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Politik

Weiter unklare Machtverhältnisse in Guinea

Einen Tag nach dem Putschversuch ist die Lage im westafrikanischen Guinea weiterhin unklar. Die Putschisten benannten eine Junta, die die Regierung ersetzen soll. Die zivile Verwaltung betont, sie regiere weiter.

Archivbild von Lansana Conté (Foto: dpa/1998)

Lansana Conté hinterlässt ein Machtvakuum und unklare Verhältnisse

Nach dem Tod von Diktator Lansana Conté sind die Machtverhältnisse in dem westafrikanischen Staat Guinea am Dienstag (24.12.2008) weiter unklar. Der Putschistenführer, Hauptmann Moussa Dadis Camara hatte am Dienstag nur Stunden nach dem Tod des langjährigen Präsidenten Lansana Conté angekündigt, dass die Regierung abgesetzt und die Verfassung außer Kraft gesetzt seien. Von den 32 Mitgliedern der von den Putschisten eingesetzten Junta sind nur sechs Zivilisten.

Der Präsident der Nationalversammlung, Aboubacar Somparé, der nach der Verfassung der früheren französischen Kolonie Interimspräsident werden müsste, sagte, dass die Putschisten nicht das gesamte Militär repräsentierten. "Das ist ein versuchter Staatsstreich», sagte er einem französischen Fernsehsender. "Ich glaube nicht, dass die gesamte Armee hinter den Aufständischen steht. Es ist eine Gruppe."Ministerpräsident Ahmed Tidiane Souare sagte dem französischen Auslandsradiosender RFI, dass seine Regierung weiter im Amt sei und das auch während der Übergangszeit bis zur Wahl eines neuen Präsidenten bleiben werde.

Aufruf von EU und AU

Die Europäische Union, die Afrikanische Union und die Vereinten Nationalen verurteilten den Putsch und riefen alle Parteien dazu auf, die Verfassung zu respektieren und einen friedlichen Wechsel an der Staatsspitze sicherzustellen.

Die Unsicherheit begann, als Parlamentspräsident Somparé am Morgen des 23.12. den Tod von Conté verkündet. Er trat dabei gemeinsam mit dem Armeechef auf. So sollte offenbar der Eindruck entstehen, die Streitkräfte unterstützten eine Machtübergabe entsprechend der Verfassung. Der Parlamentspräsident forderte den Obersten Gerichtshof auf, die Verfassung zu befolgen und ihn zum Präsidenten zu ernennen.

Karte von Guinea (Quelle: AP/DW)


Conté war in Guinea seit 24 Jahren an der Macht. Er litt an Diabetes und Herzproblemen, Berichten zufolge soll er auch an Leukämie erkrankt gewesen sein. Der Diktator hatte sich in den vergangenen Jahren häufiger zu medizinischen Behandlungen in die Schweiz begeben. Contés genaues Alter ist nicht bekannt. Er soll 1934 geboren worden sein und wäre damit bei seinem Tod am Montag 74 Jahre alt gewesen.

Machtvakuum seit Monaten

Wegen Contés Erkrankung war schon seit Monaten von einem Machtvakuum in Guinea die Rede. Zahlreiche Gruppen rangen um Einfluss. Es blieb zunächst unklar, wer hinter den Putschisten um Camara steckt.

Der strenggläubige Muslim Conté machte in den Streitkräften Karriere und war bereits zum Generalstabschef aufgerückt, als er am 3. April 1984 kurz nach dem Tod des ersten Präsidenten des unabhängigen Guinea, Ahmed Sekou Toure, einen erfolgreichen Militärputsch anführte. Seither regierte Conté das westafrikanische Land mit eiserner Faust. Ein Mehrparteiensystem wurde in den 1990er-Jahren eingeführt, doch die Wahlen waren bis zuletzt weder frei noch transparent. Kritik an seiner Regierung ließ Conté wiederholt gewaltsam niederschlagen, zuletzt vor zwei Jahren, als Sicherheitskräfte Dutzende Demonstranten töteten.

Misswirtschaft und Korruption weit verbreitet

Trotz reicher Bodenschätze gehört Guinea zu den ärmsten Ländern des Kontinents. Conté und seine Vertrauten beuteten das Land systematisch aus. Misswirtschaft und Korruption sind verbreitet. Der Großteil der rund neun Millionen Einwohner profitiert nicht vom immensen Reichtum an Bodenschätzen. Guinea ist beispielsweise das größte Förderland von Bauxit, einem wichtigen Bestandteil der Aluminium-Herstellung. Das westafrikanische Land steht für die Hälfte der weltweiten Bauxit-Förderung.

Die durchschnittliche Lebenserwartung von 42 Jahren indes gehört zu den niedrigsten der Welt. Dem Entwicklungs- und Armutsindex HDI der Vereinten Nationen zufolge belegt Guinea 2008 unter insgesamt 179 Staaten den 167. Platz. (sams)

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