Weltfrauentag: Frida Kahlo als Barbie-Puppe | Lebensart | DW | 09.03.2018
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Lebensart

Weltfrauentag: Frida Kahlo als Barbie-Puppe

Zum Weltfrauentag hat der Spielzeugkonzern Mattel neue Barbies mit Vorbildcharakter vorgestellt - von der Malerin Frida Kahlo bis hin zur Boxerin Nicola Adams. Eine Nachfahrin von Kahlo ist allerdings entsetzt.

Barbie puppen von Pilotin Amelia Earhart, künstlerin Frida Kahlo und Mathematikerin Katherine Johnson (picture-alliance/AP Photo/Barbie)

Flug-Pionierin Amelia Earhart, Malerin Frida Kahlo und Mathematikerin Katherina Johnson als Barbies (v. l. n. r.)

Mit einer Barbie als Botschafterin täten sich wohl die meisten Frauenrechtlerinnen schwer. Der US-amerikanische Spielzeugkonzern Mattel präsentierte jetzt allerdings zum Weltfrauentag Puppen, die sich an echten Vorbildern orientieren. Es handelt sich nicht um langbeinige, blondhaarige Schönheiten, sondern um Frauen, die sich in Kultur, Wissenschaft, Sport und weiteren Bereichen verdient gemacht haben. Mit dabei sind die mexikanische Malerin Frida Kahlo, die US-amerikanische Regisseurin von "Wonder Woman", Patty Jenkins, die französische Sterneköchin Hélène Darroze, die afroamerikanische Mathematikerin Katherine Johnson, deren Geschichte in "Hidden Figures" verfilmt wurde, und die deutsch-iranische Designerin und Unternehmerin Leyla Piedayesh.

In den Serien "Inspiring Women" und "Sheroes" (eine Anspielung auf weibliche Helden) erschien auch die Barbie-Puppe der britischen Boxerin Nicola Adams mit Irokesen-Haarschnitt und weiter Boxerkluft.

Neue Vorbilder im Kinderzimmer

Adams selbst hofft, ihr Barbie-Ich werde dazu beitragen, junge Mädchen zur Verwirklichung ihrer Träume zu inspirieren. "Ohne meine eigenen Vorbilder wäre ich heute nicht da, wo ich bin", ist sich die Britin sicher. Während ihrer Kindheit sei in den Medien keine weibliche Boxerin gezeigt worden, sonst hätte sie sich vielleicht früher für den Sport begeistert.

Die neue Boxer-Barbie orientiert sich an Adams Frisur und Kleidung, allerdings nicht an deren muskulöser Figur. An der typischen schmalen Barbie-Silhouette hielt Mattel fest. Ob die Puppe überhaupt in Produktion geht, ist derzeit noch unklar. Einige der neu erschienenen Vorbilder werden wohl Barbie-Unikate bleiben. Frühere "Sheroes"-Modelle, wie die erste kopftuchtragende(ein Abbild der US-amerikanischen Säbelfechterin Ibtihaj Muhammad) oder die erste afroamerikanische Barbie, kamen später durchaus in den Handel.

Kritik am Barbie-Frauenbild

Barbie-Puppen sind in der Vergangenheit oft dafür kritisiert worden, ein Frauenbild zu propagieren, das sich rein auf Äußerlichkeiten beschränkt. Lange Beine, schmale Taille, große Oberweite, dazu ein auffällig geschminktes Gesicht und lange Haare - für mehr Vielfalt schien es lange keinen Raum zu geben. Dennoch fehlt die Barbie in den wenigsten Kinderzimmern junger Mädchen und prägt so ganz nebenbei die Wahrnehmung der Jüngsten. 2016 brachte Mattel erstmals Barbies heraus, die vom herkömmlichen Schema abwichen: Sie hatten beispielsweise asiatische Gesichtszüge, waren schwarz oder etwas kleiner. Auch das Plus-Size-Model Ashley Graham bekam eine kurvige Barbie-Puppe nach ihrem Abbild.

Ein undatiertes Porträt von Frida Kahlo (picture-alliance/dpa/M. Guzman)

Ein undatiertes Porträt von Frida Kahlo (1907-1954)

Mattels Generaldirektorin Lisa McKnight möchte mit den neuen Heldinnen starke Frauen porträtieren, denn "was man nicht sehen kann, kann man auch nicht sein". Im Netz fand die Aktion eine größtenteils positive Resonanz. Einige User kritisierten allerdings die Veränderung der körperlichen Proportionen der Frauen und bemängelten, dass die Puppe von Frida Kahlo ohne ihre zusammengewachsenen Augenbrauen erscheint.

Nachfahrin von Frida Kahlo ist entsetzt

Die Enkelin von Frida Kahlos Schwester überlegt nun sogar, rechtliche Schritte gegen den Spielzeugkonzern in die Wege zu leiten. Die Barbie-Frida ignoriere, wofür Kahlo zu Lebzeiten gestanden hätte, sagte Mara de Anda Romeo der Presseagentur AFP. Kahlo gilt als eine der bedeutendsten Malerinnen des 20. Jahrhunderts; ihre Selbstporträts waren oft von Schmerz und Isolation gezeichnet. Sie trug gern handbestickte, opulente Trachten der Tehuana-Frauen, ebenso aber auch Männerkleidung und stellte so geschlechtsspezifische Normen auf den Prüfstand. Mattel entgegnete, man habe bei dem Entwurf der Puppe eng mit der Frida Kahlo Corporation zusammen gearbeitet. Romeo behauptet aber, das genannte Unternehmen habe nie das Recht besessen, Abbilder der Künstlerin zu verbreiten.

Patty Jenkins, Hélène Darroze und weitere "Sheroes" fühlen sich durch ihre neuen Barbie-Abbilder hingegen geschmeichelt.

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