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Europa

Wellenschlangen zur Stromproduktion

Aus den Wellen der Ozeane Energie gewinnen - das ist keine Phantasie mehr: Vor der Küste Portugals sollen Generatoren Strom für 1500 Haushalte produzieren - wenn sie denn funktionieren.

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Kraft der Natur: Generatoren gewinnen aus Wellen Strom

Was sich eigentlich einige Kilometer draußen auf dem Meer schlängeln und Strom produzieren sollte, liegt abgesperrt und hinter Zäunen versteckt im Hafen von Porto: An den drei roten, jeweils 150 Meter langen Metallschlangen - den Pelamis, zu deutsch Seeschlangen - sind technische Probleme aufgetreten, die beseitigt werden müssen.

Und trotzdem gibt sich Rui Barros von der portugiesischen Betreiberfirma "Companhia Energia Oceánica" zufrieden: "Wir reparieren gerade die Verbindungsstücke der Elemente, an denen Probleme aufgetreten sind. Sobald wir damit fertig sind, können wir die Anlagen wieder aufs Meer hinausbringen. Insgesamt hatten wir nur zwei größere Probleme, das ist bei einem Projekt dieser Größenordnung sehr gut."

Noch nicht wirtschaftlich

Pelamis

Rote Schlangen: finanziell noch nicht rentabel

Pelamis sei zwar eine tolle Idee, meint Frank Neumann, stellvertretender Direktor des portugiesischen Zentrums für Wellenenergie. Doch beim letzten Schritt, der wirtschaftlichen Nutzung der Wellenschlangen, hapere es eben doch noch. Die schottischen Entwickler seien zu voreilig gewesen: "Sie haben das Projekt in Portugal als kommerziell reif verkauft, aber das war es nicht. Und das wusste auch jeder."

Wirtschaftlich, also zuverlässig, billig und sicher, sei Wellenenergie frühestens in drei bis fünf, spätestens in zehn bis 15 Jahren, darüber waren sich denn auch die Teilnehmer des alljährlichen internationalen Wellen-Kongresses in Lissabon einig. Im Elektrizitätsmuseum der portugiesischen Hauptstadt, einem umgebauten, alten Kohlekraftwerk, diskutierten Fachleute zwischen alten Dampfturbinen neue Technologien und Konzepte.

Wellenenergie wird zum Wettkampf?

Hier wurde viel von skalengetreuen Modellen und Vor-Produktions-Prototypen gesprochen. Aber auch über fast serienreife Turbinen, die 25 Jahre lang zuverlässig funktionieren sollen. Und über Versuchs-Wellenparks, die überall in Europa an die Stromnetze angeschlossen werden sollen.

So schnell wie möglich solle das geschehen, denn die wirtschaftliche Nutzung der Wellenenergie sei ein echter Wettlauf, garantiert António Sarmento, der Leiter des portugiesischen Wellenforschungszentrums: "Das Gute an diesem Wettlauf ist ja, dass nicht nur der Sieger gewinnt. Alle, die daran teilnehmen, gewinnen. Es werden noch viele Konkurrenten dazukommen. Und wer später einsteigt, wird größere Schwierigkeiten haben."

In den Kinderschuhen

Pelamis Wave Power

Wellenbrecher "Pelamis": Weiterentwicklung nur eine Frage der Zeit

Im Fall Portugals gibt es einiges zu gewinnen: Bis zu 20 Prozent der Energieproduktion des Landes dürfte in zwei Jahrzehnten durch Wellenkraftwerke abgedeckt werden, schätzt der Wissenschaftler Sarmento - ein durchaus lukrativer Markt. Den zu erschließen, will sein Zentrum helfen: "Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Entwicklung der Wellenenergie zu fördern. Wir wollen die technischen Herausforderungen ausloten, bestehende Barrieren überwinden. Darauf konzentriert sich unsere Arbeit."

Dass das trotz viel versprechender Erfolge nicht ohne Probleme abgehen könne, sei normal. Es werde noch viele Fehlschläge geben, darin stimmten Wissenschaftler und Unternehmensvertreter beim Lissabonner Kongress überein. Wellenforscher Frank Neumann: "Wir sind eher noch am Anfang vom Weg. Wenn man dieses Gewerbe mit der Flugzeugindustrie vergleicht, dann sind wir jetzt bei den Brüdern Wright. Und wir sind in der Phase, in der die Flugzeuge nach 50 Metern noch vom Himmel fallen."

Die Pelamis-Kraftwerksschlangen, die derweil im Hafen von Porto repariert werden, könnten, versichert Rui Barros vom Betreiberunternehmen "Companhia Energia Oceánica", noch diesen Sommer wieder funktionieren. Und hinter vorgehaltener Hand munkelten die Lissabonner Kongressteilnehmer, die schottische Herstellerfirma arbeite bereits an einer zweiten, viel zuverlässigeren Pelamis-Generation.


Autor: Jochen Faget
Redaktion: Mareike Röwekamp

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