Wellen der Wall Street in Asien | Wirtschaft | DW | 09.02.2018
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Aktienmärkte

Wellen der Wall Street in Asien

Zum Ende der Woche wie zum Anfang: Börsen weltweit schwächeln, nachdem die Wall Street erneut abgesackt war. Die Börsen Asiens folgten ins Minus, in Europa indes bleiben die Anleger am Freitag überraschend gelassen.

Nach den erneuten heftigen Kursverlusten in New York verlor der japanische Index Nikkei 225 zuletzt 2,3 Prozent auf 21.382 Punkte. Zwischenzeitlich war das Minus noch deutlicher. Auf Wochensicht beträgt das Minus knapp neun Prozent.

In China brachten die Schockwellen den Börsen den schlechtesten Tag seit zwei Jahren. Der Shanghai Composite Index brach am Freitag um gut vier Prozent ein. Deutlich fielen auch die Verluste in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong aus, wo der Leitindex Hang Seng zum Handelsschluss um 3,1 Prozent absackte.

Der New Yorker Leitindex Dow Jones Industrial war mit einem Minus von mehr als 1000 Punkten auf 23.858 Zähler aus dem Handel gegangen - knapp über seinem zuvor erreichten Tagestief. Das entspricht einem Abschlag von 4,2 Prozent.

Verhaltener in Europa

In Europa blieben die Verluste am Freitag deutlich moderater. Der Dax in Frankfurt notierte gegen Mittag mit 12.225  Punkten 0,28 Prozent niedriger als zum Handelsschluss am Vortag.  Der EuroStoxx 50 bewegte sich mit knapp einem halben Prozent im Minus. Ähnlich die Verluste für den CAC in Paris mit 0,4 Prozent und in London mit 0,5 Prozent für den FTSE.

Die Marktreaktion in den europäischen Handelssälen falle am Freitag deshalb so verhalten aus, weil Anleger offenbar realisierten, dass die Zinsen im Euro-Raum noch lange Zeit niedrig bleiben dürften, sagte ein Händler. Das sehen auch die Analysten der DekaBank so: "Aufgrund der im Euro-Raum nur langsam zunehmenden Inflation gehen wir weiter davon aus, dass der geldpolitische Ausstieg der EZB lang über die Zeitachse gestreckt sein wird", erklärten sie in einem Marktkommentar.

Als wichtigster Grund für die Kursrückgänge gilt die Sorge vor steigenden Zinsen in den USA. Steigende Zinsen begünstigen Anleihen im Vergleich zu Aktien und gelten daher als Gift für die Börse. Hinzu kommt: Ein Großteil der Finanzmärkte wird inzwischen durch Computerprogramme gesteuert. Werden bestimmte Kursmarken nach unten durchbrochen, werden automatisch und blitzschnell weitere Papiere auf den Markt geworfen. Das verstärkt den Kurssturz.

Japan Tokyo - Börsenkurs in Tokyo (Getty Images/AFP/T. Kitamura)

"Die Unsicherheit dürfte zunächst anhalten" - Börsenkurse in Tokio

Gezeitenwechsel?

"Auf dem Börsenparkett bleibt die Frage weiter unbeantwortet, ob es sich bei der aktuellen Entwicklung um die überfällige Korrektur handelt oder dies der Beginn eines nachhaltigen Abwärtstrends ist", sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. "Solange die US-Börsen sich nicht fangen, wird sich die Lage am Markt kaum ändern", vermutete Hikaru Sato, Analyst bei Daiwa Securities in Tokio. "Die Unsicherheit dürfte zunächst anhalten; der Markt wird einen Monat brauchen, um sich wieder zu stablisieren."

Jens Korte, DW-Börsenreporter an der Wall Street in New York, wies darauf hin, dass zwar die US-Wirtschaft rund laufe. Das Wachstum werde aber zu einem nicht unerheblichen Teil über Schulden finanziert, und die Schulden der Haushalte haben mit 13 Billionen Dollar einen Rekord erreicht, die Gesamtverschuldung liegt bei über 20 Billionen Dollar: "Wenn jetzt Zinsen und Renditen steigen, dann werden auch neue Schulden teurer", so Korte. "Und wir könnten einen Gezeitenwechsel an den Märkten erleben." 

ar/hg (dpa, rtr, afp)

 

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