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Politik

Weiter Probleme mit Atommülllager Asse

In dem maroden Atommülllager Asse ist wieder radioaktive Lauge entdeckt worden. Bundesumweltminister Gabriel dringt nach den jüngsten Zwischenfällen in deutschen Atomanlagen auf höhere Sicherheitsstandards.

Gelbe Fässer mit dem Radioaktivitätszeichen neben einem Hinweisschild zur Schachtanlage Asse II (Foto: AP)

Macht schon wieder Probleme: die Schachtanlage Asse II

Nach den Zwischenfällen im Atommülllager Asse sowie im Atomkraftwerk Krümmel dringt Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) auf mehr Sicherheit in Atomanlagen. Das Umweltministerium veröffentlichte am Mittwoch (15.07.2009) in Berlin neue Sicherheitsanforderungen für Endlager für hochradioaktiven Atommüll, um Probleme wie in der Asse künftig zu verhindern. Für das Atomkraftwerk Biblis B beharrte Gabriel auf zusätzlichen Sicherheitsnachweisen.

Entdeckt wurden die neuerlichen Ansammlungen von Salzlösungen bei Kontrollgängen in der Schachtanlage Asse II am Dienstag, wie das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) mitteilte. Eine Stelle befindet sich demach an der tiefsten Stelle des Schachtes 2 auf 950 Meter Tiefe; eine zweite wurde auf der 925-Meter-Sohle gefunden.

In den Lösungen wurden den Angaben zufolge Werte für Cäsium 137 von 121 Becquerel pro Liter und für Tritium von 27.000 Becquerel pro Liter gefunden. Beide Werte, so das BfS, lägen unterhalb der Freigrenzen der Strahlenschutzverordnung. Das Amt habe Strahlenschutzmaßnahmen eingeleitet.

Vor über vierzig Jahren eingerichtet

Das Atommülllager Asse war 1965 in einem ehemaligen Salzbergwerk in der Nähe der Stadt Wolfenbüttel in Niedersachsen eingerichtet. Die Genehmigung verlief problemlos, ein Planfeststellungsverfahren war noch nicht gesetzlich vorgeschrieben. Das alte Salzbergwerk wurde unter Bergrecht betrieben. Neuesten Forschungen nach war Asse von Anfang an als Endlager geplant. Bis 1978 wurden dort 126.000 Behälter mit schwach und 1300 mit mittelradioaktivem Müll unter die Erde gebracht. Was genau dort eingelagert wurde, ist unklar.

Heute bereiten vor allem Wassereinbrüche und die Einsturzgefahr der Asse Politikern und Bürgern Sorge. Der niedersächsische Landtag hat einen Untersuchungsausschuss eingerichtet, und das BfS erarbeitet zusammen mit Bürgern, Lokalpolitikern und Wissenschaftlern Konzepte für die Zukunft.

Teure Sanierung

Plakat: Durchgang verboten (Foto: AP)

Hier beginnt der gefährliche Bereich

Drei Optionen stehen derzeit zur Diskussion: Die Einbetonierung, die Umlagerung innerhalb des Bergwerkes und die Rückholung der 126.000 Fässer mit leicht radioaktivem Müll. Welche Alternative letztlich gewählt wird, klar ist: Es wird nicht billig. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel rechnet mit Kosten von bis zu vier Milliarden Euro. Zunächst müssten aber die dafür gültigen Sicherheitskriterien festgelegt werden, hieß es aus seinem Ministerium.

Nach etlichen Pannen und Versäumnissen wurde dem ehemaligen Betreiber, dem Helmholtz-Zentrum München (vormals: Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung) zum Jahresbeginn 2009 die Verantwortung entzogen. Seit Januar ist das Bundesamt für Strahlenschutz in Salzgitter zuständig, das direkt dem Bundesumweltministerium untersteht. Seit dem Betreiberwechsel fällt die Schachtanlage Asse unter Atomrecht. (gmf/rri/sam/dpa/ap)

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