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Nahost

Weiter heftige Kämpfe in Gaza

Israel setzt seine Offensive gegen die Hamas unvermindert fort. Parallel gehen auch die diplomatischen Bemühungen um eine Waffenruhe weiter. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon brach zu einer Vermittlungsmission auf.

Israelische Soldaten an der Grenze zu Gaza (Quelle: AP)

Israelische Soldaten an der Grenze zu Gaza

Auch in der Nacht zum Mittwoch (14.01.2009) haben israelische Kampfflugzeuge mutmaßliche Ziele der radikalislamischen Hamas im Norden und Süden des Gazastreifens angegriffen. Wie der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira meldete, kam es im Zentrum des palästinensischen Autonomiegebiets zu schweren Explosionen. Augenzeugen berichteten von heftigen Gefechten zwischen Soldaten und Hamas-Aktivisten.

Am Dienstag hatte Israel seine Angriffe im Gazastreifen weiter verstärkt und mit noch härteren Schlägen gedroht. Die Streitkräfte festigten ihre Stellungen um Gaza-Stadt und rückten mit Panzern auf das dicht besiedelte Zentrum vor. Zeitgleich griff die israelische Luftwaffe zahlreiche Ziele an und lieferte den Bodentruppen Unterstützung aus der Luft. Dabei starben zahlreiche Zivilisten. Militante Palästinenser schossen wieder Raketen auf den Süden Israels. Mehrere israelische Minister sprachen sich dafür aus, die Hamas mit Gewalt in die Knie zu zwingen.

Scharfe Kritik

Panzer (Quelle: AP)

Die Angriffe gehen bereits in den 19. Tag

Wegen des Leids der Zivilbevölkerung steht Israel international zunehmend in der Kritik. Erstmals erhob auch die Europäische Kommission schwere Vorwürfe gegen das Land: "Israel missachtet das humanitäre Völkerrecht", sagte EU-Entwicklungskommissar Louis Michel.

Israel habe bei seiner Offensive im Gazastreifen die Pflicht, das Leben der Bevölkerung zu erhalten und für deren Schutz und Ernährung zu sorgen, sagte Michel. "Das geschieht offensichtlich nicht". Die Lage sei "dramatisch", und das Verhalten Israels gerade als demokratischer Staat nur schwer zu akzeptieren, kritisierte der belgische Kommissar.

Erdogan: "Fluch" über Israel

Archiv: Erdogan. Quelle: ap

Erdogan hat Israel scharf kritisiert

Der Gaza-Krieg überschattet auch die politischen Beziehungen zwischen Israel und der Türkei. Sie war in den vergangenen Jahren Israels bester Freund in der islamischen Welt und hat sich als Vermittler im arabisch-israelischen Konflikt angeboten. Der Krieg im Gazastreifen stellt diese besondere Beziehung inzwischen in Frage. Seit Beginn der Offensive gehen fast täglich zehntausende Demonstranten auf die Straße, Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan gerät zunehmend unter Druck und kritisiert Israel mit zunehmender Schärfe.

Ein "Fluch" werde über Israel kommen wegen der Kinder, die durch seine Bomben umkamen, sagte Erdogan. Seine Kritik sei vielleicht hart, aber "nicht so hart wie wie Phosphorbomben und Panzerfeuer. Ich reagiere als Mensch und als Muslim", ergänzte er. Erdogan erklärte, er werde sich nicht mehr mit israelischen Regierungsvertretern in Verbindung setzen, so lange kein Waffenstillstand in Kraft sei.

Humanitäre Krise

Unterdessen spitzt sich die humanitäre Krise im Gazastreifen dramatisch zu. Trotz zahlreicher Hilfslieferungen hat sich nach UN-Angaben auch die Lebensmittelsituation im Gazastreifen nicht entspannt. Es fehle an den meisten Grundnahrungsmitteln, heißt es in einem Bericht.

Milch, Gefrierfleisch, Geflügel und Fisch gebe es nicht mehr. Auch Brot sei Mangelware: Nur noch 12 von 27 Bäckereien im Gazastreifen könnten arbeiten. Durch die Kämpfe werde auch die lokale Versorgung mit Obst und Gemüse immer schlechter: Bauern könnten ihre Felder nicht mehr erreichen oder hätten Angst zu ernten.

Kein Strom, keine Hygiene

Kind in einem Camp. Quelle: ap

Zehntausende leben in Notquartieren

Weitere Probleme für die Bevölkerung in Gaza sind der Mangel an Kochgas sowie die häufigen Stromausfälle: Essen zu kochen sei nahezu unmöglich geworden. Auch eine tägliche Feuerpause von drei Stunden reicht den UN-Angaben zufolge nicht aus, um Hilfsgüter an alle Bedürftigen zu verteilen. Im Gazastreifen hängen 80 Prozent der 1,5 Millionen Palästinenser von internationaler Hilfe ab.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat angesichts der katastrophalen Hygienebedingungen im Gazastreifen vor einem Ausbruch von Krankheiten gewarnt. Müll werde nicht mehr eingesammelt und die Abwasserbehandlung sei nicht mehr gesichert. Nur die Hälfte der Gesundheitszentren im Gazastreifen arbeitet noch, gerade mal 30. Sieben von zehn chronisch Kranken werden nicht mehr versorgt.

Zehntausende auf der Flucht

Zehntausende Palästinenser sind mittlerweile auf der Flucht oder obdachlos. Allein 30.000 Menschen leben zurzeit in Notquartieren wie Schulen, weil sie ausgebombt wurden. Nach UN-Angaben handelt es sich um den größten Flüchtlingsstrom im Gazastreifen seit dem Sechstagekrieg von 1967.

Insgesamt wurden bei der seit fast drei Wochen dauernden Offensive im Gazastreifen bisher knapp 1000 Menschen getötet, darunter zahlreiche Zivilisten. Weitere 4300 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Ban Ki Moon: "Hört auf!"

Angesichts der alarmierenden Zahlen hat der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Rudolf Seiters, den ungehinderten Einsatz von Ärzten und Rettungskräften im Gazastreifen gefordert. Nach den Bestimmungen des humanitären Völkerrechts hätten alle Konfliktparteien die Pflicht, Verletzte zu bergen und zu versorgen - ohne Verzögerung und Diskriminierung. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz verlangte von Israel die Einrichtung eines sicheren humanitären Korridors.

Ban Ki Moon. Quelle: ap

Ban Ki Moon will vermitteln

International gehen die Bemühungen um eine Waffenruhe in Nahost weiter. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon reiste für eine Woche in die Region, um mit Staats- und Regierungschefs in Ägypten, Israel, Jordanien und Syrien Gespräche über ein Ende des Blutvergießens zu führen. Am Mittwoch trifft er zunächst mit Ägyptens Präsident Hosni Mubarak zusammen, um sich über die Einzelheiten der Initiative Kairos zur Beilegung des Gaza-Konflikts unterrichten zu lassen. "Meine Botschaft ist schlicht, einfach und auf dem Punkt: Die Kämpfe müssen aufhören. Beiden Seiten sage ich: Hört jetzt einfach auf", sagte Ban.

Der hochrangige Hamas-Politiker Ismail Hanija sagte in einer Fernsehbotschaft, er werde bei jeder Initiative zusammenarbeiten, die das Blutvergießen beende. Hanija verlangte aber einen Rückzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen und eine Öffnung aller Grenzübergänge. Die israelische Regierung erklärte daraufhin: Die Hamas müsse "die Tatsache anerkennen, dass sie keine Bedingungen stellen kann". (ako/ina/gri)

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