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Filme

Weinstein und Co.: Skandal um sexuelle Belästigung weitet sich aus

Hollywood-Regisseur James Toback wird von hunderten Frauen beschuldigt. In Deutschland erzählen prominente Schauspielerinnen von Übergriffen. Und jetzt hat der Skandal auch die Modeszene erreicht.

Er mag nicht so prominent sein wie Filmmogul Harvey Weinstein, aber die Zahl derer, die ihn der sexuellen Belästigung beschuldigen, übertrifft die Zahl der möglichen Weinstein-Opfer bei Weitem: James Toback, Hollywood-Regisseur und Drehbuchautor, soll Frauen in den vergangenen zwei Jahrzehnten hundertfach belästigt haben. Am vergangenen Sonntag veröffentlichte die "Los Angeles Times" (LAT) einen Artikel, in dem 38 Frauen dem Hollywood-Regisseur und Drehbuchautor James Toback sexuelle Belästigung vorwerfen. Er habe sich Frauen mit dem Versprechen angenähert, sie berühmt zu machen, und sie dann bedrängt. 

In den folgenden zwei Tagen nach Veröffentlichung des Berichts hat die LAT nach eigener Aussage Reaktionen von mehr als 200 weiteren Frauen erhalten, die angeben, ebenfalls von Toback belästigt worden zu sein. Unter ihnen Natalie Morales, Moderatorin der "Today Show" auf dem US-Fernsehsender NBC, die sich per Twitter an den Autor des LAT-Artikels, Glenn Whipp, wandte: "Glenn, füge eine hinzu. Exakt dasselbe Drehbuch von James Toback, als ich ihn in der Nähe des Central Park traf." 

"Du bist getobackt worden!"

Die britische Tageszeitung "The Guardian" berichtet, Tobacks Verhalten sei, ähnlich wie das Weinsteins, in der Branche ein "offenes Geheimnis" gewesen. Die Schauspiellehrerin und Dramatikerin Karen Sklaire sagte der Zeitung: "Es ist eine Erfahrung, die viele Frauen, die ich kenne, teilen. Wenn jemand erwähnt, dass sie von einem gruseligen Drehbuchautor sexuell missbraucht wurden, ist die Reaktion: "'Oh nein, du bist getobackt worden!'"

Außerdem weist der Guardian darauf hin, dass Toback in seinen Filmen mehrfach Szenen eingebaut habe, die weibliche Sexualität sehr freizügig darstellen. "Ich bin von Frauen besessen, deshalb kann ich mich sehr gut in das weibliche Bewusstsein hineindenken", sagte Toback der Multimedia-Newsseite IGN anlässlich einer Filmpremiere im Jahr 2004.

Toback leugnet alles

Nach Angaben der LAT ist offenbar noch keine der Frauen zur Polizei gegangen - möglicherweise auch, weil sie Tobacks Rache fürchteten. So erzählte ein anonymes Opfer, damals ein angehender Hollywood-Star, er habe ihr gedroht: "Leute, die gegen mich vorgehen wollen... Ich kenne Menschen, die anderen Menschen Schmerz zufügen."

Der heute 72-jährige Regisseur weist sämtliche Vorwürfe von sich. Er erklärte nach Angaben der LAT, die Frauen nie getroffen zu haben - und wenn doch, dann "nur für fünf Minuten", an die er sich nicht erinnern könne. Toback hat 1991 für den Film "Bugsy" eine Oscar-Nominierung für das beste Originaldrehbuch erhalten. Seine jüngste Regiearbeit, "The Private Life of a Modern Woman", wurde in diesem Jahr auf dem Filmfestival von Venedig vorgestellt. 

Die Schauspielerin Uschi Glas mit grauer Strickjacke und braunem Schal (epd)

Wurde von einem Kollegen vor der Kamera belästigt: Schauspielerin Uschi Glas

Neue Bekenntnisse deutscher Stars

Im deutschen Boulevard-Magazin "Bunte" haben unterdessen weitere prominente Frauen aus der deutschen Film- und Fernsehbranche von sexuellen Belästigungen berichtet. "Einmal ist es mir passiert, dass ein Kollege eine Liebesszene ausnutzen wollte", sagte Schauspielerin Uschi Glas der Zeitschrift. "Er hat den Kuss nicht gespielt, sondern mir seine Zunge in den Mund gesteckt. Das war eine wirkliche Belästigung." Glas habe die Szene sofort abgebrochen und den Kollegen vor dem ganzen Team zur Rede gestellt. Schauspielerin Tina Ruland sagte dem Magazin, ein bekannter Produzent und ein sehr einflussreicher Regisseur hätten sie verbal belästigt. "Beide haben sich über meine Brüste ausgelassen", sagte sie. Die Fernsehmoderatorin Birgit Schrowange (59) berichtet, sie sei von einem Sendeleiter "dermaßen bedrängt und genötigt" worden, dass sie sich vor ihm geekelt habe. "Anfangs war er noch charmant zu mir. Doch er gab mir schnell zu verstehen, dass er am längeren Hebel sitzt und sich von mir mehr erwartet als verbale Freundlichkeiten", zitiert die "Bunte" die Moderatorin. Ständig habe er sie abends zum Essen eingeladen und gedroht, ihre Dienste als Ansagerin zu kürzen. "Was er auch tat, als ich nicht auf sein Drängen einging." 

Fotograf Terry Richardson darf nicht mehr für die "Vogue" arbeiten

Mittlerweile hat der Skandal auch die Modebranche erreicht. Der Condé Nast-Verlag, der die Modemagazine "Vogue", "Vanity Fair", "GQ" und "Glamour" veröffentlicht, verkündete am Dienstag, dass er ab sofort den prominenten US-amerikanischen Modefotografen Terry Richardson nicht mehr beschäftigen wolle.

"Sexuelle Belästigung jeglicher Art ist inakzeptabel und sollte nicht toleriert werden", erklärte das Unternehmen in einer Stellungnahme dazu gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Die Entscheidung könnte eine Reaktion auf einen Artikel der "Sunday Times" vom vergangenen Sonntag sein, in dem die Zeitung fragte, warum Richardson noch immer für Modemagazine arbeiten dürfe, obwohl ihm immer wieder sexuelle Übergriffe vorgeworfen wurden. Er war seit den 90er Jahren bekannt für seinen anzüglichen Fotos, ein Stil, der unter dem Namen "porn chic" bekannt wurde.

Model Jessica Stam und Fotograf Terry Richardson, der lächelt und eine kleine Kamera in der Hand hält (picture alliance/dpa/B. Pedersen)

Fotograf Richardson mit Model Jessica Stam

Das dänische Model Rie Rasmussen war im Jahr 2010 als erste mit Vorwürfen gegen den Fotografen an die Öffentlichkeit gegangen. Richardson nutze seine Machtposition aus, um junge Frauen nackt zu fotografieren. Seitdem haben zahlreiche Frauen von sexuellen Übergriffen Richardsons berichtet. Dennoch wurde Richardson weiterhin für Shootings mit Prominenten wie Barack Obama, Lady Gaga und Beyoncé gebucht. Er fotografierte die nackte Miley Cyrus 2013 in anzüglichen Posen und drehte auch das Musikvideo "Wrecking Ball" mit der Sängerin, in dem sie nackt auf einer Abrissbirne sitzt. Cyrus hat inzwischen erklärt, dass sie die Aufnahmen bereue. 

Auch im Netz zieht die aktuelle Debatte innerhalb der Modeszene Kreise. So hat das Model Cameron Russel auf ihrem Instagram-Account Opfer sexueller Übergriffe aufgerufen, ihr ihre Geschichten zu erzählen. Knapp 80 Kolleginnen haben bislang darauf reagiert.

ka/pj (dpa/AFP/The Guardian)

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