1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Asien

Weiterer Islamistenführer in Bangladesch zum Tode verurteilt

Wegen Kriegsverbrechen ist in Bangladesch ein Spitzenfunktionär der größten islamistischen Partei zum Tode verurteilt worden. Er soll an Folter und Morden während des Unabhängigkeitskriegs 1971 beteiligt gewesen sein.

Mir Quasem Ali am Tag der Urteilsverkündung im Gericht (Foto: AFP)

Mir Quasem Ali

Ein Kriegsverbrechertribunal sprach Mir Quasem Ali (Foto) von der Partei Jamaat-e-Islami in zehn Anklagepunkten für schuldig. Der 62-Jährige soll während des Krieges gegen Pakistan als Mitglied einer paramilitärischen Gruppe maßgeblich an Folter und Mord von Unabhängigkeitskämpfern beteiligt gewesen sein. Seit Mitte Juni 2013 ist er in Haft.

Staatsanwalt Ziad Al Malum sagte in der Hauptstadt Dhaka, mit dem Urteil widerfahre dem Land und den Opfern endlich Gerechtigkeit. Die Todesstrafe gegen Mir Quasem Ali sei unter anderem wegen des Mordes an dem jugendlichen Freiheitskämpfer Jashim verhängt worden. Der Teenager sei damals entführt, ermordet und seine Leiche in einen Fluss geworfen worden.

Die Verteidiger des Geschäftsmannes kritisierten das Urteil. Es sei den Anklägern nicht gelungen, die Mittäterschaft Alis zweifelsfrei zu beweisen. Deshalb werde man Berufung einlegen.

Auch der Islamistenchef wurde zum Tode verurteilt

Am Mittwoch war bereits der Chef der Jamaat-e-Islami, Matiur Rahman Nizami, zum Tode verurteilt worden. Ihm wurde unter anderem die Mittäterschaft an Morden und Vergewaltigungen angelastet. Auch er war während des Unabhängigkeitskampfes erklärter Gegner eines eigenständigen Staates Bangladesch gewesen.

Hunderte Menschen begrüßten vor dem Gerichtsgebäude in der Hauptstadt Dhaka das Urteil gegen Nizami. Anhänger der Islamistenpartei riefen dagegen zum Generalstreik auf.

Bis zu drei Millionen Opfer

Neun Monate dauerte der Krieg in der damaligen pakistanischen Provinz im Jahr 1971. Erst danach erlangte Bangladesch seine Unabhängigkeit. Nach offiziellen Schätzungen wurden bei den Kämpfen gegen Pakistan bis zu drei Millionen Menschen getötet.

Premierministerin Sheikh Hasina richtete das Tibunal im Jahr 2010 zur Aufarbeitung der Kriegsverbrechen ein. Bislang wurden fast 20 Menschen verurteilt. Die meisten von ihnen sind Mitglieder der Partei Jamaat-e-Islami. Die heutige Oppositionspartei spricht von politisch motivierten Prozessen. Bei Protesten gegen die Tribunale wurden bereits mehr als 100 Menschen getötet. Auch Menschenrechtsorganisationen wie die Human Rights Watch kritisieren die Verhängung von Todesstrafen.

kis/gmf (dpa, afpe, ape)