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Das Kurzinterview

Welche Ernährung tut den Zähnen gut?

Nicht nur Zucker, sondern auch vermeintlich gesunde Lebensmittel greifen die Zähne an. Ein Interview mit Dr. Falk Schwendicke über Fruchtsaft, Milchprodukte und den richtigen Zeitpunkt zum Zähneputzen.

DW: Warum genau schadet besonders Zucker den Zähnen?

Dr. Falk Schwendicke: Zucker schadet den Zähnen, weil er von verschiedenen Mikroorganismen verstoffwechselt wird. Diese Mikroorganismen befinden sich natürlicherweise im Mund und stellen prinzipiell auch kein Problem dar. Wenn wir aber viel Zucker essen, werden sie besonders aktiv, vermehren sich und gewinnen die Überhand. Sie produzieren aus Zucker Säuren und diese Säuren demineralisieren den Zahnschmelz und später auch die inneren Zahnschichten. Wenn dann Mikroorganismen in den Zahn eindringen und Bestandteile des Zahns auflösen, entsteht ein Loch – Karies im klassischen Sinne. Zucker ist also der Motor des Kariesprozesses.

DW: Schaden andere Kohlenhydrate den Zähnen genauso?

Nicht in gleichem Maße. Stärke zum Beispiel ist in geringerem Maße verstoffwechselbar für diese Bakterien. Es sind vor allem niedermolekulareZucker, also beispielsweise Rübenzucker und Rohrzucker, die den Mikroorganismen als Nahrung dienen.

DW: Welche anderen Nahrungsmittel greifen die Zähne an?

Vor allen Dingen sind es Säuren, die die Zähne angreifen, also saure Nahrungsmittel wie Obst, Fruchtsäfte, Cola oder ähnliches – alles, was einen sauren pH-Wert hat. Durch die Säure entstehen Erosionen - der Zahnschmelz wird chemisch aufgelöst. Man braucht also nicht unbedingt Zucker, um einen Zahn zu demineralisieren. Die Säure schafft das auch. Wenn diese sauren Lebensmittel zusätzlich Zucker enthalten, dann begünstigt das zusätzlich noch Karies.

DW: Und gibt es auch Nahrungsmittel, die den Zähnen gut tun?

Vor allem Milchprodukte tun den Zähnen gut, da sie viel Kalzium enthalten. Kalzium ist ein Baustein der Zähne und deshalb sehr wichtig für sie. Aber auch fluoridhaltige Lebensmittel können die Zähne ein schützen. Ich empfehle flouridiertes Speisesalz, in anderen Ländern wird auch dem Trinkwasser Fluorid beigefügt. Bei regelmäßigem Konsum von fluoridiertem Salz oder Wasser sollten Kinder jedoch keine weiteren Fluoridquellen, z.B. Flouridtabletten, aufnehmen.

DW: Man kann nicht immer zahngesund essen. Haben Sie einen Tipp, wie man den Schaden für die Zähne begrenzen kann?

Drei Sachen kann man machen. Grundsätzlich ist es wichtig, eine vernünftige Mundhygiene zu haben. Dann ist es auch nicht so dramatisch, wenn man mal etwas isst, das für die Zähne ungesund ist. Karies bildet sich nicht, sobald ich ein Bonbon lutsche. Das ist ein Prozess. Wenn ich meine Zähne immer sehr gut sauber halte, auch in den Zahnzwischenräumen, ist das ein guter Schutz. Erst nach einigen Tagen, wenn die Plaque auf dem Zahn gereift und noch immer nicht weggeputzt ist, entsteht Karies.

Wichtig ist auch der Zeitpunkt des Zähneputzens. Wenn ich saure Lebensmittel esse, sollte ich mir nicht direkt danach die Zähne putzen, weil der Zahnschmelz weicher ist und durch die Zahnbürste weggeputzt werden kann. Ideal ist, eine Stunde mit dem Zähneputzen zu warten – vor und nach dem Genuss saurer Lebensmittel und Getränke.

Mein dritter Tipp: regelmäßig Fluorid aufnehmen – also fluoridhaltige Zahnpasten nutzen oder ab und zu ein Fluoridgel aus der Apotheke auftragen – um den Zahnschmelz widerstandsfähiger zu machen. Das kann als Gegenmaßnahme helfen, wenn man eine Schwäche für Süßes hat.

Dr. Falk Schwendicke ist Oberarzt in der Abteilung für Zahnerhaltung und Präventivzahnmedizin am Berliner Universitätsklinikum Charité.

Das Interview führte Dorothee Grüner

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