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Kultur

Wellness in Gottes Namen: das Kloster-Gästehaus Arenberg

Als vor sieben Jahren der Konkurs drohte, sah es so aus, als müsste Kloster Arenberg schließen. Mit vielen Stoßgebeten machten die Nonnen daraus ein hochmodernes Gesundheits-Hotel. Der Mut wurde belohnt.

Eine Ordensschwester erklärt im Dominikanerinnenkloster Arenberg bei Koblenz einer Besucherin die Gewächse des Kräutergartens. 67 Schwestern im Alter von 36 bis 96 Jahren führen in dem Kloster ein geistliches Leben. Daneben leiten sie ein modernes Gästehaus mit einer Fitness- und Wellness-Abteilung sowie Gastronomie (Foto: dpa)

Eine Schwester erklärt einer Besucherin die Gewächse des Kräutergartens

Schiebetüren aus Glas, die sich leise öffnen, kleine Alu-Wägelchen fürs Gepäck im Vorraum, unhektische Geschäftigkeit an der Rezeption. Gepflegte, helle Gastlichkeit schlägt einem entgegen. Neben der Rezeptionstheke hängen an einer großen Tafel die Kursangebote aus: weltliche genauso wie geistlich-religiöse. Im Kloster Arenberg wird für körperliche Erholung ebenso gesorgt wie für seelische: von der Aromatherapie bis zum Abendgebet.

Idyllisch liegt das Kloster Arenberg oberhalb von Koblenz und der Festung Ehrenbreitstein. Das weitläufige Klostergelände hat einen gepflegten Park, in dem man sich in einem Labyrinth die Unruhe vom Leib laufen kann. Die großzügigen Gartenanlagen, die nahtlos in die Streuobstwiesen übergehen, all das trägt zum Erholungswert des Klosteraufenthaltes bei.

Weltliche Nachhilfekurse

Kloster Arenberg (Foto: katholisch.de)

Tradition und Moderne: Kloster Arenberg

Für die Dominikanerinnen war es ein großer Schritt, die strenge klösterliche Ordnung aufzubrechen, erzählt Schwester Beatrix. Zwei Jahre lang stürzten sich die engagierten Nonnen mit Enthusiasmus in weltliche Nachhilfekurse - von der professionellen Heilkräuter-Gärtnerei bis zu Buchführung und Hotelmanagement. Einen wahrhaft großen Sprung in die Erfordernisse des 21. Jahrhunderts haben die Nonnen hier gewagt: In monatelangen Diskussionen wurden die altbewährten Kneippschen Heilmethoden mit dem zeitgemäßen Wellness-Gedanken verbunden - ohne dass der religiöse Auftrag des Dominikanerinnen-Ordens verloren gehen sollte. "Wir haben uns schon schwer getan mit dem Begriff Wellness. Uns kommt es ja nicht auf die äußere Schönheit an", sagt Schwester Beatrix. "Es ist für uns einfach mehr. Der Mensch soll sich erstmal erholen, aber er soll auch an Leib und Seele heil werden." Die Gäste stehen seit fünf Jahren im Mittelpunkt des klösterlichen Lebens. "Wer nur Erholung sucht, der soll auch hier nur seine Erholung haben. Weniger ist oft mehr. Auch Gäste, die sich nur erholen möchten, kommen dann doch und erfahren mehr."

Alles wird hier im Kloster Arenberg nach einem modernen Konzept praktiziert: Management und Mitarbeiterführung inklusive. Das unterscheide das Haus der Dominikanerinnen grundlegend von anderen Klöstern, erklärt Bernhard Grunau, einer der drei Geschäftsführer: "Schwester Beatrix und ich wachen gemeinsam über die konzeptionelle Ausrichtung. Wir sitzen viel zusammen und diskutieren über viele Details. Wir haben nicht nur die wirtschaftliche Geschäftsführung, sondern konzentrieren uns auch auf die inhaltliche und konzeptionelle Seite. Damit haben wir genug zu tun."

Schweigen, um zu sehen

Eine Besonderheit im klösterlichen Hotelbetrieb ist der Stilleraum fürs Frühstück. Hier können die Gäste eine ungewohnte Erfahrung - auch mit sich selber machen. Eine Idee, die schon früh entstanden war und ihre Zeit brauchte. "Es war ein ungewöhnlicher Prozess, bis wir den Mut hatten, einen Schweige- und Essensraum anzubieten", erzählt Schwester Beatrix. Mittlerweile wird darüber nachgedacht, den größeren Raum zu nehmen, weil die Nachfrage so groß ist. "Die Menschen wollen Begegnung. Sie wollen manchmal aber nicht die Begegnung im Gespräch. Der Mensch, der ihnen gegenüber sitzt, wird ihnen wieder bewusster, wenn sie ihn nur ansehen, durch eine liebe Geste, oder indem sie ihm vielleicht etwas anreichen", sagt Schwester Beatrix. "Im Schweigen kann man den anderen wieder neu entdecken. Es gab schon Ehepaare, die uns gesagt haben: Mein Gott, ich habe meinem Mann wieder in die Augen gesehen. Wir haben uns neu gefunden. Es war ein Erlebnis in Stille."

Inzwischen haben die Mitarbeiter im Kloster, zu denen sich nach dem neuen Konzept auch die Ordensschwestern zählen, viel Erfahrung mit ihren Hotel-Gästen gesammelt. Vor allem die Terminhektiker möchten oft als erstes ein Riesenprogramm im Fitness-Bereich zusammenstellen - um auch im Urlaub etwas geleistet zu haben. Für manche ist die Stille, die Zeit für sich, Zeit zur Selbstbesinnung. Zeit, einfach nur zu sein und nichts leisten zu müssen, sei die größte Herausforderung, sagt Schwester Beatrix. "Da muss sich jeder Gast, der kommt, selber kennen. Man muss auch Stille aushalten können. Es gibt Gäste, die sagen: also diese Stille, ich schaff es nicht! Wenn ein Mensch darüber sprechen kann, dann ist schon viel Heil geschehen."

Nonnen im Fitnessraum

Wagemutig und fortschrittlich waren die Arenberger Ordensschwestern schon immer. Bereits vor 100 Jahren gründeten sie eine GmbH, eine Kranken- und Pflegeanstalt, mit der sie ihr Kloster finanzieren konnten. Heute verstehen sie ihr klösterliches Angebot als Gegenpol zu einer Welt, in der Effektivitätsberechnungen und Kostensparmodelle menschliche Bedürfnisse zum Störfaktor erklären.

Das mutige Konzept ist aufgegangen. Die Seelsorge kommt in vielen Klosterbereichen über ganz weltliche Genüsse. Beides wird gern angenommen. Inzwischen ist das Kloster Arenberg fast immer ausgebucht. Allerdings kam mit dem geschäftigen Hotelbetrieb für die Ordenschwestern auch Wandel ins Klosterleben, wie Schwester Beatrix mit einem Lächeln erzählt. Auch die Nonnen gönnen sich hier im hauseigenen Vitalzentrum regelmäßig eine kleine sportliche Auszeit vom Klosteralltag. Auch darin unterscheidet sich Arenberg von anderen Klöstern, die sich weltlichen Annehmlichkeiten nicht so geöffnet haben. Auch die Schwestern treibt es in den Fitnessraum auf das Fahrrad oder das Laufband. "Aber sie sind ja nicht mehr so zu erkennen, wenn sie in Zivil kommen", sagt Beatrix.