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Musik

Weltmusik live und als Business

Während andere Musikmessen abgesagt werden, zeigt sich die Weltmusik fast unberührt von der allgemeinen Krisenstimmung. Zum 15. Mal präsentierte die Womex, die World Music Expo, eine höchst vitale und aktive Musikszene.

Die Band Staf Benda Bilili aus dem Kongo: Gewinner des Womex Awards (Quelle: Piranha)

Die Band Staf Benda Bilili aus dem Kongo: Gewinner des Womex Awards

Künstler, Manager, Produzenten, Veranstalter und Journalisten kamen diesmal nach Kopenhagen, zur größten Weltmusikmesse Womex. 2700 Fachbesucher von allen Kontinenten waren angereist, um Geschäfte zu machen, über Weltmusik zu diskutieren und natürlich ebensolche zu hören.

Die Informations-Börse

Womex Direktor Gerald Seligman (Quelle: DW)

Womex Direktor Gerald Seligman

Im Weltmusik-Bereich werden finanziell eher kleine Brötchen gebacken. Dennoch scheuen viele Aktive trotzdem nicht die Kosten einer Reise zur Womex. "Was diejenigen, die mit Weltmusik arbeiten, brauchen, ist eine Möglichkeit sich zu treffen und Informationen auszutauschen: Welche neuen Künstler gibt es, wer wird im nächsten Jahr wieder eine Platte veröffentlichen oder auf Tournee sein, wo gibt es neue Klubs oder Festivals", meint Womex Generaldirektor Gerald Seligman. Er stammt aus den USA, hat lange in Brasilien und England gelebt und organisiert die Womex von Berlin aus. "Weltmusik ist kein einfaches Arbeitsfeld. Natürlich gibt es unglaublich viele großartige Künstler. Aber ihre Musik wird von den meisten Radio-Sendern kaum gespielt. Und die Verkaufszahlen ihrer Platten sind in der Regel sehr bescheiden."

Das Diskussionsforum

Ein Teil der Fachbesucher bahnte in der Messehalle von Kopenhagens Bella Center konkrete Geschäfte an. Da ging es um Konzerte oder Festival-Auftritte von Künstlern, um den Vertrieb von CDs oder die Lizensierung einzelner Songs oder ganzer Platten. Parallel dazu traf man sich im gleichen Gebäude zum Womex-Kongress. Die Themen waren zum Teil die gleichen, die auch von Vertretern anderer Genres diskutiert werden. Wie kann es gelingen angesichts des massenhaften Kopierens von CDs und kostenloser Downloads aus dem Internet, die Produktion von Musik wieder mit der Erwirtschaftung von Einkommen zu verknüpfen? Andere Fragen waren eher weltmusik-spezifisch wie das Visa-Problem, denn viele Weltmusik-Acts kommen aus Staaten, deren Bürger für die Länder Westeuropas und Nordamerikas Visa brauchen. Die kosten nicht nur Geld, sondern werden auch häufig überhaupt erst nach langwierigen Interventionen erteilt, was die Planung und Finanzierung von Tourneen und Festivals erschwert. Die Womex-Konferenz war darum auch sehr praktisch ausgerichtet, mit sogenannten Mentoring Sessions, bei denen man sich zu konkreten Problemen Rat von Experten holen konnte.

Das Festival

Die kanadische Flötistin und Saxophonistin Jane Bunnett (Quelle: DW)

Die kanadische Flötistin und Saxophonistin Jane Bunnett

Nach acht Stunden Business und Konferenz im Kongress-Zentrum, zog das Fachpublikum abends in Kopenhagens neues Koncerthuset, wo auch der dänische Rundfunk seinen Sitz hat. Dort konnte man auf vielen Bühnen bis spät in die Nacht das erleben, worüber man am Tag stundenlang geredet hatte: Weltmusik. Es gab Folkrock aus Chinas Innerer Mongolei, Afro-Blues aus Mali, australischen Aborigine-Pop, traditionelle Mento-Musik aus Jamaica, Frevo aus dem Nordosten Brasiliens, Fado aus Portugal und vieles mehr. Über 40 Acts hatten sich zu den sogenannten Showcases eingefunden. Viel mehr Künstler hatten kommen wollen, daher musste eine Jury die interessantesten Bands und Solisten auswählen. Die kanadische Flötistin Jane Bunnett, die seit über 20 Jahren mit kubanischen Musikern arbeitet und zum ersten Mal bei der Womex war, ist seither fest entschlossen, sich für die Showcases im nächsten Jahr zu bewerben.

Die Preisverleihung

Den Abschluss der Womex bildete die Verleihung des Womex Award. Dieser Preis ging 2009 an die Gruppe Staff Benda Bilili aus Kinshasa. Die neun Kongolesen, zum überwiegenden Teil körperbehindert, demonstrierten mit ihrer umwerfenden Show, dass man auch im Rollstuhl Gitarre spielen und singen kann. Kaum einen der Womex-Besucher hielt es noch auf seinem Stuhl, so dass hier wieder einmal ein alter Spruch zutraf: Der Kongress tanzt.

Autor: Wolfgang König

Redaktion: Matthias Klaus

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