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Politik

Welche Impulse gehen von Davos aus?

Zum 40. Mal treffen sich die Spitzen von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft aus aller Welt in Davos zum Weltwirtschaftsforum. Welche Impulse gehen aus vom alljährlichen winterlichen Almauftrieb der Elite?

Abgeschirmt: Das Weltwirtschaftsforum im verschneiten Davos (Foto: AP)

Ganz direkte Resultate nach dem Muster "eben in Davos angesprochen – und schon überall umgesetzt" gibt es nicht – weil es sie so nicht geben kann. Denn auf dem Treffen all derer, die sich im weiteren Sinne als "Global Player" verstehen, geht es nicht um möglichst einstimmig abgenickte Handlungsanweisungen, denen dann alle brav folgen. Vielmehr geht es um den Austausch von Meinungen, Analysen, Ideen und manchmal auch um Visionen.

Klaus Schwab, der Gründer und Präsident des Weltwirtschaftsforums (Foto: AP)

Klaus Schwab rief das Forum ins Leben

Der Wirtschaftswissenschaftler Klaus Schwab, der das Forum vor fast 40 Jahren ins Leben rief und seitdem leitet, wollte eine Möglichkeit zur Begegnung und zum Gedankenaustausch schaffen, für Kontakte zwischen Ideen- und Entscheidungsträgern: zwanglos und abseits der direkten Zwänge der Tagespolitik. Networking würde man das heute nennen.

Politische Impulse

Eklat in Davos 2009: Recep Tayyip Erdogan verlässt das Forum (Foto: AP)

Eklat in Davos 2009: Recep Tayyip Erdogan verlässt das Forum

Andererseits spielen aktuelle politische und wirtschaftliche Entwicklungen und Trends sehr wohl hinein in die Beratungen, in die Regierungschefs, Topbanker und Nobelpreisträger gerne ohne Schlips gehen. So überschattete die Finanzkrise das vorjährige Davoser Treffen. Und einen Eklat gab es, als der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan im Streit um den Nahost-Konflikt wutentbrannt aus dem Saal gestürmt war. In diesem Jahr reisen die türkischen Vertreter erst gar nicht in die Schweiz, sondern bleiben gleich in der Türkei.

Geschäftsleute oder Politiker mit Aktentasche(Foto: AP)

Networking der Entscheidungsträger

Und die Finanzkrise, die Anfang vergangenen Jahres in Davos erörtert worden war, dauert auch in diesem Jahr an. Allerdings wirken mittlerweile einige der vor einem Jahr diskutierten Maßnahmen.

Auch in früheren Jahren waren in Davos Entwicklungen angedacht und Initiativen auf den Weg gebracht worden: Etwa die "Global Health Initiative" des früheren UN-Generalsekretärs Kofi Anan 2002 oder Empfehlungen des Forums für die Reduzierung von Treibhausgasemissionen 2008.

Insofern ist auch das Argument "außer Spesen nichts gewesen", das von Kritikern und Gegengipfel-Veranstaltern gern ins Feld geführt wird, nicht ganz haltbar. Deren Foren können zwar meist auf das zehnfache der elitären zweieinhalbtausend Davos-Teilnehmer verweisen, aber konkrete Ergebnisse produzieren die selbsternannten Vertreter der nicht in Davos anwesenden Volksmassen auch nicht unbedingt.

Zumal die Massen inzwischen durch die modernen Medien doch mit dabei sein können in Davos, ohne selbst vor Ort zu sein: YouToube, Flickr, MySpace und Twitter machen es möglich.

Wirkungen vor Ort

Die Davoser Promenade (Foto: Davos Tourismus)

Die Davoser Promenade

Bleibt noch der Blick auf Auswirkungen des Weltwirtschaftsforums auf Davos selbst: Die ortsansässige Hotellerie profitiert gewaltig, die Luxushotels sind ausgebucht und das zu Spitzenpreisen.

Vom einstigen Chef des "Belvedere", in dem die Staats- und Regierungschefs zu logieren pflegen, wird zitiert, mit dem Weltwirtschaftsforum habe man ein Viertel des Jahresumsatzes "drin ".

Schweizer Sicherheitskräfte errichten Stacheldrahtverhaue in Davos (Foto: AP)

Schweizer Sicherheitskräfte sorgen vor

Immerhin - die Anwesenheit von mindestens 40 Staats- und Regierungschefs bedeutet höchste Alarmbereitschaft für die eidgenössischen Sicherheitskräfte.

Und noch etwas ist sicher: Selbst wenn es im Zuge der Wirtschaftskrise in Davos in diesem Jahr etwas bescheidener zugehen sollte als bisher üblich: "Selters statt Sekt" wird es nicht geben, denn der Slogan "Geiz ist Geil" wurde nicht in Davos erfunden.

Autor: Hartmut Lüning
Redaktion: Ursula Kissel