Weltpremiere: DW-Film ″Schatzkammer Berlin″ | Kunst | DW | 15.05.2018
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Kunst

Weltpremiere: DW-Film "Schatzkammer Berlin"

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz unterhält eine der fünf größten Universalsammlungen der Welt. Die Dokumentation "Schatzkammer Berlin", eine Koproduktion der DW mit den Sendern rbb und ARTE, stellt die Stiftung vor.

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Doku über Museumsschätze in Berlin

Beim Thema Archäologie hat der Durchschnittsbürger vermutlich zwei Bilder im Kopf, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Hier die kauzigen Forscher, die in den Kellern ihrer Museen Exponate begutachten oder am anderen Ende der Welt mit Pinsel in der Hand Ausgrabungen freilegen - dort der abenteuerlustige Indiana-Jones-Typus, dem kein Risiko zu groß ist, um der Nachwelt seltene Kunstschätze zu sichern. Die von der Deutschen Welle initiierte und koproduzierte Dokumentation "Schatzkammer Berlin - Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz" zeigt: Die Wirklichkeit liegt in der Mitte.

"Die Deutsche Welle kann Weltkultur und ihren Austausch in Beiträgen und solchen Filmen wunderbar transportieren", sagte Intendant Peter Limbourg am Dienstagabend (15.05.2018) bei der Premiere des Films in Berlin. "Wir erfahren viel über uns selbst, wenn wir in Museen sind, Kultur wahrnehmen und erfahren, wo und wie sie entstanden ist in Asien, Afrika, Südamerika und Europa."

Die Bezeichnung "Schatzkammer" ist passend gewählt, unterhält die Stiftung doch eine der größten Universalsammlungen der Welt mit mehr als fünf Millionen Objekten in 19 Museen, darunter die Alte Nationalgalerie (oben) und das Pergamonmuseum in Berlin. Die Exponate reichen von Objekten der Steinzeit bis zu zeitgenössischer Kunst, die etwa im Museum Hamburger Bahnhof zu sehen sind. Die Staatsbibliothek ist eine der größten weltweit, hinzu kommen Archive und Forschungsinstitute. 2017 hatte die Stiftung einen Etat von rund 330 Millionen Euro.

Museumsbesucher betrachten die Büste der Nofretete (Salzgeber & Co. Medien GmbH)

Kunstschatz aus dem Alten Ägypten: Die Büste der Nofretete im Neuen Museum

"Der Film zeigt den Mehrwert der SPK, dieses spartenübergreifende, unglaubliche kulturelle Erbe in Museen, Bibliotheken und Archiven", sagte Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung, bei der Filmpremiere. "Es ist wichtig, diesen Einblick in unsere Arbeit zu geben und zu verdeutlichen: Was im Museum stattfindet, hat eine enge Verbindung mit aktiver Forschung."

Trockene Materie wird spannend

Regisseur Dag Freyer begleitete die Menschen hinter den Kulissen, beobachtete sie bei der Arbeit im Museum und reiste mit Archäologen nach China und mit einem Kurator nach Kamerun. Die offensichtliche Leidenschaft der Forscher springt bald auf den Zuschauer über, spätestens wenn die häufig trockene historische Materie plötzlich Ursprünge entschlüsselt und Anknüpfungen in die Gegenwart, in unseren heutigen Alltag liefert: Wie präzise waren Humboldts Aufzeichnungen, und wer kam auf die Idee, zum ersten Mal etwas aufzuschreiben?

Fünf Menschen tragen ein Segel ins Museum (Salzgeber & Co. Medien GmbH)

Ein Südseeboot aus den 1960er Jahren zieht ins Humboldt-Forum um

"Sympathisch größenwahnsinnig", fand Regisseur Dag Freyer die Idee, anhand von Museumsobjekten einen Rundgang durch die Menschheitsgeschichte zu wagen. "Wir haben überlegt, welche Fragen die Menschen seit jeher bewegen, sowohl philosophisch wie auch im Alltag: Müssen wir den Tod fürchten, sehe ich heute gut aus, wie können wir nachhaltig mit unseren Ressourcen umgehen?"

Die "Schatzkammer Berlin" ist momentan im Umbruch. Grund dafür ist die für Ende 2019 geplante Eröffnung des Humboldt-Forums im Berliner Stadtschloss. Einige Museen bereiten bereits die Umzüge ihrer Exponate vor, was Regisseur Freyer dazu nutzt, die Diskussion über deren Provenienz aufzugreifen: Wie hat Deutschland zur Kolonialzeit die eigene Macht genutzt, um die Sammlungen zu bereichern - und wie soll man heute damit umgehen? Die Debatte, ob der Besitz aller Objekte rechtmäßig ist, wird weitergehen, wenn das Humboldt-Forum seine Türen öffnet.

WeiterlesenKritik am Humboldt-Forum wird schärfer

Regisseur Freyer reiste für den Film nach Kamerun, um in der Diskussion über den Königsthron Mandu Yenu auch der Sichtweise aus dem Herkunftsland nachzugehen. "Es ist immer von problematischen Objekten die Rede, aber es sind eigentlich leistungsfähige Objekte, denn sie geben uns die Chance, heute mit den Leuten in den Herkunftsgesellschaften in Kontakt zu treten. Es ist eine große Chance, weil die Museen aktiv Zeichen setzen können."

Auch SPK-Präsident Hermann Parzinger ist der Austausch mit den Herkunftskulturen strittiger Objekte wichtig: "Wir müssen die Wege der Objekte in die Sammlungen erforschen. Sofern sie unter Gewaltanwendung in unsere Museen gelangt sind, muss man über Rückgaben reden." Bei der Ausstellung von Exponaten aus der Kolonialzeit sollten zudem die Herkunftsgesellschaften eingebunden werden und ihre Sichtweise darstellen, "im Humboldt-Forum werden wir darauf großen Wert legen".

Deutsche-Welle-Intendant Peter Limbourg betonte seine große Vorfreude auf das Humboldt-Forum: "Es wird für die Deutsche Welle noch mal einen Antrieb für Berichte in unsere Zielregionen geben." Die strittige Diskussion über die Provenienzforschung und den Raub von Kulturgütern sei einerseits emotional, "auf der anderen Seite führt sie aber auch zu einem wichtigen kulturellen Austausch".

Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte, begutachtet einen Goldhut mit Ornamenten. (Salzgeber & Co. Medien GmbH)

Matthias Wemhoff (links), Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte, begutachtet den 3000 Jahre alten "Berliner Goldhut"

Der Präsident taucht ab

Und dann gibt es  doch noch einen Indiana-Jones-Moment, als Stiftungspräsident Hermann Parzinger höchstselbst im Mecklenburger Fluss Tollense abtaucht, um rund um das älteste bekannte Schlachtfeld der Welt nach Pfeilspitzen aus der Bronzezeit zu suchen. Kein Alltagsritual für einen Stiftungspräsidenten, wie Hermann Parzinger einräumte: "Das war der Tatsache geschuldet, dass ich selber Hobbytaucher bin, aber nur in Urlaub und in wärmeren Gefilden – nicht in der eisigen Tollense."

"Schatzkammer Berlin - Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz" ist ab dem 17. Mai bundesweit im Kino zu sehen. Voraussichtlich im kommenden Jahr wird die Dokumentation, eine Koproduktion der Deutschen Welle mit den Sendern rbb und ARTE, auch im Fernsehen ausgestrahlt. 

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