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Politik & Gesellschaft

Welthungerhilfe warnt vor Wassermangel

Die Weltbevölkerung wächst schnell, aber ihr Wasserverbrauch wächst noch schneller. Deshalb wird Wasser in den armen Ländern immer knapper. Die Welthungerhilfe fordert: Die Politik muss endlich Lösungen liefern.

Durstige Kinder in Malawi greifen nach einem Wasserhahn (Foto: dpa)

Durstige Kinder in Malawi greifen nach einem Wasserhahn

Zwei Hauptursachen hat die Welthungerhilfe für die alarmierende Wasserknappheit in den armen Ländern ausgemacht: die wachsende Weltbevölkerung und den Klimawandel. Weltweit hätten bereits fast 900 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser, erklärte die Hilfsorganisation am Dienstag (21.06.2011) in Berlin. Bis 2025 würden sogar drei der dann 8,5 Milliarden Menschen auf der Erde unter Wasserknappheit leiden.

"Im vergangenen Jahrhundert hat sich die Weltbevölkerung verdreifacht, der Wasserverbrauch jedoch versechsfacht", sagte die Präsidentin der Hilfsorganisation, Bärbel Dieckmann, bei der Vorstellung des Jahresberichts der Welthungerhilfe. Um dieser enormen Herausforderung zu begegnen, müsse das Thema "einen Spitzenplatz" auf der politischen Agenda bekommen.

Auf die politische Agenda stemmen

Die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann (Foto: dpa)

Bärbel Dieckmann mahnte die Politik am Dienstag zum Handeln

Die Vereinten Nationen hätten zwar im Juli 2010 das Recht aller Menschen auf Zugang zu sauberem Wasser und Sanitärversorgung in einer Resolution anerkannt, so Dieckmann. Da dies aber völkerrechtlich nicht bindend sei, müsse dieses Menschenrecht in den Rechtsordnungen der einzelnen Staaten verankert werden.

Insgesamt seien mehr als 30 Länder von Wassermangel bedroht, in denen zudem 80 Prozent aller Krankheiten auf verschmutztes Trinkwasser zurückgingen. Weltweit sterben demnach jährlich 1,9 Millionen Menschen an Durchfallerkrankungen durch schmutziges Wasser.

Der Klimawandel verschärft laut Jahresbericht das Problem weiter. Angesichts der weltweit zunehmenden Trockenheit könnte bis Ende des Jahrhunderts ein Drittel der globalen Landfläche nicht mehr für die Landwirtschaft nutzbar sein, warnte Dieckmann unter Berufung auf Daten des Weltklimarats.

Vorrang für Lebensmittelproduktion

Kinder in Kenia werden mit sauberem Trinkwasser versorgt (Foto: Karl Zawadzky)

Kinder in Kenia werden mit sauberem Trinkwasser versorgt

Die zunehmende Wasserknappheit in Industrie- und Entwicklungsländern bringt eine weitere bedrohliche Entwicklung mit sich: Sie gefährdet die Ernährungssicherheit. Es sei zu befürchten, dass der Anbau von Nutzpflanzen für Agrarsprit und Futtermittel immer mehr mit dem von Lebensmitteln um die geringen Flächen konkurriere, mahnt die Welthungerhilfe. "Ernährungssicherheit geht vor Biokraftstoffe", betonte Dieckmann. Nur etwa die Hälfte der Getreideproduktion weltweit kommt der Welthungerhilfe zufolge in die menschliche Nahrungskette.

Die Welthungerhilfe sieht allerdings auch erfreuliche Ansätze. In Kenia hätten eigene Projekte gezeigt, dass sich der Zugang zu Wasser auch positiv auf die Entwicklungsmöglichkeiten der Menschen auswirke, sagte Dieckmann. Statt Wasser holen zu müssen, könnten Kinder zur Schule gehen, und Frauen hätten mehr Zeit und Kraft zum Anbau von Nahrungsmitteln.

Weltweit organisiert die Welthungerhilfe, die Wasser in diesem Jahr zu ihrem Schwerpunktthema gemacht hat, derzeit nach eigenen Angaben 21 Wasserprojekte mit einem Gesamtvolumen von 20 Millionen Euro. Dazu zählen beispielsweise der Bau von Brunnen, Dämmen, Wasserspeicheranlagen oder auch Toiletten.

Spendenrekord im Katastrophenjahr

Wolfgang Jamann, Generalsekretär der Welthungerhilfe (Foto: DW)

Wolfgang Jamann, Generalsekretär der Welthungerhilfe

Im vergangenen Jahr erzielte die 1962 gegründete Organisation die höchste Spendensumme in ihrer Geschichte. Das private Spendenaufkommen stieg von 31,9 Millionen Euro auf 76,2 Millionen Euro. Die öffentlichen Zuschüsse kletterten immerhin um rund 30 Prozent auf 131,7 Millionen Euro. Insgesamt standen der Welthungerhilfe im vergangenen Jahr 216,3 Millionen Euro zur Verfügung. Der Generalsekretär Wolfgang Jamann nannte als Grund für die hohe Spendenbereitschaft die Naturkatastrophen in Haiti und Pakistan. Sie hätten zu einer großen Solidarität in der Bevölkerung geführt.

Der Großteil der Mittel der Welthungerhilfe fließt nach Jamanns Angaben weiterhin in den afrikanischen Kontinent. "Fast die Hälfte der Projektmittel wird in der Subsahara umgesetzt", so der Generalsekretär. Das gesamte Projektvolumen betrage 96 Millionen Euro. Dabei gehe es vor allem um die Ernährungssicherung. Beispielsweise müssten in der sudanesischen Krisenregion Darfur immer noch rund 400.000 Menschen mit Lebensmitteln versorgen werden.

Autor: Reinhard Kleber (afp, epd, kna, dpa)
Redaktion: Hajo Felten

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