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Amerika

Weiter Chaos nach Erdbeben in Haiti

Das verheerende Erdbeben in Haiti ist für die Vereinten Nationen die schlimmste Katastrophe, mit der sie je zu tun hatten. Die logistischen Probleme seien größer als nach dem Tsunami 2004, klagte eine UN-Sprecherin.

zerstörte Straße mit Menschen (Foto: AP)

In der Hauptstadt Port-au-Prince irren die Menschen durch die Straßen

Nach dem Beben der Stärke 7,0 vom vergangenen Dienstag wird mehr und mehr das erschreckende Ausmaß des Leidens und der Zerstörungen erkennbar. Die Verteilung von Hilfsgütern gestaltet sich weiterhin äußerst schwierig.

Hand greift nach Trinkwasserflaschen (Foto: AP)

Begehrt: Trinkwasser

Plünderungen nehmen zu

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) sprach vom "reinsten Chaos" in Haiti. Die Menschen irrten ohne Aussicht auf Hilfe oder Unterkunft umher. Inzwischen häufen sich die Berichte über Plünderungen. Junge Männer liefen mit Macheten durch die Straßen der Hauptstadt Port-au-Prince. Es kam zu Kämpfen um Nahrungsmittel, die aus Häusertrümmern gezogen wurden.

Es sei eine "historische Katastrophe", meinte auch Elisabeth Byrs vom UN-Koordinationsbüro für humanitäre Angelegenheiten (OCHA). Selbst beim Tsunami Ende 2004 in Asien mit mehr als 230.000 Toten habe es keine solchen logistischen Probleme gegeben.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon teilte mit, das Welternährungsprogramm (WFP) stelle derzeit mehrmals täglich Lebensmittel für etwa 8000 Bedürftige zur Verfügung. "Das ist angesichts der großen Not natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein", räumte Ban ein. Laut Vereinten Nationen sind in Haiti rund drei Millionen Menschen dringend auf Nahrungsmittel, Wasser, Unterkunft und medizinische Notversorgung angewiesen.

Hillary Clinton besucht Port-au-Prince

Hillary Clinton und Rene Preval (Foto: AP)

Hillary Clinton mit Haitis Staatschef Rene Preval

Als erste ausländische Spitzenpolitikerin traf US-Außenministerin Hillary Clinton im Katastrophengebiet ein, um sich selbst ein Bild vom Ausmaß der Zerstörungen zu machen und sich über den Fortgang der Hilfsmaßnahmen zu informieren. Sie versprach dem haitianischen Volk langfristigen Beistand. "Wir werden heute, morgen und in Zukunft hier sein", sagte die Ministerin in Port-au-Prince.

US-Präsident Barack Obama beriet sich im Weißen Haus mit seinen beiden Amtsvorgängern George W. Bush und Bill Clinton, die die Hilfe für Haiti koordinieren sollen.

Katastrophe mit apokalyptischem Ausmaß

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte am Sonntag (17.01.2010), nach den derzeit vorliegenden Informationen werde die Zahl der Toten von der WHO auf 40.000 bis 50.000 geschätzt.

Die Regierung des Karibik-Staates befürchtet indes, dass bei dem Beben mindestens 100.000 Menschen ums Leben kamen. Auch bis zu 140.000 oder sogar bis zu 200.000 Tote werden für möglich gehalten.

Noch immer versuchen Rettungsteams fieberhaft, Überlebende in den Trümmern zu finden.

Unterdessen wurde ein erstes deutsches Todesopfer gefunden, wie Bundesaußenminister Guido Westerwelle mitteilte. Etwa 30 Deutsche würden noch vermisst. Westerwelle kündigte an, Deutschland werde seine Haiti-Hilfe von bisher 1,5 Millionen auf 7,5 Millionen Euro aufstocken. Bestätigt wurde inzwischen auch der Tod des tunesischen Leiters der UN-Friedensmission in Haiti, Hedi Annabi.

Zerstörte Häuser in Port-au-Prince (Foto: AP)

Port-au-Prince gleicht einem großen Trümmerfeld

Am Samstag versetzte ein starkes Nachbeben die Bewohner von Port-au-Prince erneut in Panik. Die Bergungsarbeiten mussten kurzzeitig unterbrochen werden.

Autor: Christian Walz (apn, dpa, rtr, afp)
Redaktion: Ulrike Quast

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