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Afrika

Weltsozialforum - Afrika kommt zu Wort

Beim Treffen der Globalisierungsgegner in Dakar kamen hunderte Teilnehmer zum "Afrikatag" zusammen. Sie diskutierten über Zukunft und Entwicklung des afrikanischen Kontinents.

Alioune Tine, Präsident einer senegalesischen Menschenrechtsorganisation (Bild: Renate Krieger)

Menschenrechtler Alioune Tine aus dem Senegal fordert einen "Afrika-Konsens"

Nicht in den Sälen, sondern auf den Fluren und Zugangstrassen der Universität Cheikh Anta Diop in Dakar tagte der Afrika- und Diasporatag des Weltsozialforums 2011. Der Grund dafür: viele Säle wurden für das Forum nicht freigegeben. Die Globalisierungsgegner hatten zwar hunderte von Veranstaltungen auf dem Programm, hatten aber nicht mit der chaotischen Organisation gerechnet. Und so mischten sich die Globalisierungsgegner unter die Studenten, die sich von einem Raum in den anderen bewegten.

Chaos bei der Organisation

Studenten protestieren während des Weltsozialforums in Dakar (Bild: Renate Krieger)

Studenten protestieren während des Weltsozialforums in Dakar

Der Afrikatag war dazu gedacht, anstehende Themen Afrikas ausführlich zu präsentieren und zu debattieren. Zum Beispiel bei einer Konferenz über die Jubiläen zu 50 Jahren Unabhängigkeit verschiedener Länder des Kontinents, oder über die Wechselbeziehung zwischen Migration und Entwicklung.

Auch der Mauretanier Mamadou Kann ist in Dakar dabei. Er ist in seinem Land für die Außenbeziehungen eines Kollektivs gegen Repression zuständig. Zum ersten Mal nimmt er an einem Weltsozialforum teil, und ist ein wenig enttäuscht. "Wir haben diesen ersten Tag ein bisschen verbittert erlebt. Es gibt keine Kommunikation, die eine Anmeldung bei den Konferenzen erleichtern würde". Organisationen von Opfern, die an speziellen Veranstaltungen teilnehmen wollten, müssten dafür bezahlen, kritisiert er. "So können wir unsere Stimme nicht zu Gehör bringen".

Viele Kritiker kennen das Organisationschaos der Veranstaltung schon. Auch die Gründer des Forums geben es zu, kontern aber mit der Dynamik eines Treffens, das sich sozusagen von selbst artikulieren soll. Was während des Afrikatages auch geschah.

Der "Afrika-Konsens"

Verarbeitung von Kakaobohnen in Ghana (Bild AP)

Afrikas Ressourcen besser nutzen - das fordern die Teilnehmer des WSF

Vor der Bibliothek der Universität sammelten sich am Ende des sonnigen Nachmittags etwa fünf Männer in afrikanischen Trachten. Sie nehmen einige Mikrofone von der Presse und verkünden, dass sie einen sogenannten "Afrika-Konsens" ins Leben gerufen hätten. Alioune Tine, Präsident der Organisation RADDHO für Menschenrechte in Senegal, erklärt, dass der "Afrika-Konsens" auf der Idee eines afrikanischen Entwicklungsmodells basiere.

"Dieser Kontinent ist nicht arm. Er besitzt den größten Ressourcenreichtum und enorm viel Land". Dazu komme die ethnische Vielfalt. Deshalb müssten einige alte Ideen neu gedacht werden, so Tine. Man habe gesehen, wie der finanzielle und spekulative Kapitalismus an seine Grenzen gestoßen sei. Das habe sich bei der Finanzkrise 2008 gezeigt. Gleichzeitig habe es Länder gegeben, die aus eigener Kraft und mit eigenen Ideen Sachen aufgebaut hätten, die funktionierten.

"Wir sind nicht die Alternative, wir sind der Mainstream", sagen Tine und seine Kollegen. Sie hoffen, dass sie den "Afrika-Konsens", den sie als Gegengewicht zum marktwirtschaftlichen "Washingtoner Konsens" sehen, schon bald verschiedenen Parlamenten in Afrika präsentieren können. Institutionelle, finanzielle und strukturelle Schwächen seien Kennzeichen der afrikanischen Organisationen. Aber der Wille der Menschen sei da. "Sie haben einen sehr starken Willen. Wie in Tunesien, dort haben sie Berge umgestürzt. Auch in Ägypten stürzen sie Berge um, und ich denke, dass das bald auch in Westafrika geschehen wird".

Süd-Süd-Kooperation

Brasiliens ehemaliger Präsident Lula da Silva (Bild: Renate Krieger)

Brasiliens Ex-Präsident Lula sprach sich für eine engere Kooperation zwischen den Ländern des Südens aus

Auf dem Afrikatag zeigte sich auch die politische Prominenz. Der senegalesische Präsident Abdoulaye Wade machte kein Hehl daraus, dass er ein Anhänger der Marktwirtschaft sei. "Ich bin ein Liberaler. Und so unterstütze ich eine Wirtschaft der Märkte und nicht eine staatliche, die beinahe überall gescheitert ist, weil sie auf falschen Prinzipien und Annahmen basiert". Der ehemalige brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva nahm ebenfalls an der Tagung teil. Bei seiner ersten internationalen Reise nach dem Ausscheiden aus seinem Amt im Dezember sprach er von einer engeren Kooperation zwischen den Ländern des Südens. Brasilien sollte in Afrika nicht als dominante Macht präsent sein, sondern als Partner. "Ohne internationalen Einfluss kann Afrika seine wirtschaftliche und soziale Entwicklung vollenden sowie seine Demokratie und seine souveräne Teilnahme auf der Welt. Mit 800 Millionen Einwohnern und seinen reichen Ländern hat Afrika eine glänzende Zukunft. Diese kann und soll jedoch beschleunigt werden".

Verschiedene Kritiker, mit denen die Deutsche Welle beim Weltsozialforum sprach, stellten die sogenannte "Süd-Süd-Kooperation" jedoch in Frage, da auch China und Brasilien drohten, Afrika für ihre eigenen wirtschaftlichen und strategischen Interessen auszubeuten. Auf jeden Fall wollen die Teilnehmer des Weltsozialforums, dass der Kontinent sich ab jetzt besser auf der internationalen Szene präsentiert. Mamadou Kann aus Mauretanien fast das Anliegen der Teilnehmer zusammen: "Afrika muss mitreden".

Autorin: Renate Krieger
Redaktion: Katrin Ogunsade

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