1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sprachbar

Weitgehend ausgestorben – DDR-Sprache

Selbst wer nicht aus der früheren DDR stammt, weiß, was ein "VEB" oder ein "Broiler" ist. Diese Begriffe aus ostdeutschem Sprachgut haben sich mittlerweile gesamtdeutsch gefestigt. Weitere Lücken füllen wir hier gerne.

Sächsisch wurde zwar bei weitem nicht überall in der früheren DDR gesprochen. Aber es ist DDR-Besuchern (aus dem Westen) als wesentliche Mundart des Ostens in Erinnerung geblieben. "Gänsefleisch ma da Gofferraum uffmache", also "Können Sie vielleicht mal den Kofferraum aufmachen" war eine häufige und selten freundlich betonte Aufforderung von DDR-Grenzbeamten und –polizisten, die im Westen Deutschlands als Witz jahrzehntelang die Runde machte.

Technische Begriffe dominieren den Alltag

Unabhängig vom Dialekt war vor allem das amtliche DDR-Deutsch eine überbordende Fundgrube für bürokratischen Sprachgebrauch. "Bedarfsunterdeckung" entstand dann, wenn die Versorgung mit Lebensmitteln oder anderen Gütern nicht so recht klappte und ein Mangel entstand, was oft geschah. Der "Abschnittsbevollmächtigte" war eine Art offizieller Aufpasser für einen Wohnbezirk. Im "Eheschließungsobjekt", dem Standesamt, wurde geheiratet, Jugendliche trugen, von der Westmode angesteckt, nicht etwa Jeans, sondern "Niethosen", was gleichzeitig eine Distanzierung von der Sprache des Klassenfeindes war, denn Jeans trugen die Kapitalisten im Westen.

Auch wurden Begriffe eingeführt, die auf eine sehr bürokratische Art versuchten, korrekt zu sein, was manchmal zu Wortungetümen führte wie "Rauhfutterverzehrende Großvieheinheit, abgekürzt RGV". Eine solche Einheit war zum Beispiel eine Kuh. Viele der Formulierungen besaßen den Charme einer technischen Bedienungsanleitung. Ungeachtet der tatsächlichen Qualität eines Restaurants verhieß die Rubrik "Sättigungsbeilage" für Kartoffeln, Reis oder Nudeln nicht gerade kulinarischen Hochgenuss. Und der Versuch, einen besonderen Begriff zu schaffen, endete oft bieder, wie im "Gastmahl des Meeres" für spezielle Fischrestaurants in Bezirksstädten.

Verschleierung durch Wortneuschöpfung

Die DDR-Satire-Zeitschrift Eulenspiegel machte die inzwischen legendäre "Jahresendflügelfigur" bekannt, ein spezieller, wenn auch nicht sehr verbreiteter Ersatzbegriff für den Engel. Derlei Reihungen kamen jedoch öfter vor, wie die "Jahresendprämie" zeigt, sonst eher als Weihnachtsgeld oder 13. Monatsgehalt bekannt.

So mancher Begriff wirkte nach außen wie eine neutrale Bezeichnung, war aber eher eine geschickte, wenn auch steife Beschönigung für das, was tatsächlich dahinter steckte. Die meisten DDR-Bürger unterlagen der "Wohnraumlenkung", und das hieß der staatlichen Einflussnahme auf Mietverhältnisse. So bekamen zum Beispiel junge Paare erst dann eine eigene Wohnung, wenn sie ein Kind hatten, der Staat brauchte Nachwuchs. Begehrte Mangelware waren die nach heutigen Begriffen eher sterilen Plattenbauwohnungen, von den DDR-Bürgern auch "Arbeiterschließfach" genannt. Mit Ironie kommt man eben besser durch den schwierigen Alltag.

Der Schutz des Volkes

Besonders das negative Wahrzeichen der DDR, die Mauer, wurde sprachlich ideologisch frisiert, als Antiimperialistischer bzw. Antifaschistischer Schutzwall packte man die Begründung gleich mit ins Wort. Vor allem zu Feiertagen wurden in der DDR gerne Losungen ausgegeben, besonders in Zeitungen, aber auch auf sogenannten "Sichtelementen", das heißt auf Postern und Plakaten. "Alles zum Wohl des Volkes" war manches Mal zu lesen. Überhaupt kam dem Volk eine besondere Bedeutung zu - zumindest als Begriff - mit entsprechender ideologischer Besetzung. VEB „Volkseigener Betrieb“ hießen die Unternehmen, deren Produktion der Staat per Fünfjahresplan organisierte, oder zu organisieren versuchte. Waren mehrere Betriebe zu einer Art Konzern zusammengeschlossen, wurde daraus ein "Kombinat", natürlich ebenfalls volkseigen. Bücher entstanden meist im VEV, im Volkseigenen Verlag, und für Ordnung sorgte in der DDR die "Volkspolizei".

Natürlich waren sich viele Menschen in der DDR der Sprachlenkung bewusst und formten munter inoffiziell um: aus dem VEB wurde "Von Erich beschlagnahmt" (also Erich Honecker), und die Losung "der Sozialismus siegt" dichtete man munter um in "der Sozialismus siecht". Das entsprach mehr dem allgemeinen Lebensgefühl. Um in der viel beklagten Mangelwirtschaft zurechtzukommen, improvisierten viele DDR-Bürger mit Produkten aus dem eigenen Garten und einem regen Tauschhandel. Manchmal half natürlich auch einen Verkäufer gut zu kennen, um an Waren zu kommen, die es im offiziellen Angebot nicht gab, die sogenannte "Bückware", die für die meisten unter der Ladentheke verborgen blieb.

Zeugen des DDR-Vokabulars

Nach Maueröffnung und Wiedervereinigung verschwand die „Bückware“ und mit ihr viele klassische DDR-Begriffe, zuallererst natürlich die offiziellen und verordneten. Manches aber hält sich. Hier und da findet sich noch die "Ketwurst" statt des internationalen "Hot Dog". Auf einer verblichenen Tafel wird "Grilletta" statt Hamburger angeboten, vor allem aber der "Broiler" wird nach wie vor gemocht und verzehrt. Das Brathähnchen war aber auch eine vollkommen ideologiefreie Angelegenheit.

Fragen zum Text

Wie wurde die Jeans in der DDR genannt?

1. Nahthose

2. Nothose

3. Niethose

Wann erst bekamen junge Paare eine Wohnung?

1. wenn sie Russisch sprechen konnten

2. wenn sie ein Auto der Marke "Wartburg" fuhren

3. wenn sie ein Kind hatten

Was wird als Broiler bezeichnet?

1. ein Bratapfel

2. ein Brathähnchen

3. ein Brathering

Arbeitsauftrag

Seit der Wiedervereinigung Deutschlands sind in Ostdeutschland zwar einige Vokabeln verschwunden, der Dialekt ist aber geblieben. Dieser Dialekt, vor allem der vom Bundesland Sachsen, wird mit Ostdeutschland verbunden und ist somit ein Stereotyp für diese Region. Schreiben Sie einen kurzen Text über einen Dialekt in Ihrem Land, der für eine Region typisch ist.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema

Downloads