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Politik

Weiter keine rechtsextreme Spur im Fall Mannichl

Trotz Beobachtung der rechten Szene durch V-Leute liegen dem Verfassungsschutz zum Anschlag auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl noch keine Hinweise auf eine rechtsextremistische Tat vor.

Passauer Polizeichef Mannichl vor Pressemikrofonen (Foto: AP)

Fühlt sich "körperlich und seelisch wiederhergestellt": Alois Mannichl

"Hätten wir Hinweise, würden wir diese sofort weiterleiten. Das ist bisher nicht der Fall", sagte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, der Tageszeitung "Die Welt" vom Samstag (10.01.2009). Der derzeitige Ermittlungsstand erlaube noch keine abschließende Bewertung.

Mannichl war am 13. Dezember vor der Haustür seines Privathauses niedergestochen und dabei schwer verletzt worden. Gegenüber den Ermittlern hatte er ausgesagt, der Messerstecher habe ihm vor seiner Tat Grüße vom "Nationalen Widerstand" ausgerichtet.

"Der häufig als Parole gebrauchte Begriff 'Nationaler Widerstand' wird seit den Verbotsmaßnahmen in den 90er-Jahren besonders von Neonazis verwendet, aber nicht ausschließlich", sagte Fromm. "Jedenfalls firmiert unter diesem politischen Label keine bestimmte Gruppe."

Spekulationen über eine Beziehungstat

Zuvor hatte es in Medienberichten geheißen, es gebe Ungereimtheiten im Zusammenhang mit der Tat und Zweifel an dem bisher angenommenen rechtextremen Hintergrund. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" vom Samstag spricht auch die ermittelnde Staatsanwaltschaft von "Merkwürdigkeiten".

Der Leitende Oberstaatsanwalt Helmut Walch sagte der Zeitung, es sei "merkwürdig", dass für den Angriff auf den Polizeichef ein Messer aus dessen Haushalt benutzt worden sei und dass bisher keine Fremdspuren auf diesem Messer gefunden worden seien.

Der Staatsanwalt verteidigte zugleich das Vorgehen der Ermittler. Sie hätten aufgrund der Hinweise des Opfers vor allem die rechtsradikale Szene im Visier gehabt, doch werde von Anfang an auch in andere Richtungen ermittelt. Walch sieht keine Hinweise auf eine Beziehungstat. Die "SZ" hatte am Freitag einen namentlich nicht genannten Polizisten mit den Worten zitiert, dass die Umstände der Tat eher für eine Beziehungstat sprächen.

Mannichl: "Ich bin wütend."

Mannichl selbst hatte Berichte über Ungereimtheiten und offene Fragen im Zusammenhang mit der Tat zurückgewiesen. "Ich bin wütend", sagte Mannichl der "Passauer Neuen Presse" vom Samstag. Spekulationen über einen angeblichen familiären Hintergrund der Tat seien "Quatsch".

Die bislang erfolglose Fahndung nach dem Täter ist für Mannichl nicht ungewöhnlich. "Das ist ein ganz normaler Ermittlungsfall. Nur weil der Polizeidirektor das Angriffsziel ist, besteht für den Täter keine Veranlassung, die Visitenkarte an der Haustür zu hinterlassen", sagte er dem Münchner Nachrichtenmagazin "Focus".

Knapp vier Wochen nach der Messerattacke fühlt sich der Passauer Polizeichef "körperlich und seelisch wieder einigermaßen hergestellt". Früher sei er allerdings lockerer gewesen, "lockerer im allgemeinen Verhalten und im Umgang mit anderen Menschen". Er habe auch noch "gewisse Ängste", da der Täter noch nicht ermittelt sei. "Davon darf man sich aber nicht lähmen lassen. Ich wünsche mir soviel Normalität wie nur möglich", sagte Mannichl. (gri)

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