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Afrika

Weinland Marokko

Weite Ebenen, hohe Berge, gute Böden – und vor allem viel Sonne: Gute Bedingungen für Spitzenweine gibt es nicht nur im Rheingau oder in der Pfalz. Auch Marokko ist ein Paradies besonderer Art für den Weinanbau.

Weingut (Foto: AP)

Weingut im muslimischen Marokko

Sanfte Hügel und Weinreben, so weit das Auge reicht. Überall duftet es nach frisch geernteten Trauben. Im Garten plätschert leise ein andalusischer Brunnen. Im Glas ein kühler Chardonnay. Weinliebhaber sind in Marokko bestens aufgehoben. Vor allem hier auf dem safranfarbenen Gut Château Roslane, dem Hauptsitz der Celliers de Meknes, am Fuße des Atlasgebirges.

Flash-Galerie Atlasgebirge Marokko Berber

Einige Kilometer von hier, am Fuße des Gebirges, wächst der marokkanische Wein

Lehmiger Boden für würzigen Geschmack

Einfache Landweine, teure Cuvées, feinster Champagner: 25 Rebsorten gedeihen hier bestens – vor allem Carignan, Cinsault, Grenache, Chardonnay, Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah. Manche Reben wachsen auf Lehmboden - das sorgt für charaktervolle, würzige Weine; andere auf sandigem Terroir – das Ergebnis sind fruchtige, elegante Tropfen wie Trois Domaines, Rimal, oder der Top-Weißwein Côteau de l'Atlas. Kellermeister Omar Zaio ist immer wieder begeistert: "Er moussiert ein bisschen, er ist fruchtig, hat eine leichte Säure, und das zählt – er reizt die Zunge, er ist rund, und er hat einen vollen Abgang. Ein wunderbarer Wein."

Weinhersteller der Superlative

Was die Franzosen einmal in der Kolonialzeit gegründet haben und schon zum Produzenten von billigen Tafeltrauben verkommen war, ist heute Marokkos größter Weinhersteller. Pro Jahr werden hier mehr als 30 Millionen Flaschen abgefüllt. Mehr als 1200 Mitarbeiter sind bei dem Weinhersteller tätig. Auf über 5000 Hektar erstreckt sich die Rebfläche. Die Celliers de Meknes ist ein Unternehmen der Superlative. Gelesen wird klassisch von Hand für 3 Euro 50 am Tag, oder mit der Rüttelmaschine. Es gibt computergesteuerte Kelter- Kühl-, und Abfüllanlagen, Edelstahltanks für zehntausende Hektoliter Wein - und im Keller mehr als 2000 teure Barriquefässer für die edelsten Gewächse des Château Roslane.

Ohne Zucker

Omar Zaio steht gerne vor der großen Wand mit den Gold- und Silbermedaillen, die sein Weingut bei internationalen Wettbewerben schon gewonnen hat. Ein Zeichen für konstante Qualität – keineswegs die Regel in Marokko. Im Château Roslane betont man stolz, man halte sich streng an die Regel, keinen Zucker zuzusetzen, um die Gärung zu beeinflussen. "Die marokkanische Sonne ist gut für unseren Wein, und Regen kommt auch, aber das Problem ist der Chergui, der heiße Wüstenwind, der die Trauben zu Rosinen macht – Allah sei Dank hat er uns in diesem Jahr verschont!", sagt Omar Zaio.

Flash-Galerie Kellermeister Omar Zayou Champagner Marokko

Omar Zaio

Es ist sehr trocken in Meknes, und die Reben müssen deshalb ständig bewässert werden. Das ist teuer und nicht gerade umweltfreundlich. Immerhin könne man an der Chemie sparen, versichert der Kellermeister. Wegen der Hitze gibt es kaum Schädlinge, die Ernte läuft gut - und deshalb erwartet er sich viel vom erneut preisverdächtigen Jahrgang 2009.

Wichtige Steuereinnahmen

Überhaupt geht es bei den Celliers de Meknes um Erfolg. Heute hat die Kellerei nicht nur die anderen marokkanischen Anbaugebiete wie Benslimane oder Essaouira abgehängt, sondern sie stellt auch die Europäer in den Schatten. Marokkos Weinzar Brahim Zniber hat mit seinem Unternehmen im vergangenen Jahr umgerechnet fast 230 Millionen Euro verdient – nicht nur mit Wein. Zniber importiert auch hochprozentigen Alkohol - und lässt sich das Abfüllen von Coca Cola gut bezahlen. All das macht Meknes zu einem mächtigen Player der marokkanischen Wirtschaft. Allein der Wein bringt dem Staat Millionen von Steuereinnahmen.

Flash-Galerie Weinkellerei Les Celliers de Meknes Marokko

Weinprobe bei Les Celliers de Meknes

Bisher sind es vor allem die Marokkaner selbst, die den Wein aus Meknes fast alleine austrinken. Dabei ist er sehr teuer: In den Restaurants kostet ein Topwein schon mal 50 Euro. Aber die Produzenten kalkulieren knallhart: Sie können sich die hohen Preise leisten. Denn Zölle, Steuern und Importkosten machen einen französischen Chablis auch nicht gerade billig.

Expansionspläne

Doch Chef-Winzer Ben Omar Zouir will sich nicht auf dieser Preisgarantie ausruhen – er will neue Märkte erobern. Die Weine aus den Celliers de Meknes sollen auch in Deutschland Botschafter für Marokkos Lebensart sein. Noch landen 90 Prozent ihrer Weine auf dem marokkanischen Markt. "Wir exportieren zwar auch nach Frankreich, nach Japan und so weiter, aber wir können noch mehr tun, Marokkos Weine müssen noch bekannter werden. Das wird sehr mühsam für uns, aber es lohnt sich. Denn die Qualität ist da, und ich bin sicher, die Leute werden Spaß an unseren Weinen haben", sagt Zouir.

Dabei endet der Spaß mit dem Wein manchmal schon an der Grundstücksgrenze der Kellerei: Bis vor kurzem hatte Meknes, die tief religiöse Großstadt, einen islamistischen Bürgermeister. Und der ließ bereits ein Weinfestival durch die Polizei beenden. Alkohol in der Öffentlichkeit – das ist und bleibt in Marokko eine Provokation. Ben Omar Zouir vertraut aber auf die Laissez-Faire-Mentaliät seiner Landsleute; eine Bombe werde schon nicht auf Meknes fallen... "Selbst die Leute, an die Sie jetzt denken, sind doch Marokkaner. Ich habe keine Angst um die Weinkultur in Marokko. Man kann nie sicher sein, aber diese geistige Haltung, die Achtung des eigenen kulturellen Reichtums, die überwiegt. Gegen die Bedrohungen von außen kann man nichts tun", sagt Zouir.

Vielleicht, sagt der Winzer dann, sollte man diesen Kritikern einfach mal ein kaltes Glas Côteau de l’Atlas servieren – im Patio des Gartens von Château Roslane...

Autor: Alexander Göbel

Redaktion: Christine Harjes