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Politik

Weltmächte lassen kritischen Klimabericht entschärfen

Die Vereinigten Staaten, China, Russland und Saudi-Arabien haben den zweiten Teil des Weltklimaberichts entschärfen lassen. Beteiligte Forscher sprechen von Vandalismus an der Wissenschaft.

ARCHIV - Ein riesiger, tropfender Eisberg in der Disko-Bucht in Grönland im Licht der Abendsonne (Archivfoto vom 13.08.2006). Am Freitag (02.02.2007) wird in Paris der neue Bericht des UN-Klimarats (IPCC) vorgestellt. Foto: Hinrich Bäsemann +++(c) dpa - Bildfunk+++

Folge des Klimawandels: Eis an der Antarktis und in den Alpen schmilzt in Rekordtempo

Der Weltklimarat hat sich am Freitagvormittag (6.4.2007) nur mit Mühe auf einen zweiten Bericht zur Erderwärmung einigen können. Nach Berichten von Teilnehmern hatten einige Länder in der abschließenden Marathon-Sitzung in Brüssel "sehr massiv" versucht, die Zusammenfassung des Berichts abzuschwächen, darunter die Vereinigten Staaten, China, Russland und Saudi-Arabien. Die Fachleute aus 130 Ländern gaben dem Drängen nach, kritische Passagen wurden gestrichen.

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Polkappen-Aufnahmen von September 1979 und 2005 lassen keinen Zweifel am Schmelzen

Auf Wunsch der USA wurde ein Abschnitt über erwartete Klimaschäden in Nordamerika entfernt. Zunächst hatte es darin geheißen, auf dem Kontinent werde es infolge der Erderwärmung Wirbelstürme, Trockenheit, Überflutungen und Brände geben. China bestand darauf, eine Textstelle zu entfernen, wonach gewisse Schäden mit "sehr hoher Wahrscheinlichkeit" eintreten würden. Anwesende Wissenschaftler standen daraufhin auf und verlangten einen Erhalt dieses Hinweises. Daraufhin wurde eine Kompromissformel gesucht. In manchen Fällen hätten Wissenschaftler formale Protestnoten eingereicht und von "Vandalismus" an der Wissenschaft gesprochen.

Teilnehmer berichten weiterhin, bei der Debatte sei es zu Konflikten zwischen Wissenschaftlern und politischen Delegierten gekommen, die es so im Weltklimarat noch nicht gegeben habe. So sei auch heftig um Aussagen zu einem erwarteten Artensterben sowie zu heute bereits beobachteten Klimawandelfolgen gestritten worden. Die bremsenden Staaten hätten zudem versucht, Bezüge zu politischen Vereinbarungen wie der UN-Klimarahmenkonvention auszuschließen.

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In dem Streit ging es nicht um den Hauptteil des gut 1400 Seiten langen Berichts, sondern die "Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger". Die Veröffentlichung des ersten Teils im Februar hatte weltweit Bestürzung ausgelöst. Der Bericht, an dem 2500 Wissenschaftler mitgearbeitet haben, sagt einen durchschnittlichen Temperaturanstieg von bis zu 6,4 Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts voraus. Der zweite Teil, der die Regionen vorstellt, die voraussichtlich besonders unter den Auswirkungen des Klimawandels leiden werden, soll noch im Laufe des Freitags erscheinen. Den dritten und letzten Teil ihres Weltklimaberichts wollen die Forscher Anfang Mai präsentieren. Dann wollen sie Lösungsvorschläge unterbreiten, um die Folgen des Klimawandels abzumildern. (ask)

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