Geschichte niemand hingerichtet. Allerdings wird sich das in der nächsten Statistik wieder ändern, nachdem der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko eine Begnadigung zweier verurteilter Mörder abgelehnt hatte. Sie wurden Mitte März dieses Jahres hingerichtet.

Bilanz: Fortschritte im Kampf gegen die Todesstrafe

Insgesamt stellte Amnesty im Kampf für eine weltweite Ächtung der Todesstrafe Fortschritte fest. "Weniger Länder als je zuvor vollstrecken die Todesstrafe", erklärte Amnesty-Experte Hendrich. Mittlerweile sei sie in 139 Ländern de facto abgeschafft. Mit Burundi und Togo reihten sich zwei weitere afrikanische Staaten in die Liste der Länder ein, in denen Hinrichtungen verboten sind. Staaten wie Indonesien, Afghanistan und Pakistan verzichteten erstmals seit Jahren komplett auf Exekutionen.

Dennoch wurden 2009 weltweit wieder mehr als 2000 Menschen zum Tode verurteilt. Insgesamt sitzen derzeit mehr als 17.000 Menschen in Todeszellen ein.

Autor: Frank Wörner (dpa, afp)
Redaktion: Gerhard M Friese

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