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Welt

Weitere Ausschreitungen in Kairo

In der ägyptischen Hauptstadt ist es es den fünften Tag in Folge zu Gewaltausbrüchen gekommen. Der herrschende Militärrat gerät angesichts des harten Vorgehens gegen Protestierende zunehmend unter internationalen Druck.

Ägyptische Demonstranten (Foto: dapd)

Die ägyptische Hauptstadt kommt nicht zur Ruhe

Die zweite Etappe der ägyptischen Parlamentswahlen wird weiterhin von Gewalt und Unsicherheit überschattet. Einen Tag vor der Stichwahl der Direktkandidaten in neun Provinzen kam es am Dienstag (20.12.2011) in Kairo erneut zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und den Sicherheitskräften des Militärrats. In den frühen Morgenstunden hatten Beamte versucht, die auf dem Tahrir-Platz gegen den Militärrat Protestierenden zu vertreiben. Dabei wurden neben Schlagstöcken und Tränengas auch Schusswaffen abgefeuert. Mehrere Menschen wurden verletzt. Im Verlauf des Vormittags beruhigte sich die Situation auf dem zentralen Platz und den angrenzenden Straßen zunächst wieder.

Nach Informationen lokaler Medien hat die Staatsanwaltschaft festgestellt, dass 25 der insgesamt mehr als 800 Verletzten, die nach den Ausschreitungen der vergangenen Tage medizinisch behandelt worden sind, Schussverletzungen hatten. Ein Sprecher des Obersten Militärrates hatte am Montag bestritten, dass die Militärpolizei mit scharfer Munition auf die Demonstranten geschossen habe. Nach offiziellen Angaben starben bei den Straßenschlachten seit Freitag zwölf Menschen. Aktivisten sprechen jedoch von 17 Toten.

Clinton: "Systematische Degradierung ägyptischer Frauen"

US-Außenministerin Hillary Clinton (Foto: AP)

Clinton fordert ein Ende der Gewalt

Unterdessen gerät der Militärrat wegen des harten Vorgehens gegen die Demonstranten im In- und Ausland immer stärker unter Druck. US-Außenministerin Hillary Clinton bezeichnete die Ereignisse der vergangenen Tage als "schockierend". Insbesondere das gewaltsame Vorgehen gegen weibliche Demonstranten nannte sie eine "systematische Degradierung ägyptischer Frauen". Das Vorgehen entehre die Revolution sowie den Staat Ägypten und sei "großer Völker nicht würdig." Fernsehbilder der Zusammenstöße hatten Polizisten gezeigt, die eine Frau an den Haaren wegzogen, schlugen und dabei halb entkleideten.

Ein Mitglied des Militärrates, General Adel Emara, bezeichnete dies am Montag als "Einzelfall", der untersucht werde. Er verteidigte das harte Vorgehen der Sicherheitskräfte, die Beamten hätten die Pflicht, die staatlichen Institutionen zu schützen. Eine Entschuldigung für das brutale Vorgehen insbesondere gegen weibliche Demonstranten lehnte er ab. Erneut stellte er Motive und Moral der Protestierenden in Frage und warf ihnen "Verschwörung gegen den ägyptischen Staat" vor.

Dagegen bezeichnete der Generalsekretär der Arabischen Liga, der Ägypter Nabil al-Arabi, die Gewalt in Kairo als sehr bedauerlich. Die Verantwortlichen dafür müssten unbedingt zur Rechenschaft gezogen werden. Während das Revolutionsland Tunesien sich "auf dem Weg hin zu einer wirklichen Demokratie" befinde, sei die Lage in Ägypten dagegen momentan verfahren und kompliziert.

Brand im Institut d'Égypte "Katastrophe für die Wissenschaft"

Das ausgebrannte Institute d'Égypte (Foto: dpa)

Das ausgebrannte Institute d'Égypte

Unterdessen steht das während der Zusammenstöße in Brand geratene Institut d'Égypte in Kairo vor dem Einsturz. Große Teile des dort gesammelten ägyptischen Kulturbesitzes waren am Samstag zerstört worden, nachdem das Gebäude unter noch ungeklärten Umständen in Brand geraten war. Die Armeeführung macht Demonstranten verantwortlich, die Molotow-Cocktails auf das Gebäude geschleudert haben sollen. Diese Version wird von den Demonstranten aber bestritten.

Kulturminister Tschaker Abdel Hamid sprach von einer "Katastrophe für die Wissenschaft" und kündigte die Bildung eines Expertenteams zur Restaurierung der beschädigten Manuskripte und Bücher an. In dem Institut wurden rund 200.000 historische Dokumente aufbewahrt, unter anderem zur Geschichte und zur Geographie Ägyptens.

Autor: Florian Meyer (ap, dpa, rtr)
Redaktion: Thomas Grimmer

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