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Amerika

Wells Fargo Bank zieht Kalifornien in die Krise

Lange übernahmen große Banken faule Hypothekenkredite, bündelten und verkauften sie auf dem internationalen Finanzmarkt. Das Konstrukt versagte 2008 und stürzte die Welt in die schlimmste Finanzkrise seit Jahrzehnten.

Man sollte meinen, Banken würden Menschen helfen, ihre Eigenheime abzubezahlen, die sie sich wegen der Rezession eigentlich nicht mehr leisten können. Laut der neuesten Studie einer Gruppe kalifornischer Grundbesitzervereine liegt man mit dieser Annahme allerdings eher falsch.

Die Zwangsversteigerungs-Taktik der Wells Fargo Bank, dem größten Kreditgeber der USA, könnte die kalifornische Wirtschaft bis zu 3,3 Milliarden US-Dollar an verlorenen Einnahmen kosten, so der Bericht - der erste, der die wirtschaftlichen Auswirkungen der Zwangsversteigerungspolitik auf verzweifelte Hausbesitzer, Nachbarn und Investoren untersucht.

Seit 2008 stehe Wells Fargo an der Spitze mehrerer Banken, die etwa 1,7 Millionen Eigenheime in Kalifornien zwangsversteigert haben, während geschätzte 65.000 kalifornische Hausbesitzer noch in der Warteschleife ausharren, so der Bericht "Kalifornien in der Krise: Wie Wells Fargos Zwangsversteigerungsschleuse Gemeinden zerstört ."

Fragwürdige Praktiken

"Bei Wells Fargo, einem der größten Treuhänder in Kalifornien, stehen 11.616 Menschen vor einer Zwangsversteigerung", erklärt Grace Martinez, Organisatorin der "Allianz von Kaliforniern für Mitbestimmung in der Gemeinschaft" und Ko-Autorin der Studie.

Sollte die Großbank tatsächlich so viele Zwangsversteigerungen durchführen, so Martinez, hätte das wirtschaftliche Folgen für den gesamten Staat. Jedes Eigenheim verliere etwa 22 Prozent an Wert, ein Verlust von insgesamt mehr als 1 Milliarde US-Dollar. Auch Häuser in der unmittelbaren Nachbarschaft verlieren an Wert, was einem zusätzlichen Schaden von etwa 2,2 Milliarden US-Dollar gleichkäme.

Von Oakland und L.A bis San Diego und Sacramento seien Mitglieder der Allianz von Wells Fargos Methoden betroffen, die keine spürbare Kreditermäßigung für die Kunden vorsehen, meint Martinez.

Schilder weisen auf ein zum Verkauf stehendes Haus hin. (ddp images/AP Photo/Al Behrman) ---Signs indicating a home for sale by owner at a reduced price are seen, Tuesday, July 31, 2007, in Cincinnati. With the housing and mortgage industries plunging deeper into distress, investors around the world are losing their stomach for risk. This means it will cost more to borrow, which could harm the stock market, home prices, and the broader economy. (ddp images/AP Photo/Al Behrman)

Die Wells Fargo Bank hat durch ihre Praktiken viele in den Ruin gestürzt

Teil der Kreditsumme erlassen

Laut Bericht ist die Bank auch bezüglich Kreditkürzungen für Hypthekennehmer deutlich weniger großzügig als das bei anderen US-Großbanken der Fall ist. Wells Fargo erlässt im Schnitt etwa 74.000 Dollar der Kreditsumme, während Bank of America durchschnittlich fast 200.000 Dollar erlässt. Wells Fargo bestreitet die Ergebnisse der Studie und gibt an, "seit 2009 eine aggressive Kreditkürzungs-Politik" zu betreiben. In einer Stellungnahme erklärt Wells Fargo, die mehr als sechs Milliarden US-Dollar, die die Bank während der Hypothekenkrise erlassen habe, seien kalifornischen Hypothekennehmern zugute gekommen. "Unsere Säumnis- und Zwangsversteigerungsrate liegt vier Prozent unterhalb des bundesweiten Durchschnitts."

Peter Fairfield und seine Frau haben eine gänzlich andere Erfahrung gemacht. Vor vier Jahren nahm das Ehepaar einen Kredit auf sein Eigenheim in San Francisco auf, um ihr schwächelndes Fotostudio zu stützen. Nun stehen sie vor der Zwangsversteigerung des Hauses, in dem sie seit 34 Jahren leben.

Drohende Zwangsvollstreckung

"Wells Fargo hat mir einen Kredit verkauft, den ich mir nicht leisten konnte", erklärt Fairfield. "Sie haben eine Refinanzierung versprochen, damit wir die Zahlungen leisten konnten. Das ist nie geschehen."

Seine Familie, so Fairfield, sei Opfer rücksichtsloser Kreditvergabe geworden. Als die Miete für das Fotostudio über Nacht um 5000 Dollar stieg, habe man sich mit der Bitte um Hilfe an Wells Fargo gewandt. Dort habe man sie hingehalten. "Falsche Versprechungen und verlorene Dokumente, monatelang drohte die Zwangsversteigerung. Ich wusste nicht, woran ich war und erhielt keine Rückrufe", erinnert sich Fairfield. Er lasse sich aber nicht unterkriegen, fügt er hinzu, er und seine Frau würden kämpfen.

Ähnlich erging es Manuela Alvarez aus San Francisco. Sie nahm vor wenigen Jahren einen Kredit für eine Hausrenovierung bei Wells Fargo auf. Nach der geplatzten Immobilienblase stiegen ihre Kreditzahlungen sprunghaft an. Ihr Einkommen als Friseuse in einem Salon und in Seniorenheimen reichte nicht mehr aus, also vermietete sie einen Teil ihres Hauses. Damit, und mit dem Verdienst ihres Mannes, stieg das Haushaltseinkommen auf 6000 Dollar im Monat. Die Bank blieb unbeeindruckt und forderte, Alvarez müsse 11.000 Dollar im Monat verdienen.

Häuser an einem Park Copyright: Max Pringle, DW Mitarbeiter, California, March 2013 via Robert Mudge DW/Hintergrund Englisch

Viele Nachbarschaften von Oakland und L.A bis Sacramento sind betroffen

Ethnizität zählt

Der kalifornische Bericht empfiehlt Wells Fargo, Kreditkürzungen bei der Konditionsanpassung eines Kredites an erste Stelle zu setzen: Außerdem solle die Bank sowohl Details über die Ethnizität auch Einkommensverhältnisse von Kreditnehmern, die eine Zwangsversteigerung fürchten müssen, bekannt geben und letztere aussetzen, bis alle Informationen publik gemacht sind.

In dem Bericht werden Wells Fargo auch diskriminierende Kreditvergabepraktiken angelastet. Zitiert wird eine Studie des US Justizministeriums von 2011: Hypothekenmakler von Wells Fargo hätten zwischen 2007 und 2009 mit einer 188-Prozent höheren Wahrscheinlichkeit afroamerikanische Kreditnehmer in Richtung teurerer Subprime-Kredite gedrängt als weiße; bei lateinamerikanischen Kreditnehmern war die Wahrscheinlichkeit der Subprime-Kredite um 117 Prozent höher. In dem Zeitraum stiegen Hypotheken weißer Kreditnehmer um 34 Prozent an, so das Justizministerium, während Kredite für Schwarze auf 44 Prozent und für lateinamerikanische Kreditnehmer auf 38 Prozent sanken.

Wells Fargo weist die Vorwürfe in einer Stellungnahme von sich: "Wells Fargo führt alle Kredit- und Dienstleistungsaktivitäten fair und verantwortungsvoll durch, ohne Ansehen der Rasse oder Ethnizität. Der Bericht beruht auf falschen Annahmen und verbindet Erkenntnisse aus verschiedenen, nicht verwandten Studien."

Beobachter jedoch meinen, die Kreditvergabepraktiken von Wells Fargo und anderen Banken führen dazu, dass Minderheiten sich aus Kalifornien zurückziehen. "Sie drängen die Menschen weg und dabei steigen die Kosten", meint Martinez. "Mit ihren Praktiken schreiben sie Menschen vor, wo sie leben."

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