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Aktuell Welt

Weltweit Entsetzen nach Blutbad in Lahore

Der Papst nennt den Anschlag ein "widerwärtiges Verbrechen". Der Attentäter hatte es am Ostersonntag auf Kinder und auf Christen abgesehen. Pakistans Regierung will jetzt Sonderbefugnisse für die Armee.

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Anschlag auf Christen in Pakistan

Ministerpräsident Nawaz Sharif bezeichnete die Verantwortlichen bei einem Besuch von Verletzten im Krankenhaus als Feiglinge und kündigte an, er werde für Gerechtigkeit sorgen. Das Militär teilte mit, mehrere Terror-Verdächtige seien bei Razzien in der Provinz Punjab festgenommen worden. Es sei ein großes Waffen- und Munitionslager ausgehoben worden.

Nach dem Anschlag bereitet die Regierung einen Erlass vor, der Sicherheitskräften in Punjab Sonderbefugnisse einräumen soll, wie die Nachrichtenagentur Reuters aus dem Umfeld der Regierung und der Armee erfuhr. Details müssten noch geklärt werden. Es gehe auch darum, paramilitärischen Einheiten Razzien und Verhöre zu erlauben.

Mindestens 70 Tote

Es ist der schwerste Anschlag in Pakistan seit über einem Jahr: Mindestens 70 Menschen wurden getötet, unter den Toten sind 29 Kinder. Der Selbstmordangriff galt Christen, die am Sonntag auf einem Spielplatz in einem Park in der Millionenstadt Lahore Ostern feierten.

Unter den Toten waren neben den Kindern auch 34 Männer und sieben Frauen, wie eine Sprecherin der Rettungskräfte mitteilte. Etwa 340 Menschen wurden verletzt, 25 davon sind noch in Lebensgefahr. Der Attentäter zündete seine 20-Kilo-Bombe nach Behördenangaben nur wenige Meter entfernt von einem Kinderschaukel-Bereich.

Leichenteile verstreut im Park

Augenzeugen schilderten schreckliche Szenen. Da die Detonation sehr stark gewesen sei, lägen Leichenteile in dem ganzen Park verstreut. Das Fernsehen zeigte Bilder von weinenden Frauen und Kindern, die unter Schock inmitten von Blutlachen standen. Die Regionalregierung von Punjab ordnete die Schließung aller öffentlichen Parks an. Soldaten wurden zur Kontrolle abgestellt. Schulen, Märkte und Gerichte blieben auch am Montag in der Provinzhauptstadt Lahore geschlossen.

Twitter Thema Anschlag in Pakistan

Nicht nur in der Politik, auch in den sozialen Medien ist das Entsetzen und die Trauer über diesen Anschlag groß

Es war der schwerste Anschlag seit Dezember 2014, als 134 Schüler in einer vom Militär geführten Akademie in Peshawar getötet wurden. Zu der Tat am Sonntag bekannte sich die Gruppe Jamaat-ur-Ahrar, die auch für vier andere Bombenanschläge seit vergangenem Dezember die Verantwortung übernommen hat. Sie hatte sich von den pakistanischen Taliban 2014 zunächst abgespalten und der vor allem in Syrien und im Irak aktiven radikalen Miliz "Islamischer Staat" (IS) ihre Treue geschworen. Aus nicht geklärten Gründen schloss sie sich aber vor einem Jahr wieder den Taliban an.

Christen sollten die Opfer sein

"Das Ziel waren Christen", sagte ein Sprecher der Gruppe nach dem Anschlag. Gleichzeitig sende man Regierungschef Sharif die Botschaft, dass die Terrorgruppe Jamaat-ur-Ahrar jetzt auch nach Lahore eingedrungen sei.Die ostpakistanische Millionenmetropole ist Sharifs politische Hochburg, die Provinz Punjab gilt zugleich als kulturelles Zentrum Pakistans. In dem Land leben überwiegend Muslime. Etwa zwei Millionen der mehr als 180 Millionen Einwohner sind Christen.

Papst Franziskus rief vor Tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom die Behörden auf, die Sicherheit für die pakistanische Bevölkerung wiederherzustellen, insbesondere für "die am meisten verwundbaren religiösen Minderheiten". Der Anschlag sei ein "widerwärtiges und sinnloses Verbrechen". Das Osterfest sei mit Blut befelckt worden.

Eine Aufgabe für Pakistan und Afghanistan

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sprach von einem "verbrecherischen Anschlag". Pakistan stehe vor enormen Aufgaben, sagte der SPD-Politiker der Funke-Mediengruppe: "Der terroristischen Bedrohung werden Pakistan und Afghanistan nur gemeinsam Herr werden." Unions-Fraktionschef Volker Kauder erklärte, es steigere "den Schock über diese feige Tat noch mehr", dass sich die Täter das christliche Osterfest als Zeitpunkt für ihre Tat ausgesucht hätten.

haz/fab (rtr, dpa)

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