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Kultur

Weltweit erste Muslimische Telefonseelsorge

Seit 1956 gibt es in Deutschland die christliche Telefonseelsorge, eine muslimische wurde Anfang September in Berlin gegründet. Warum dieses spezielle Angebot? Erleben Muslime Krisen anders?

Foto: dpa

Bei Anruf Hilfe in Krisen

Eine muslimische Feier im Roten Rathaus, die mit einem traditionellen Fastenbrechen nach Sonnenuntergang endet, – das ist selbst im multikulturellen Berlin ungewöhnlich. Dort, wo es sonst nur um Säkulares wie Politik geht, fand am 2. September 2009 die Gründungsfeier der Muslimischen Telefonseelsorge (MuTeS) statt, – mit Vertretern der beiden großen Kirchen, mit kirchlichen Wohlfahrtsverbänden, muslimischen Organisationen sowie dem Innensenator und der Sozialsenatorin. Den Ort der Feier begründete Innensenator Ehrhart Körting mit der Verantwortung des säkularen Staates für die Freiheit der Religion. Und die Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner sagte in ihrem Grußwort, gerade in einer persönlichen Krise sei es wichtig, vertrauenswürdige Ansprechpartner zu haben, die auch die religiöse Perspektive mit berücksichtigten.

Foto: Marie Wildermann

Gründungsfeier der Muslimischen Telefon Seelsorge (MuTeS)

Budget durch Spenden gesichert

Das 140.000 Euro-Budget für die Muslimische Telefon Seelsorge komme zu hundert Prozent aus Spenden, so die muslimische Wohlfahrtsorganisation Islamic Relief, die Träger des Projekts ist. Ausgebildet wurden die ersten 22 muslimischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ehrenamtlichen Dienstes von der kirchlichen Telefonseelsorge. Das war zunächst nicht unproblematisch, so Uwe Müller, Leiter der kirchlichen Telefon Seelsorge und beschreibt die anfängliche Skepsis der beiden Imame, die an der Ausbildung teilnahmen.

Bundesdeutsche Standards

Um auf dem Gebiet der telefonischen Seelsorge aktiv zu werden, mussten die muslimischen Seelsorger die bundesdeutschen Standards für die Ausbildung akzeptieren. In einem Punkt allerdings wurden die Ausbildungskriterien verändert: Nicht das christliche Menschenbild ist Grundlage des Dienstes, wie bei der kirchlichen Telefon Seelsorge, sondern das muslimische.

Gute Kooperation

Diakonie und Caritas lobten das Engagement der muslimischen Ehrenamtlichen und die gute Zusammenarbeit mit den Imamen, die von der Ausbildung profitiert hätten. Methodenvielfalt und die Schulung von Kommunikationsstrategien komme ihnen in ihrer täglichen Seelsorgearbeit zu gute. Und die mehr als 350 Anrufe, die schon in der viermonatigen Testphase eingegangen seien, ließen Trends und Probleme erkennen, auf die die muslimischen Geistlichen auch in ihren Predigten besser eingehen könnten.

Beziehungsprobleme liegen vorn

Foto: Marie Wildermann

Imran Sagir

Die meisten Hilfesuchenden haben Konflikte in der Ehe, in der Familie, mit den Kindern. Auch mit extremen Krisensituationen wie Zwangsheirat oder Vergewaltigungen mussten die Mitarbeiter sich schon auseinandersetzen. Warum muss es eigentlich ein spezielles Angebot für Muslime geben? Diese Frage beantwortet Imran Sagir, Geschäftsführer von MuTeS so: "Wenn Muslime anrufen mit ihren Problemen, dann berührt das oft die Religion." Das gelte auch für Menschen, die ihre Religion nicht praktizierten.

Die Muslimische Telefonseelsorge ist erreichbar unter der Nummer 030/44 35 09 821 und im Internet unter www.muslimisches-seelsorgetelefon.de.

Autorin: Marie Wildermann

Redaktion: Klaus Krämer