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Kultur

Weltkino an der Isar: 33. Filmfest München

Etablierte Stars und große Regisseure, Newcomer und Debüts, Filme unbekannter Kinonationen und viel Deutsches - all das präsentiert das Münchner Filmfest. Und dann sind da noch ein paar große Visionäre des Kinos!

Ins Kino gehen an einem heißen Sommerabend, zumal in einer solch schönen Stadt wie München, das dürfte vielen Menschen schwer fallen. Doch blickt man ins Programm der 33. Ausgabe des Münchner Filmfests (25.6.-4.7.), dann kann auch der süchtige Sonnenanbeter und Biergartenbesucher schwach werden. 179 Filme laufen beim Festival. Den Überblick zu behalten, das fällt schwer bei all den Reihen und Sektionen, Retrospektiven und Preisverleihungen.

Neues deutsches Kino

Wer mag, der kann sich ja im dunklen Kinosaal einen Film anschauen, der die Jahreszeit zumindest im Titel trägt. "Becks letzter Sommer" (unser Bild oben), ein halb ernstes, halb spaßiges Roadmovie mit Christian Ulmen in der Hauptrolle, entstand nach dem Roman des jungen Münchners Benedict Wells. Starke Schauspieler machen "Becks letzter Sommer" zu einem der sehenswerten Beiträge in der Reihe "Neues Deutsches Kino". 18 Filme werden dort gezeigt. Wie jedes Jahr ein Herzstück des Festivals, gibt diese Plattform vielen jungen Filmemachern doch die Chance, sich erstmals vor großem Publikum zu präsentieren.

Filmfest München Filmstill Heil (Foto: Filmfest München)

Gespenstische Szenerie in Ostdeutschland: "Heil"

Auch Dietrich Brüggemanns neuer Film "Heil" läuft dort, auch er setzt auf eine Mischung aus Ernst und Komik. Ein junger afrodeutscher Autor auf Lesereise in Ostdeutschland wird von einem Neonazi-Mob angegriffen und erhält einen Schlag auf den Kopf. Er verliert Gedächtnis und Identität und plappert von nun an alles nach, was ihm von rechter Seite eingeflüstert wird. Brüggemanns Film greift ein ernstes und aktuelles Thema - Fremdenfeindlichkeit - auf, verpackt das aber in eine filmische Farce voller satirischer Spitzen.

Vorlage von Albert Camus

Beim Filmfest München könne man sich ein lebendiges Bild von unserer Welt machen, sagt Festivalchefin Diana Iljine. Unterschiedliche Realitäten, vielfältige Träume aus Ländern, die man sonst kaum im Kino erlebt, seien zu entdecken. Als Beispiel verweist Iljine auch auf den Eröffnungsfilm "Den Menschen so fern", der stellvertretend für eines der wichtigsten Themen der Zeit stehe: die Verbindung von Menschen über alle Grenzen hinweg.

Filmfest München 2015 Roter Teppich

Eröffnung mit Regisseur und Schauspielern: die Direktorin begrüßt das Team von "Den Menschen so fern"

Regisseur David Oelhoffen erzählt, nach einer Kurzgeschichte von Albert Camus, von einem Lehrer aus dem Algerien der 1950er Jahre. Ein von der französischen Kolonialmacht verhafteter Algerier wird bei dem in der Provinz lebenden Lehrer abgesetzt. Der soll den Gefangenen in die nächste Stadt bringen. Die beiden machen sich auf den Weg und lernen sich kennen: ein eindrucksvoller Neo-Western vor nordafrikanischer Wüstenkulisse.

"Es geht darum, was der Krieg mit zwei Männern anrichtet", sagt der Regisseur über seinen Film: "Wie reagiert man, wenn das eigene Land ins Chaos rutscht? Ist so etwas wie Brüderlichkeit dann noch möglich?" Sein Film erzähle "eine universelle Geschichte, die in jedem Land zu jeder Zeit spielen und von jedem Krieg erzählen könnte". Wie andere Beiträge des Münchner Filmfestprogramms auch lief "Den Menschen so fern" zuvor bei einem der großen Weltfestivals, in diesem Falle dem in Venedig. Regisseur David Oelhoffen und Hauptdarsteller Viggo Mortensen sind nun nach Deutschland gereist und stellen den Film persönlich vor.

Filmfest München Impressionen (Foto: Filmfest München)

Festivalzentrum Gasteig

Hochdotierte Preise und vielfältige Reihen

Vier große Filmreihen bilden das Gerüst des nach der Berlinale zweitgrößten deutschen Filmfestivals. Und auch wenn München über keine so renommierte und weltweit anerkannte Auszeichnung wie den Goldenen Bären verfügt, eine Menge Preise gibt‘s doch zu gewinnen an der Isar. Ein Dutzend Filme aus Südamerika und Portugal, aus Japan, Norwegen und China bewerben sich um den mit 50.000 Euro dotierten "Arri/Osram Award". Immerhin über 12.000 Euro darf sich der Gewinner des "Cinevision Award" freuen, in dieser Sektion laufen Filme aus Korea und Indien, aus Neuseeland, Jordanien und Kolumbien.

Filmfest München Filmstill The President (Foto: Filmfest München)

Ein letzter Tanz, bevor das Regime zusammenbricht: "The President"

In der mit 53 Beiträgen umfangreichsten Sektion "Spotlight" wird all das gezeigt, was das aktuelle Weltkino derzeit zu bieten hat. Einer der interessantesten Beiträge ist "The President", eine georgisch-französisch-britische Co-Produktion. Regie führte der im Exil arbeitende iranische Regisseur Mohsen Makhmalbaf. Ein Diktator in einem nicht näher gekennzeichneten Land wird gestürzt. Getarnt als Straßenmusiker reist er nur in Begleitung seines Enkels durch das von ihm ehemals geknechtete Land - und erhält ungeschminkten Einblick in das Leben der Menschen in einer Diktatur. "The President" ist eine bissige Satire - angesichts der zerfallenden Staaten in Nah- und Mittelost ein höchst aktueller Beitrag.

München Andy Warhol 1971 (Foto: Filmfest München)

Andy Warhol im Jahr 1971

Veteranen der Kinogeschichte

Und dann sind da noch ein paar große junge und alte Männer des Kinos. Wie andere Festivals auch ehrt München verdiente Regisseure und Schauspieler des Weltkinos mit Preisen und Retrospektiven. In diesem Jahr sind das der Franzose Jean-Jacques Annaud und der US-Regisseur Alexander Payne, der britische Mime Rupert Everett und der Gottvater der Popkunst: Andy Warhol. Der war auch Regisseur und hat ein eindrucksvolles experimentell geprägtes filmisches Oeuvre hinterlassen. Mit großen Folgen. Wie junge Filmemacher auf Warhol reagierten, wie nachfolgende Regisseure sich mit dem Werk des 1987 verstorbenen Künstlers auseinandersetzten, das zeigt das Festival mit vielen Beispielen.

Filmfest München Filmstill Magician (Foto: Filmfest München)

Kino-Genie Orson Welles

Vor 100 Jahren geboren: Orson Welles

Das Festival huldigt auch noch einem der ganz Großen: Im 100. Geburtsjahr des Regie-Genies Orson Welles wird die Dokumentation "Magician: The Astonishing Life and Work of Orson Welles" gezeigt, eine eindrucksvolle Dokumentation mit selten gezeigtem Archivmaterial und aktuellen Interviews. So schlägt auch die 33. Ausgabe des Münchner Filmfests einen eleganten Bogen zwischen Alt und Neu, zwischen Filmgeschichte und modernen Entwicklungen der Kinematografie.

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