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Aktuell Deutschland

Welthungerhilfe: Helft Syrien!

Eigentlich kümmert sich die Welthungerhilfe langfristig um die Bekämpfung von Hunger in der Welt. Doch die Syrien-Krise hat zum Umdenken bei der NGO geführt. Die Lage dort sei eine humanitäre Katastrophe.

Zwölf Millionen Syrer brauchen Hilfe. Darunter sieben Millionen Flüchtlinge in Jordanien, im Libanon und in der Türkei. Sie sind traumatisiert. Sie wurden aus einem normalen Leben gerissen, haben Bombenangriffe erlebt. Sie haben gesehen, wie ihre Häuser zerstört wurden, sie gerieten zwischen die Fronten. Viele mussten fliehen, um ihr Leben zu schützen. Allein in der Türkei leben derzeit rund zwei Millionen Flüchtlinge, davon eine Million Kinder und Jugendliche.

Es war ein erschütterndes Bild, das die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, bei der Präsentation des Jahresberichtes ihrer NGO in Berlin zeichnete. Dieckmanns Eindrücke waren ganz frisch. Erst vor drei Wochen habe sie sich selbst ein Bild an Ort und Stelle machen können, so Dieckmann.

Als sehr positiv habe sie die Aufnahme der Menschen in der Türkei wahrgenommen. Nur 15 Prozent der Flüchtlinge müssten noch in Flüchtlingslagern in Zelten leben. Die Unterstützung der Türkei sei groß. Dennoch werde das Land - trotz seiner Wirtschaftskraft - angesichts der großen Anzahl der Flüchtlinge internationale Hilfe benötigen, betonte Dieckmann. Die Welthungerhilfe unterstützte dort im vergangenen Jahr Projekte im Umfang von 19 Millionen Euro.

Die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann (Foto: picture-alliance/dpa/S. Pilick)

Die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann

Überrascht habe sie, dass alle Flüchtlinge wieder zurück nach Syrien wollten, berichtete Dieckmann. Sie habe keinen getroffen, der nicht zurück wolle. Die Syrer seien sehr mit ihrer Heimat und ihren Familien verbunden.

Die humanitäre Krise infolge des syrischen Bürgerkrieges könnte zur Katastrophe eines ganzen Jahrzehnts werden, so Dieckmann. Dies vor allem, weil keine politische Lösung absehbar sei. Die NGOs müssten immer stärker dort einspringen, wo die Politik versage. Die Zustände in Syrien seien "mit den Trümmerbergen in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg" vergleichbar. Vor Ort könne die Welthungerhilfe nur mit syrischen Kräften zusammenarbeiten, weil die Gefährdung für andere internationale Helfer einfach zu hoch sei.

Mehr Soforthilfe nötig

Die Syrienhilfe in der Türkei, im Nordirak und im Kriegsland Syrien selbst war im vergangenen Jahr Hauptschwerpunkt der Welthungerhilfe. Hierhin flossen 30 Millionen Euro aus dem 200-Millionen-Jahresetat der NGO. Dieser Etat speiste sich aus privaten Spenden und Zuschüssen von Institutionen. Letztere machten 2014 rund 150 Millionen aus - zur Hälfte kam dieses Geld aus Deutschland, zum Beispiel vom Auswärtigen Amt oder dem Entwicklungshilfeministerium. Die andere Hälfte floss aus dem Ausland, zum Beispiel von UN- und EU-Organisationen.

Syrien-Flüchtlinge (Foto: Reuters)

Syrische Flüchtlinge

Krisennothilfe habe sich in den vergangenen Jahren immer mehr zur zweiten Säule ihrer Arbeit entwickelt, sagte der neue Generalsekretär der Welthungerhilfe Till Wahnbaeck. Im Jahr 2014 betrug der Anteil 40 Prozent, neben der langfristigen Arbeit und der klassischen Wiederaufbauhilfe. Darauf habe die Welthungerhilfe nun reagiert und einen "Krisenreaktionsstab" eingerichtet. Ziel sei es, immer zu wissen, welcher der 3000 Mitarbeiter schnell helfen und ausreisen könne. Das erste Mal habe sich die neue Strategie bei der Hilfe nach dem Erdbeben in Nepal bewährt, so Wahnbaeck. Das Erdbeben ereignete sich Freitagabend. Montagmorgen schon sei der Notfallplan aufgestellt und angeschoben gewesen.

Auch Positives zu berichten

Die Welthungerhilfe ist eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland ohne konfessionelle oder politische Ausrichtung. Sie wurde 1962 unter dem Dach der UN-Ernährungsorganisation (FAO) gegründet. Seither förderte das Hilfswerk rund 7700 Projekte weltweit.

Beim aktuellen Blick auf die Welt gebe es auch Positives zu berichten, betonte Dieckmann. So seien nahezu alle Länder Lateinamerikas aus der ganz negativen Situation herausgekommen. Auch Malaysia, Sri Lanka und Vietnam hätten riesige Entwicklungsschritte gemacht. Auf dem afrikanischen Kontinent zeige sich, dass es dort vorwärts gehe, wo es eine gute politische Entwicklung gibt. Südsudan, Simbabwe und Mali seien Länder, die eigentlich eine gute Prognose gehabt hätten, jetzt litten sie aber unter politischer Instabilität. Auch Sierra Leone und Liberia seien ursprünglich auf einem guten Weg gewesen. Als positive Beispiele nannte Dieckmann die Länder Mali, Burkina Faso, Ruanda, Malawi und Äthiopien.

Die Präsidentin lobte ausdrücklich die deutsche Regierung. Hunger und Armutsbekämpfung seien im Rahmen der Afrika-Politik wieder stärker in den Mittelpunkt gerückt. Auch beim G7-Gipfel in Elmau habe die Entwicklungshilfezusammenarbeit eine wichtige Rolle gespielt. "Das ist sehr begrüßenswert", so Dieckmann.

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