Weinstein Company meldet Insolvenz an | Wirtschaft | DW | 20.03.2018
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Wirtschaft

Weinstein Company meldet Insolvenz an

Knapp ein halbes Jahr nach Bekanntwerden der ersten Missbrauchsvorwürfe gegen Hollywood-Mogul Harvey Weinstein hat dessen frühere Produktionsfirma Konkurs angemeldet.

USA The Weinstein Company in Tribeca, New York (Getty Images/AFP/A. Weiss)

Zentrale der Weinstein Company (TWC) im New Yorker Szene-Viertel Tribeca

Die Weinstein Company hat nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts Gläubigerschutz beantragt. Das Hollywood-Studio gab am Montag zudem bekannt, Geheimhaltungsvereinbarungen mit mutmaßlich betroffenen Frauen aufgelöst zu haben. Diese können damit ohne Sorge vor Klagen sprechen. Damit solle "allen Opfern Gerechtigkeit" widerfahren, erklärte die Weinstein Company.

Mit dem Konkursverfahren hofft die Firma auf einen "Neuanfang". Die Schulden werden in dem Insolvenzantrag nach "Chapter 11" mit einer halben bis zu einer Milliarde Dollar beziffert, das Vermögen in der gleichen Größenordnung. Eine Tochterfirma der Beteiligungsgesellschaft Lantern Capital Partners ist offenbar bereit, die Vermögenswerte zu übernehmen. Es sollten so viele Jobs wie möglich bewahrt werden, sagte Harvey Weinsteins Bruder Robert, der inzwischen an der Spitze der Weinstein Company steht.

Erst vor zwei Wochen hatte eine Investorengruppe unter Leitung von Maria Contreras-Sweet, einer früheren Mitarbeiterin in der Regierung des damaligen US-Präsidenten Barack Obama, einen Rückzieher beim Kauf der Weinstein Company gemacht. Die Leitung der Produktionsfirma hatte daraufhin angekündigt, in einen "geordneten Konkurs" gehen zu wollen.

Die nun getroffene Grundsatzvereinbarung mit der Lantern Capital-Tochter ermögliche in einem vom Gericht überwachten Bieterverfahren höhere Gebote, hieß es weiter. Das zuständige Konkursgericht muss dem aber noch zustimmen. Als mögliche Bieter gelten Lions Gate Entertainment und die ehemals von Harvey Weinstein und seinem Bruder Bob gegründete Filmgesellschaft Miramax. Beide Firmen hatten bereits zuvor Interesse für Unternehmensteile gezeigt. Auch Filmproduzent Killer Content teilte mit, bei einer Konkursversteigerung von Vermögensteilen möglicherweise die Hand zu heben.

Unklar ist nach wie vor, wie es bei einigen noch nicht fertiggestellten Filmen der Produktionsfirma weitergehen soll, darunter ein Historiendrama mit Benedict Cumberbatch und eine Komödie mit Robert de Niro.

Harvey Weinstein (picture-alliance/dpa/EPA/G. Horcajuelo)

Weinstein war Großspender der Demokratischen Partei und galt als guter Bekannter der Ex-Präsidenten Clinton und Obama

Weinstein noch nicht offiziell beschuldigt

Harvey Weinstein, der am Montag 66 Jahre alt wurde, war kurz nach Bekanntwerden der ersten Missbrauchsvorwürfe im Oktober von seiner Produktionsfirma entlassen worden. Er wird von mehr als 70 Frauen beschuldigt, sie sexuell bedrängt oder sogar vergewaltigt zu haben. Weinstein weist dies zurück und beharrt darauf, dass sexuelle Kontakte einvernehmlich geschehen seien. Die Vorfälle haben weltweit eine Debatte über Missbrauch im Showgeschäft und anderen Branchen ausgelöst.

Die Polizei ermittelt zwar in einer Reihe von Fällen, hat Weinstein bislang aber nicht formell beschuldigt. Der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates New York, Eric Schneiderman, kündigte am Montag eine Untersuchung zu der Frage an, warum dies bislang noch nicht geschehen ist. Die Frauenrechtsgruppe "Time's Up" hatte eine solche Prüfung gefordert und insbesondere dem Bezirksstaatsanwalt von Manhattan, Cyrus Vance, Versäumnisse vorgeworfen.

tko/iw (rtr, dpa, afp)

 

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