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Aktuell Afrika

Welthungerhilfe warnt vor Hungerkrise in Ebola-Gebieten

Unbestellte Felder, steigende Lebensmittelpreise – die Ebola-Gebiete in Westafrika steuern laut Welthungerhilfe auf eine Hungerkrise zu. In Liberia gab es Gewalt in einer Ebola-Quarantäne-Zone. Die Zahl der Toten steigt.

Durch die Ebola-Epidemie droht in Ländern wie Liberia und Sierra Leone eine humanitäre Krise. Nach Angaben der Welthungerhilfe kam der Handel wegen geschlossener Grenzen bereits in vielen Gebieten zum Erliegen, große Märkte blieben geschlossen. In Sierra Leone seien viele Menschen, die sonst die Felder bestellten, an Ebola gestorben oder dürften ihre Häuser wegen Quarantäne für Wochen nicht verlassen, berichtete Asja Hanano, Koordinatorin der Welthungerhilfe in Liberia, bei einer Pressekonferenz in Berlin. Die Preise für Grundnahrungsmittel wie Reis seien bereits um bis zu 40 Prozent gestiegen. Die Hilfsorganisation kündigt an, ihre Hilfe für Liberia und Sierra Leone zu verstärken.

Gewalt bei Ebola-Bekämpfung in Liberia

In Liberia kam es bei der Einrichtung einer Ebola-Quarantäne-Zone zu Gewalt. Sicherheitskräfte in der Hauptstadt Monrovia setzten scharfe Munition und Tränengas gegen Bewohner des Slums West Point ein.

Sicherheitskräfte und Slumbewohner stehen sich gegenüber (Foto: ap)

Bei der Abriegelung einer Armensiedlung kam es zu Gewalt

Sie hatten mit wütenden Protesten auf die Entscheidung von Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf reagiert, die Armensiedlung mit rund 75.000 Einwohnern wegen der Ebola-Epidemie unter Quarantäne zu stellen. Ohne Vorwarnung wurde der Slum von den Sicherheitskräften abgeriegelt. Bei Protesten dagegen wurden mindestens vier Menschen verletzt.

Die Angst vor Ansteckung geht um

Am Wochenende hatten mit Messern und Knüppeln bewaffnete Angreifer eine Isolierstation in West Point geplündert und verwüstet und 17 Ebola-Patienten befreit. Die Kranken meldeten sich erst drei Tage später wieder in einem anderen Krankenhaus der Stadt. Die Behörden befürchten, dass sich zahlreiche weitere Bewohner von West Point mit dem Erreger angesteckt haben und beschlossen deshalb die Abriegelung des Slums.

Liberia ist nach jüngsten Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit 576 Toten am schwersten von der Ebola-Epidemie in Westafrika betroffen. Allein am Wochenende registrierte die Organisation in dem Land 95 zusätzliche Tote. Um eine weitere Ausbreitung der Seuche zu verhindern, haben die Behörden Quarantäne-Zonen auch im Grenzgebiet zwischen Guinea, Liberia und Sierra Leone eingerichtet.

Liberias Präsidentin kritisiert ihr Volk

Johnson Sirleaf verhängte außerdem eine nächtliche Ausgangssperre über Monrovia und ordnete die "Schließung aller Freizeitzentren und aller Videoklubs ab 18 Uhr" an. Die Staatschefin beklagte, dass es in Liberia trotz Verhängung des Ausnahmezustands und weiterer drakonischer Maßnahmen nicht gelinge, die Epidemie in den Griff zu bekommen. Verantwortlich dafür sei auch, dass die Bevölkerung die Seuche nach wie vor verleugne, dem Rat der Experten und Ärzte nicht folge und alle Warnungen der Regierung in den Wind schlage.

Insgesamt ist die Zahl der mutmaßlichen Todesopfer in Westafrika nach WHO-Angaben auf 1350 gestiegen. Bei 805 Todesfällen sei das Ebola-Virus nachgewiesen worden, bei den anderen Opfern handele es sich um noch nicht bestätigte Verdachtsfälle, teilte die Organisation in Genf mit. Neben Liberia sind Guinea und Sierra Leone besonders betroffen. Auch in Nigeria breitet sich die Krankheit aus.

cw/ wl/det (epd, kna, afp, rte, dpa)