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Flucht und Vertreibung

Weltflüchtlingstag: Diesmal würdigen die UN vor allem die Helfer

Geht es um die Flüchtlingsproblematik, stehen meist die Geflohenen selbst oder die Aufnahmeländer im Zentrum des Interesses - im Gegensatz zu den Helfern vor Ort. Doch an diesem Weltflüchtlingstag ist es einmal anders.

Eine Helferin mit Flüchtlingen in einer Messehalle in Erfurt (Foto: picture-alliance/dpa/M. Schutt)

Eine Helferin mit Flüchtlingen in einer Messehalle in Erfurt (Archivbild)

Millionen Menschen weltweit helfen Flüchtlingen, die vor Krieg und Gewalt geflohen sind - zum Weltflüchtlingstag haben die Vereinten Nationen diesen Einsatz besonders gewürdigt. Der Chef des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR), Filippo Grandi, lobte Dörfer, Städte und Gemeinden, die Flüchtlingen ein sicheres Zuhause bieten, ihre Schulen, Arbeitsstätten und Gemeinschaftseinrichtungen öffnen.

"Angst und Ausschluss machen die Lage nicht besser" 

"Wir leben in einer Welt mit viel Ungewissheit, in wirtschaftlich labilen Zeiten, mit politischen Umbrüchen und Gewalt - manchmal möchten wir die Augen und unsere Türen davor schließen", sagte Grandi. "Aber Angst und Ausschluss machen die Lage nicht besser für uns, das bringt nur Hürden, Entfremdung und Verzweiflung."

Sudanesische Flüchtlinge im äthiopischen Lager Gambella, das UNHCR-Chef Grandi am heutigen Weltflüchtlingstag besuchte (Foto: Reuters/D. Lewis)

Sudanesische Flüchtlinge im äthiopischen Lager Gambella, das UNHCR-Chef Grandi am heutigen Flüchtlingstag besuchte

In aller Welt erinnerten Flüchtlinge und Gastgeber mit Festen, gemeinsamen Koch- oder Sportveranstaltungen und anderen Initiativen an den Weltflüchtlingstag. Grandi besuchte ein Flüchtlingslager und eine Schule in Gambella in Äthiopien. Das Land ist selbst bitterarm und beherbergt trotzdem mehr Flüchtlinge als Deutschland - 790.000 nach UNHCR-Angaben. Die meisten stammen aus dem Bürgerkriegsland Südsudan.

UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi (Foto: picture-alliance/dpa/R. Jensen)

UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi

Mehr als 65 Millionen auf der Flucht

Weltweit waren im vergangenen Jahr mehr als 65 Millionen Menschen auf der Flucht, so viele wie nie zuvor. Allein in Syrien mussten zwei Drittel der Einwohner aus ihrer Heimat fliehen. Dort kämpfen seit mehr als sechs Jahren Regierungstruppen, Rebellen sowie die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) um die Vorherrschaft. Die meisten Flüchtlinge stammen aus Syrien, Afghanistan und Südsudan. Die meisten Geflüchteten - 84 Prozent - sind in Nachbarländern der Krisenregionen untergekommen. Nach diesen Staaten folgt Deutschland als Aufnahmeland auf Platz acht - mit 669.500 Flüchtlingen laut UNHCR-Angaben.

"Deutschland braucht ein Einwanderungsgesetz", sagte Justizminister Heiko Maas zum Weltflüchtlingstag. "Wir sind längst ein Einwanderungsland, also sollten wir die Einwanderung gebündelt regeln. Ohne Menschen aus anderen Ländern wird Deutschland nicht so stark bleiben, wie es ist." Gerade minderjährige Flüchtlinge in Deutschland hätten jedoch Bedarf an klaren Anlaufstellen für ihre verschiedenen Probleme, ergänzte die Kinderhilfsorganisation Plan. Ebenso wünschten sie sich mehr Frauen als Ansprechpartnerinnen, etwa Dolmetscherinnen. Mehrere junge Flüchtlinge aus Hamburg überreichten im Familienministerium Empfehlungen für Mindeststandards zum Schutz in Flüchtlingsunterkünften.

Feierstunde im Deutschen Historischen Museum in Berlin

Die Bundesregierung gedachte mit einer Feierstunde im Deutschen Historischen Museum in Berlin der Opfer von Flucht und Vertreibung. Innenminister Thomas de Maizière bekräftigte dabei die Notwendigkeit eines "fortdauernden und mahnende Gedenkens an Krieg und Vertreibung". Der beste Weg sei hierbei der Austausch mit Zeitzeugen, so de Maizière. Mit Blick auf die Vertriebenen erinnerte der CDU-Politiker daran, dass es trotz der gemeinsamen deutschen Herkunft oftmals an Solidarität in Deutschland gemangelt habe. Auch die Flüchtlinge, die heute kämen, erführen nicht nur Hilfe und Unterstützung, sondern würden von Teilen der Bevölkerung allein ob ihres Fremdseins, Aussehens oder ihrer Religion abgelehnt.

Rumäniens Präsident Klaus Johannis (li.) als Gast der Feierstunde in Berlin. Nebe ihm Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (picture-alliance/dpa/W. Kumm)

Rumäniens Präsident Johannis (li.) als Gast der Feierstunde in Berlin. Neben ihm Bundesinnenminister de Maiziere

Auch der rumänische Staatspräsident Klaus Johannis schlug als Gastredner in Berlin den Bogen von den vertriebenen Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg zu den Opfern heutiger Verfolgung. "Wir wünschen uns, dass sich die Geschichte nicht wiederholt", sagte er. Die Realität sei aber eine andere. Die derzeitige Migration stelle die internationale Gemeinschaft vor große Herausforderungen, die nur gemeistert werden könnten, "wenn wir zeigen, dass wir aus der Geschichte gelernt haben", sagte er.

"Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit"

Er bedauere, dass die Diskussion um Flüchtlinge oftmals in eine Richtung gehe, die zu Diskriminierung und Intoleranz anstifte, sagte Johannis, der der deutschen Minderheit der Siebenbürger Sachsen angehört. Aufgabe der Europäer sei es, Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit hochzuhalten. "Als Europäer dürfen wir nicht vergessen, dass das, was uns in Europa zusammengebracht hat, die Werte sind, die einige heute in Frage stellen", ergänzte er und verwies auf Vielfalt, Toleranz und Inklusion. 

Das UNHCR befürchtet unterdessen neue Tote im Mittelmeer. In der Nacht seien Schiffsteile gefunden worden, teilte eine Sprecherin in Genf mit. Weiter berichtete sie von einem Schlauchboot, das Libyen am 15. Juni mit ursprünglich 133 Personen verlassen habe. An Bord hätten Helfer jedoch nur vier Überlebende gefunden.

sti/ww (dpa, epd, kna)