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Kultur

Weisner: Amtsführung nicht zeitgemäß!

Verschwendung und teure Reisen - Gefährdet der Bischof von Limburg den Aufbruch der Katholischen Kirche? Christian Weisner von "Wir sind Kirche" im DW-Gespräch.

Der Sprecher und Kopf der Kirchenvolksbewegung Wir sind Kirche, Christian Weisner, aufgenommen am Samstag (13.03.2010) in Dachau (Oberbayern). Im Missbrauchsskandal der katholischen Kirche ist nach Ansicht der Reformbewegung Wir sind Kirche eine Entschuldigung von Papst Benedikt XVI überfällig. Wir sind enttäuscht, dass der Papst bisher kein mitfühlendes Wort für eine Bitte um Vergebung und Versöhnung gefunden hat, sagte Weisner am Samstag der Deutschen Presse-Agentur dpa in München. Foto: Tobias Hase dpa pixel

Christian Weisner

DW: Es gibt Vorwürfe gegen Bischof Tebartz-van Elst - wegen explodierender Baukosten für den neuen Bischofsitz und wegen einer Flugreise in Erste-Klasse-Sesseln nach Indien: Steht der Bischof von Limburg zu Recht am Pranger?

Christian Weisner: Das ist schon eine sehr lange und ungute Geschichte. Und je länger Bischof Tebartz-van Elst schweigt, umso mehr fragen sich die Menschen: Hat der was zu verstecken? Warum legt er nicht das, was klar ist, auf den Tisch? Die Sache hat zwei Dimensionen: Das erste ist das Image der katholischen Kirche. Es geht nicht nur um den Bischof von Limburg, sondern es geht um die ganze katholische Kirche. Man fragt sich: Was können Bischöfe sich heute noch leisten? Wie ist ihr Amtsverständnis? Und das zweite ist ganz knallhart rechtlich: Soweit ich das gelesen habe, gibt es rechtliche Regelungen, dass der Bischof Rechenschaft ablegen muss. Gegenüber seinem Domkapitel, aber auch gegenüber den Gläubigen.

Was werfen Sie (als gläubiger Katholik) diesem Kirchenmann vor?

Wir erinnern uns alle noch, zumindest die Katholikinnen und Katholiken in Deutschland, an Bischof Kamphaus, den Vorgänger-Bischof. Das war ein äußerst bescheidener Mann. Der hat zwei Zimmer im Priesterseminar gehabt. Dann hat das Domkapitel (Leitungskörperschaft einer Bischofskirche, Anm. d. Red.) entschieden: Nein, es sollte wieder ein Haus gegenüber dem Domkapitel für den Nachfolge-Bischof hergerichtet werden. Das ist ja alles gut und schön. Aber die Art und Weise, wie Bischof Tebartz-van Elst diese Entscheidungen jetzt durchgedrückt hat, dass er einen Verwaltungsrat eingesetzt hat, dass er das Domkapitel damit ausgeschaltet hat, und dass er schweigt zu den Vorwürfen, die offen liegen - das ist ein ganz, ganz schlimmes Bild für die Kirche.

"Sparen und Erneuern" - unter diesem Motto ließ Bischof van Elst Kirchengemeinden zusammenlegen - gegen den Protest von Priestern und Gläubigen. Gleichzeitig gibt er Geld mit beiden Händen aus - für Repräsentationszwecke und für die eigene Bequemlichkeit: Redet, lebt und handelt der Bischof, wie ein Bischof reden, leben und handeln sollte? Passt das zusammen in Zeiten, da der neue Papst Franziskus die neue Bescheidenheit ausruft?

Ich glaube, Bischof Tebartz-van Elst, seine Art, das Bischofsamt zu führen, ist nicht zeitgemäß. Und es schadet dem Ansehen der Kirche, es schadet der Botschaft Jesu, die sich dem Menschen zuwendet und die nicht ein bischöfliches Eigenleben führt. Er kommt mir vor wie ein Fürstbischof. Wir brauchen Bischöfe, die bei den Menschen sind. Und wenn der Bischof den Gemeinden sagt, sie müssen sparen, dann muss er natürlich selber mit gutem Beispiel vorangehen.

Passt der Streit um den Bischof von Limburg zu den Hoffnungen, die Papst Franziskus geweckt hat, die die Katholische Kirche als eine menschliche Kirche zeigen?

Ich glaube, die katholische Kirche hat noch sehr viel gravierendere Probleme. Und Papst Franziskus hat im Rom noch viel gravierende Probleme zu lösen als das, wie ein Bischof sein Bischofshaus baut. Aber das Ansehen der christlichen Botschaft nimmt unendlich Schaden durch das Verhalten von Tebartz-van Elst. Und ich kann nur hoffen, dass seine Brüder im Bischofsamt möglichst schnell Bischof Tebartz-van Elst zur Seite nehmen und ihm den brüderlichen Rat geben: "Tebartz, schalte um! Werde bescheidener! Mach es so, wie es der Papst macht! Mach es so, wie wir das machen!"

Das heißt, Sie brechen noch nicht den Stab über ihn. Sollte denn ein Bischof zurücktreten, wenn er seine moralische Integrität im Auge der Gläubigen schwinden sieht?

Franz-Peter Tebartz-van Elst, Bischof von Limburg (Hessen), steht am 03.12.2012 im Innenhof vor der Kapelle (l) des Bischofshauses auf dem Areal der alten Vikarie gegenüber dem Limburger Dom. Die aufwendige Neubebauung des Geländes sorgt bis heute für Diskussionen in den Medien. Foto: Boris Roessler/dpa

Franz-Peter Tebartz-van Elst Bischof von Limburg vor dem umstrittenen Neubau seines Bischofssitzes

Die ganze Geschichte erinnert mich, zumindest von der Kommunikation her, doch ein bisschen an den Rücktritt von Christian Wulf, der sehr sehr lange gezögert hat, die Wahrheit auf den Tisch zu legen. Der das Vertrauen der Menschen und auch der Medien verloren hat. Und der letztlich keinen anderen Schritt sah, als zurückzutreten. Ich möchte ihm das nicht nahelegen, da kenne ich die Geschichte viel zu wenig. Aber wenn Priester in seinem Bistum, der Hofheimer Kreis, ihn bitten, einen neuen Weg der Versöhnung zu suchen, dann sollte der Bischof darauf hören. Und wenn einzelne Menschen schon sagen, dieser Bischof ist seinem Amt nicht gewachsen, dann sprechen sie nur das aus, was schon viele Menschen in Limburg und sonst in Deutschland über diesen Bischof denken.

Wie geht es jetzt weiter in Limburg?

Ich glaube, im Augenblick hat der Bischof Tebartz-van Elst die Karte gezogen, die früher Bischof Dyba oder auch mal Bischof Mixa hatte: Er ist im Augenblick der "Bad Guy" ("Bösewicht", Anm. d. Red.) der Bischofskonferenz. Ich denke, die anderen Bischöfe leiden ein bisschen mit, weil er so den neuen Aufbruch, den wir jetzt unter Papst Franziskus in der Kirche dringend notwendig haben und hoffentlich auch gewinnen, ganz schnell wieder zunichte macht. Es ist wie bei den Äpfeln in einer Kiste - ein fauler Apfel kann die ganze Kiste anstecken.

Christian Weisner war einer der Mitinitiatoren des VolksKirchenBegehrens 1995. Heute ist der gelernte Stadtplaner Weisner, Jahrgang 1951, Sprecher der katholischen Reformbewegung "Wir sind Kirche".

Das Interview führte Stefan Dege