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Filme

Welt-AIDS-Tag: 10 bemerkenswerte Filme zum Thema

1981 wurde AIDS offiziell als Krankheit definiert. Ein Jahrzehnt später setzte eine Welle von AIDS-Filmen ein. Wir stellen den neuen französischen Film "120 BPM" vor - sowie neun weitere AIDS-Filme aus früheren Jahren.

Frankreich Mitte der 1980er Jahre: Das Land wird von einem Blutkonserven-Skandal erschüttert. Es gibt viele Tote. Das Thema AIDS ist nach einer frühen Phase der gesellschaftlichen Verdrängung nicht mehr zu übersehen. Der französische Film "120 BPM", der in jene Jahre zurückblickt, wurde im Mai beim Filmfestival von Cannes als einer der besten Beiträge gefeiert. Am Ende bekam "120 BPM" den "Großen Preis der Jury". Kurz vor dem Welt-AIDS-Tag an diesem 1. Dezember kommt er auch in die deutschen Kinos.

In Frankreich haben sich viele Filmregisseure mit dem Thema AIDS beschäftigt

Zwischen 1983 und 1995 starben in Frankreich rund 30.000 Menschen an AIDS. Über diese Zeit, als sich in unserem Nachbarland die Menschen immer mehr mit den Folgen der Immunschwäche, ausgelöst durch HIV, auseinandersetzen mussten, hat André Téchiné bereits vor zehn Jahren einen Film gedreht. "Wir waren Zeugen" feierte im Februar 2007 Weltpremiere bei den Berliner Filmfestspielen. "Wir waren Zeugen" war prominent besetzt, u.a. mit Michel Blanc und Emmanuelle Béart. In seiner Heimat bekam der Film die angesehene Auszeichnung "Prix Louis-Delluc".

Filmstill 120 BPM mit AIDS-Aktivist in tanzender Pose (picture-alliance/dpa/Edition Salzgeber)

Phantasievoller Protest gegen gesellschaftliche Ignoranz: "120 BPM"

Doch "Wir waren Zeugen" kam trotz guter Besprechungen in Deutschland nie in die Kinos. Zehn Jahre später nun hat sich Téchinés Landsmann Robin Campillo noch einmal mit jener Zeit und der sich ausbreitenden AIDS-Epidemie in Frankreich auseinandergesetzt - mit einem ganz anderen Regie-Konzept. Der Regisseur setzt nicht auf Stars und die etwas verklärend-melancholische Stimmung und Szenen an schönen südfranzösischen Schauplätzen, wie es damals Téchiné getan hat.

"120 BPM" geht unter die Haut

Mit weitgehend unbekannten Darstellern hat Campillo einen beeindruckenden und sehr emotionalen Film inszeniert: "120 BPM" geht unter die Haut, davon dürfen sich jetzt auch die deutschen Kinozuschauer einen Eindruck machen. Im Original heißt Campillos Film "120 battements par Minute" (120 Schläge pro Minute) - was sowohl für den schnellen Rhythmus des Films als auch für das Lebensgefühl der jungen Menschen steht.

Filmstill 120 beats per minute von Robin Campillo mit junger Darstellerin (Celine Nieszawer)

Was machen gegen die Lähmung in der Gesellschaft? "120 BPM" stellt Fragen

Bei den Filmfestspielen in Cannes zeigte sich die Jury des Festivals tief beeindruckt und verlieh dem Beitrag, der zuvor auch als Mitfavorit für die Goldene Palme gehandelt worden war, den "Großen Preis der Jury". Für den 1962 in Marokko geborenen Regisseur, einen erfahrenen Schnittmeister und Drehbuchautor, bedeutete "120 BPM" auch die Verarbeitung eines ganz persönlichen Lebensabschnitts. In einem Interview mit der Deutschen Presse Agentur (dpa) verriet Campillo: "Ich hatte Angst den Film zu drehen, denn ich wollte mit meiner Geschichte den Überlebenden dieses Dramas gerecht werden."

Blick auf eine ignorante Gesellschaft

Insbesondere ging es dem Regisseur dabei um die Mitglieder der sogenannten "Act Up"-Bewegung, ein Ende der 1980er Jahre zunächst in den USA gegründeter Interessenverband, der das Thema AIDS in die breite Öffentlichkeit tragen wollte. Auch in Frankreich engagierten sich in diesen Jahren viele Betroffene, HIV-Infizierte und Homosexuelle für eine größere Aufmerksamkeit in der Gesellschaft und gründeten einen französischen Ableger von "Act Up". Lange hatten Politiker, Wirtschaftsvertreter und weite Teile der Gesellschaft die immensen Auswirkungen von AIDS herunterzuspielen versucht. Das wollten viele Betroffene nicht mehr akzeptieren.

Filmstill 120 BPM mit zwei jungen Darstellern im Gespräch (picture-alliance/Everett Collection/Memento Films)

"120 BPM" ist auch ein Film über Freundschaften und Liebe

Campillo erzählt in seinem Film von den Anfängen der "Act Up"-Bewegung in Frankreich, von ersten Zusammenkünften, Richtungskämpfen und Diskussionen der Teilnehmer und deren zum Teil anarchistischen und militanten Kampf gegen eine teilnahmslose Politik und moralisch verwerfliche Machenschaften der Pharmaindustrie. Besonders der Skandal um verunreinigte Blutkonserven erschütterte Mitte der 1980er Jahre das Land. 

Campillo: "Ich wollte gegen meine Angst vor der Krankheit kämpfen."

Im zweiten Teil seines Filmdramas rückt der Regisseur dann die Liebe zweier Mitglieder der "Act Up"-Bewegung in den Mittelpunkt. Wichtig sei ihm aber vor allem die mangelnde Aufklärung damals gewesen: "Ich war selbst Mitglied der AIDS-Aktivistengruppe 'Act Up'", sagt Campillo in dem dpa-Interview: "Ich bin 1992/1993 eingetreten, weil ich gegen meine Angst vor der Krankheit kämpfen wollte, weil ich die Öffentlichkeit aufklären wollte. Die Gesellschaft wurde in den '90er-Jahren völlig im Ungewissen gelassen." "120 BPM" ist nun Robin Campillos Reaktion und Verarbeitung auf die Ereignisse von damals.

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