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Kultur

Weltfriedensgipfel der Religionen in Assisi

Vor 16 Jahren kamen die Weltreligionen auf Einladung des Papstes in Assisi zu einer gemeinsamen Friedensinitiative zusammen. Jetzt gab es erneut ein interreligiöses Gebetstreffen. Ein Kommentar von Carola Hoßfeld.

Dass es ein weiteres Treffen unter dem Pontifikat des Papstes aus Polen geben würde, hätte wohl niemand für möglich gehalten. Doch Johannes Paul II. ist schon immer gut gewesen für Überraschungen und lässt sich auch im hohen Alter und von Krankheit gezeichnet das Zepter nicht aus der Hand nehmen. Allen Unkenrufen zum Trotz. Immer wieder hat er in den letzten Wochen und Monaten seine Sorge um die Weltlage formuliert und seine Vision einer Welt, die auf Gerechtigkeit gründet. Wobei sich der 264. Bischof von Rom als politisch-religiöser Akteur versteht, dabei - manch politischen Führern zum Ärgernis - ideologisch nicht vereinnahmbar ist.

Der geistliche Friedensgipfel Assisi II ist unbestrittener Höhepunkt seines Einsatzes für Frieden und Versöhnung. Eine Gegenvision zu Terror und Bomben, die unter dem dramaturgieerfahrenen Pontifex erwartungsgemäß auch medial hervorragend inszeniert war. Da wäre zum einen das bunte, harmonische Bild zu nennen, das die Vertreter der Weltreligionen in Assisi abgaben. Aber mehr noch die Symbolik. Die gemeinsame Zugfahrt von Rom nach Assisi: Ein Hinweis auf das gemeinsame Unterwegssein der Religionen. Das Gebet der Vertreter von zwölf Weltreligionen und 31 christlichen Kirchen: in getrennten Räumen zwar, aber - ein Fortschritt gegenüber dem ersten Friedensgipfel 1986 - unter einem Dach. Eine Regie, die friedliche Koexistenz geradezu heraufbeschwört.

Was aber bleibt? Neben den Bildern fürs Auge, und den Absagebekundungen jeglicher Gewalt? Wurden den unzähligen Friedensappellen nur weitere hinzugefügt? Helfen Gebete, wo die Politik versagt? Sind sie ein wirksames Mittel, wo nichts mehr hilft?

Gebete, und das gilt für alle Religionen, erschließen eine andere Wirklichkeit und befähigen dadurch auch zu einem anderen Tun. In diesem Fall zum Handeln für den Frieden. Die Zusammenkunft der Weltreligionen in Assisi wird die Friedensbewegungen in den vertretenen Ländern und Glaubensrichtungen bestärken. Und so vielleicht hier und dort innenpolitisch neue Impulse setzen und im günstigsten Fall Fakten schaffen, die Regierungen nicht ignorieren können. Glaube hat immerhin schon Berge versetzt. Nur der Zweifel klettert sie hoch, um in der Regel letztlich wieder auf sein Ausgangsniveau zurückzufallen.

Und unterschätzt werden darf vielleicht auch nicht der Impuls, der von Assisi für das internationale diplomatische Parkett ausgeht.