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Kunst

Welfenschatz: Stiftung geht in Berufung

Ende März ließ ein US-Gericht die Klage von Nachfahren jüdischer Kunsthändler zu, die die Rückgabe des mittelalterlichen Goldschatzes fordern. Dagegen hat die Stiftung Preußischer Kulturbesitz jetzt Berufung eingelegt.

Der Fall gehöre nach Überzeugung der Stiftung nicht vor ein amerikanisches Gericht, bestätigte Stiftungspräsident Hermann Parzinger am Freitag in Berlin seine Haltung. Ein US-Bundesbezirksgerichts in Washington D.C. hatte die Klage Ende März 2017 teilweise zugelassen. Seit Jahren kämpfen die Nachfahren jüdischer Kunsthändler um die Herausgabe des Welfenschatzes. 

Man sei der Ansicht, so Parzinger, dass der Verkauf des Schatzes 1935 kein NS-verfolgungsbedingter Zwangsverkauf und die Klage daher auch in der Sache unbegründet sei: "Zu dieser Auffassung sind wir nach gründlicher Forschung gelangt. Die Beratende Kommission hat sie bestätigt und 2014 festgestellt, dass eine Restitution in diesem Fall nicht angemessen wäre."

Attraktion im Berliner Kunstgewerbemuseum

Der Welfenschatz, 140 Meisterwerke mittelalterlicher Kirchenkunst, wurde von den Welfen, dem ältesten Fürstenhaus Europas, zusammengetragen. Es handelt es sich dabei um wertvolle Altaraufsätze, Schmuckkreuze und Schreine aus dem Braunschweiger Dom aus dem 11. bis 15. Jahrhundert. Seit der Nachkriegszeit befinden sich 44 Exponate des Schatzes in der Obhut der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK). Sie sind im Berliner Kunstgewerbemuseum ausgestellt. Der Wert der Goldreliquien wird auf rund 220 bis 260 Millionen Euro geschätzt. 

Ungewisser Ausgang der Klage 

Hermann Parzinger (picture-alliance/dpa/T. Brakemeier)

Für Hermann Parzinger ist die Klage unbegründet

Die Kläger argumentieren, der Schatz sei 1935 nicht freiwillig, sondern auf Druck der Nationalsozialisten und zudem unter Wert verkauft worden. Parzinger betonte hingegen ausdrücklich, dass die Preußen-Stiftung sich seit Jahren für faire und gerechte Lösungen bei der Restitution von NS-Raubgut im Sinne der Washingtoner Prinzipien einsetze. "Dies hat sich nicht geändert."

Seit 1999 hat die SPK mehr als 50 Restitutionsbegehren bearbeitet und 350 Kunstwerke und mehr als 1000 Bücher an die Berechtigten zurückgegeben, darunter eine Zeichnung von Vincent van Gogh und "Der Watzmann" von Caspar David Friedrich. 

Der Rechtsstreit kann sich noch Jahre hinziehen. 

suc/fab  (epd/ dpa)

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