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Kultur

Wein aus verbotenen Schläuchen

Auf beiden Seiten des Rheins wachsen hervorragende Trauben - für einen köstlichen Wein. Doch einem grenzüberschreitenden deutsch-französischen Wein droht jetzt ein höchstrichterliches Verbot.

Weiße Trauben für einen gelungenen grenzüberschreitenden Wein (Foto: dpa)

Trauben für einen gelungenen grenzüberschreitenden Wein

"Ein sehr leichter Wein. Feine Düfte von Frühlingsblumen. Auch Obst. Etwas Birnen. Leichte Nuancen von Mirabelle", sagt Wolfgang Zähringer. Er steht zufrieden im Verkaufsraum seines Weinguts in Heitersheim. Hier ganz im Südwesten Deutschlands machen die Menschen seit Jahrhunderten exzellente Weine. Aber der Tropfen, den Zähringer gerade verkostet, ist für ihn etwas ganz besonderes.

Mehr als 160 Jahren nach der Gründung des Weinguts hat der Ur-Urenkel des Gründers ein Experiment gewagt, das jetzt republikweit Schlagzeilen macht und die Staatsanwaltschaft Freiburg beschäftigt. Gemeinsam mit einem befreundeten Winzer aus Blienschwiller im Elsass hat Zähringer einen deutsch-französischen Wein gekeltert.

Badener oder Elsässer Tropfen zum Hirsch?

Wie so oft hätten die Deutschen mit Franzosen zusammengesessen. Einmal gab es dabei Hirsch und man habe gestritten, ob es dazu einen französischen oder deutschen Wein geben sollte. "Die Deutschen waren natürlich für den Badener und die Franzosen für den Elsässer. Als wir uns dann nicht einigen konnten, haben wir beschlossen, einen gemeinsamen Wein zu machen", erinnert sich der Winzer.

Gesagt, getan. Aus der Weinlese in den deutschen und französischen Weinbergen 2007 machten die beiden Winzer ein deutsch-französisches Fest. Jeweils zur Hälfte befüllten sie ihre Weinfässer mit hellen Trauben aus Deutschland und Frankreich und ließen den Wein über Monate reifen. Auf einem Schiff mitten auf dem Rhein füllten die Winzer im Juli 2008 schließlich den ersten deutsch-französischen Wein in Flaschen - genau auf der Grenze zwischen Deutschland und Frankreich.

Ausnahmegenehmigung

Ein schönes Symbol, findet Zähringers Partner Francois Meyer. Mit viel Überzeugungsarbeit hat er die Behörden in Frankreich überredet, dem Experiment zuzustimmen. Es handelt sich immerhin um einen Bereich, der nicht geregelt ist. "Es war ein Präzendensfall", weiß Meyer. "Die Behörden hätten einfach nein sagen können. Aber weil wir das nur einmal gemacht haben, haben sie die Ausnahme genehmigt."

Grenz-übergreifende Weine sind in der Weinwelt nicht vorgesehen, obwohl das Ergebnis auch den Präsidenten des Verbandes der französischen Sommeliere überzeugt. Ende des Sommers hat Serge Dubs den deutsch-französischen Wein verkostet und er war begeistert, wie Wolfgang Zähringer stolz berichtet.

Grenzüberschreitende Weine dürfen nicht so heißen

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Und doch - so richtig freuen kann sich Wolfgang Zähringer über seinen Qualitätswein nicht. Überflüssige Vorschriften hindern ihn - den Pionier - daran, der Welt da draußen mitzuteilen, wie gut sein Wein wirklich ist. Grenzübergreifende Weine dürfen in Europa nur als minderwertige Tafelweine etikettiert werden. Ohne Herkunftsort und Rebsorten. So will es das Gesetz. Noch nicht einmal der Jahrgang darf auf die Flasche. Zähringer wundert sich darüber: "Das ist völlig unverständlich aus der Sicht des Verbrauchers. Der will doch wissen, wie alt der Wein ist. Ist es ein Billigwein oder hochwertige Qualität."

Also ließ Zähringer eine Flasche entgegen den Vorschriften mit Jahrgang und Rebsorten beschriften. Genau diese Flasche liegt jetzt beim Staatsanwalt. Noch ist nicht entschieden, so Oberstaatsanwalt Wolfgang Maier, ob Anklage gegen den Winzer erhoben wird.

Versuchslabor des europäischen Binnenmarktes

Zähringer selbst gibt sich kampfbereit. Doch der Winzer wird wohl einen langen Atem brauchen, glaubt der Europa-Experte Felix Braun von Euro-Info Verbraucher in Kehl. Wichtig in solchen Fällen sei es, die Politik zu mobilisieren. Das habe gerade hier an der Grenze schon häufiger funktioniert. Denn generell sei die Oberrhein-Region ein Versuchslabor für den europäischen Binnenmarkt, sagt Braun.

Doch Zähringer hat keine Zeit, um auf die Politik zu warten. Er denkt schon an das nächste Experiment. Die Schweiz ist schließlich nicht weit - und einen Dreiländerwein hat es auch noch nicht gegeben.

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