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Nahost

Weiterer Eklat im Völkermord-Prozess in Bagdad

Saddam bemüht sich weiter nach Kräften, den Prozess gegen ihn zur Farce zu machen: Der wegen Völkermordes angeklagte irakische Ex-Diktator ist erneut aus dem Gerichtssaal gewiesen worden.

Saddam diskutiert noch, bevor er am Montag des Gerichtssaals verwiesen wurde

Saddam diskutiert noch, bevor er am Montag des Gerichtssaals verwiesen wurde

Auch bei der zweiten Sitzung unter einem neuen Richter ist es im Völkermord-Prozess gegen den früheren irakischen Machthaber Saddam Hussein zu einem Eklat gekommen. Richter Mohammed al-Uraibi verwies Saddam Hussein am Montag (25.9.2006) des Saales, weil der Ex-Präsident verlangt hatte, er wolle den für ihn vorgesehenen vergitterten Bereich des Gerichtssaals verlassen. "Ich beantrage, nicht mehr in diesem Käfig bleiben zu müssen", rief Saddam Al-Uraibi zu. Bereits in der vorherigen Sitzung in der Woche zuvor hatte der Richter den Ex-Staatschef aus dem Saal bringen lassen, weil dieser sich entgegen den Anordnungen nicht setzen wollte.

Das Verfahren gegen Saddam und sechs weitere ehemalige Funktionäre des alten Regimes war am Montag in der irakischen Hauptstadt Bagdad fortgesetzt worden. Sie müssen sich seit dem 21. August wegen der Tötung von zehntausenden Kurden in den Jahren 1987 und 1988 verantworten.

Angeblich zu nachsichtiger Umgang mit den Angeklagten

Aus Protest gegen die Neubesetzung des Richterpostens mit einem ihrer Ansicht nach parteiischen Juristen blieben die Verteidiger dem Prozess am Montag fern. Der vorherige Richter Abdullah Alusch al-Amiri war in der Woche zuvor von der Regierung abberufen worden, weil er angeblich zu nachsichtig mit den Angeklagten umgegangen sei. Al-Ameri hatte bei einer Verhandlung dem Angeklagten gegenüber gesagt: "Sie waren kein Diktator." Saddam Hussein hatte sich daraufhin bei ihm bedankt. Al-Ameri war bereits unter Saddam Hussein Richter gewesen.

Bei der "Operation Anfal", wegen der Saddam Hussein vor Gericht steht, waren 1987 und 1988 rund 182.000 Kurden im Nordirak getötet worden. Das Gericht hörte am Montag einen kurdischen Zeugen, der einen Giftgasangriff auf sein Dorf und die anschließende Inhaftierung in einem Lager überlebte.

"Wir wurden gefoltert"

Der 75-Jährige berichtete, wie er nach dem Abwurf der Gasbomben durch irakische Flugzeuge zunächst in ein Krankenhaus kam, dann aber verhaftet und in ein Lager in der südirakischen Stadt Samawa gebracht worden sei. "Wir wurden gefoltert, man brach mir die Rippen, und wir bekamen tagelang nichts zu essen", sagte er. 400 bis 500 Insassen des Lagers hätten die fünf Monate währenden Strapazen nicht überlebt und seien in der Nähe begraben worden. Er selbst habe seine Frau und fünf Kinder verloren.

Saddam Hussein ist in dem laufenden Prozess wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Im Falle einer Verurteilung droht ihm - wie auch in einem weiteren gegen ihn laufenden Verfahren wegen eines Massakers an 148 Schiiten - die Todesstrafe. (kap)

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